Feuerwehrmänner : Wenn Retter zu Brandstiftern werden

Eine abgebrannte Scheune in Neukalen, die von einem zündelnden Feuerwehrmann in Brand gesetzt worden sein soll. Foto: dpa
Eine abgebrannte Scheune in Neukalen, die von einem zündelnden Feuerwehrmann in Brand gesetzt worden sein soll. Foto: dpa

Erst brennt der historische Speicher von Wolgast (Vorpommern-Greifswald), dann folgen 2011/2012 drei Brandserien an der Mecklenburgischen Seenplatte. Feuerwehrleute in MV sorgen mit selbstgelegten Bränden für Aufsehen.

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23. Mai 2012, 12:04 Uhr

Neubrandenburg | Erst brennt der historische Speicher von Wolgast (Kreis Vorpommern-Greifswald), dann folgen 2011/2012 drei Brandserien an der Mecklenburgischen Seenplatte. Feuerwehrleute in Mecklenburg-Vorpommern sorgen mit selbstgelegten Bränden für Aufsehen. "Das ist ein Imageschaden für alle", sagte gestern Heino Kalkschies, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes. Rund 1000 Feuerwehren mit 36 000 Mitgliedern, davon 27 500 Einsatzkräfte, gibt es im Nordosten. Drei Feuerwehrmänner, die in Penzlin, Neukalen und Waren Feuer gelegt haben sollen, beschäftigen derzeit die Ermittler und die Justiz.

Gestern hat das Landgericht Neubrandenburg den Brandstifter der aufsehenerregenden Serie von Neukalen zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der 30-jährige Feuerwehrmann auf Probe wurde in sieben Fällen der Brandstiftung und in einem Fall der schweren Brandstiftung schuldig gesprochen, wie Gerichtssprecher Carl Christian Deutsch berichtete.

Der Feuerwehrmann hatte seine Taten von November 2011 bis Januar 2012 verübt und vor Gericht gestanden. Ein bewohntes Gartenhaus, Ställe, Stroh- und Heuballen sowie Papiercontainer im Gesamtwert von rund 50 000 Euro gingen in Flammen auf. Menschen wurden nicht verletzt. Dennoch sorgten die insgesamt 16 Feuer für Unruhe in der Region. Zivilfahnder fassten den Neukalener, weil er sich die Brände immer ansah.

An diesem Donnerstag verhandelt das Amtsgericht Waren gegen einen 18-Jährigen, der in Penzlin der Jugendfeuerwehr angehörte. Er soll im Frühjahr 2011 zwei Lauben und drei Wohngebäude in Brand gesetzt haben. Und erst am Wochenende war in Waren ein 28 Jahre alter Feuerwehrmann aus einem Nachbardorf festgenommen worden. Er fiel auf, weil er bei zwei Bränden in einem sechsgeschossigen Haus - zivil gekleidet - zusah. Er gab bei der Polizei zu, zweimal Feuer im gleichen Haus gelegt zu haben. Sein Motiv: Er habe ein "Held und Retter sein wollen". Verletzt wurde niemand.

"Wir werden sehen müssen, was wir vorbeugend noch mehr tun können, um so etwas zu verhindern", sagte der Chef des Feuerwehrverbandes. So sollen Führungskräfte stärker für diese Problematik sensibilisiert werden. Psychologische Eingangstests, wie bei der Polizei üblich, seien bei freiwilligen Wehren nicht durchsetzbar, berichtete Kalkschies. Das Landgericht der Hansestadt Stralsund hatte in einem ähnlichen Fall wie in Neukalen 2007 einen 25-jährigen Feuerwehrmann zu vier Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte aus Frust einen rund 170 Jahre alten, riesigen Fachwerkspeicher in Brand gesetzt, der zu einem Museum umgebaut werden sollte. Die Ruine wurde abgerissen.

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