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Gesundheit : Wenn plötzlich die Luft wegbleibt

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Wer schon bei der kleinsten Anstrengung in Atemnot gerät, sollte sich fragen, ob dahinter vielleicht eine ernste Krankheit steckt: Lungenhochdruck. Eine seltene Erkrankung, die oft unerkannt bleibt.

Greifswald | Gerät jemand schon bei der kleinsten Anstrengung außer Atem, zeugt das nicht zwingend von mangelnder Fitness, sondern kann Symptom vieler Krankheiten sein: von Arteriosklerose oder Asthma etwa. In einigen Fällen ist der Auslöser aber auch eine pulmonale Hypertonie - umgangssprachlich Lungenhochdruck. Diese Erkrankung ist selten, bleibt oft unerkannt und kann die Lebenserwartung drastisch senken.

"Das Blut wird von der rechten Herzkammer durch die Lungenarterien gepumpt, wo es sich mit Sauerstoff anreichert. Von hier fließt es zur linken Herzkammer, die es in den Körperkreislauf befördert", erklärt Prof. Ralf Ewert, Leiter des Bereichs Pneumologie am Uniklinikum Greifswald. Bei einem gesunden Menschen liege der mittlere Druck der Gefäße zwischen rechter und linker Herzkammer bei etwa 15 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Betrage er 25 mmHG oder mehr, werde es bedenklich - man spricht von einer pulmonalen Hypertonie.

Viele Ursachen für krankhafte Veränderung der Lungenarterien

Diese kann eine Reihe von Ursachen haben, anhand derer sie in verschiedene Klassen unterteilt wird. "Die Modellerkrankung ist die idiopathische pulmonalarterielle Hypertonie. Sie ist veranlagt und konnte bisher nicht auf einen klaren Auslöser rückgeführt werden", erklärt Ewert. Neben dieser selteneren, primären Form gibt es eine Reihe weiterer, die allesamt sekundärer oder assoziierter Natur sind: So kann sich der Hochdruck infolge chronischer Lungenerkrankungen wie einer Raucherbronchitis, bei Bindegewebserkrankungen wie Sklerodermie sowie nach Lungenembolien entwickeln.

Gemeinsam ist allen Formen eine krankhafte Veränderung der Lungenarterien: "Man findet eine Vasokonstriktion vor, das heißt, die Arterien sind zusammengezogen. Außerdem bilden sich vermehrt Blutgerinnsel, und die Gefäßwände werden umgebaut und verdicken sich, was eine zusätzliche Verengung bewirkt", erläutert Ewert. Die Folge sei eine schlechtere Gefäßdurchgängigkeit und damit ein erhöhter Blutdruck im Lungenkreislauf.

Steigt der Druck weiter an, ist die Durchblutung der Lunge gestört, und der Körper wird mangelhaft mit Sauerstoff versorgt. "Die rechte Herzkammer wird durch das Ankämpfen gegen den hohen Druck zunehmend überlastet und schwächer in der Pumpleistung", ergänzt Michael Barczok vom Bundesverband der Pneumologen. Letztlich könne es zur Rechtsherzinsuffizienz und zum Herzversagen kommen.

Äußerlich macht sich der Lungenhochdruck auf sehr unspezifische Weise bemerkbar: "Hauptsymptom ist eine für die jeweils aktuelle körperliche Belastung übertriebene Luftnot", erklärt Barczok. Dazu kämen Müdigkeit, Kreislaufprobleme und eine stark eingeschränkte Leistungsfähigkeit. "Und im fortgeschritteneren Stadium teils weitere Symptome wie Ohnmachtsanfälle oder ein Druckgefühl im Brustbereich."

Uneindeutige Symptome erschweren die Diagnose

Da diese Erscheinungen auch Anzeichen vieler anderer Krankheiten sein können, wird der Lungenhochdruck oft erst recht spät entdeckt.

"Bei vielen Betroffenen vergehen mehrere Jahre zwischen dem ersten klinischen Symptom und der Diagnose", berichtet Prof. Ekkehard Grünig vom Zentrum für pulmonale Hypertonie in der Thoraxklinik Heidelberg.

Zurückzuführen sei das auf das schleichende Einsetzen der Krankheit und die Tatsache, dass ihre Seltenheit und ihre undifferenzierte Symptomatik die Diagnose erschweren. Tatsächlich essenziell sei aber, auf Warnzeichen zu reagieren - im Zweifelsfall sollte ein Lungenhochdruckzentrum aufgesucht werden: "Bleibt sie unbehandelt, kann eine pulmonale Hypertonie innerhalb weniger Jahre zum Tod führen, ist sie in einem weit fortgeschrittenen Stadium, sogar binnen sechs Monaten", warnt Grünig.

Eine Reihe von Untersuchungen helfen, die Diagnose abzuklären: etwa ein EKG, ein Röntgenbild des Brustkorbs und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens. Bestimmte Veränderungen könnten auf Lungenhochdruck hinweisen, erklärt Ewert. Zur definitiven Diagnose sei eine Rechtsherzkatheteruntersuchung nötig, nur so könne ein Bluthochdruck im Lungengefäßsystem erkannt werden.

Medikamente packen das Übel nicht an der Wurzel

Je nach Form unterscheidet sich die Behandlungsweise. Ist der Lungenhochdruck Folge einer Erkrankung, wird zunächst diese therapiert: Schlägt die Behandlung an, bildet sich die Hypertonie auch teilweise zurück. Zur Therapie des primären Hochdrucks gibt es viele spezielle Medikamente. "Sie wirken allerdings lediglich symptomatisch und können keine Heilung bewirken", erklärt Barczok. In den meisten Fällen werde jedoch eine deutliche Stabilisierung und Verlängerung der Lebenserwartung erreicht.

Zusätzlich zur medikamentösen Therapie gibt es eine Reihe unterstützender Maßnahmen, die sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken können. Dazu zählen das Verabreichen von Sauerstoff sowie eine spezielle Atmungs- und Bewegungstherapie.

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erstellt am 19.Dez.2011 | 11:13 Uhr

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