Verbraucherschutz-Bilanz : Wenn Matjes kein Matjes ist

Agrarminister Till Backhaus (SPD) zeigt untersuchte Matjesheringe. dpa
Agrarminister Till Backhaus (SPD) zeigt untersuchte Matjesheringe. dpa

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28. Juni 2012, 12:32 Uhr

Die für die Verbrauchersicherheit zuständigen Behörden in Mecklenburg-Vorpommern haben im vorigen Jahr so viele Proben analysiert wie noch nie zuvor. Insgesamt waren es mehr als 750 000 und damit 80 000 mehr als im Jahr davor, wie Verbraucherschutzminister Till Backhaus (SPD) am Mittwoch in Rostock sagte. Der größte Teil entfiel mit gut 704 000 Untersuchungen auf die Erkennung von Tierkrankheiten, wie BSE, Geflügelgrippe, Blauzungenkrankheit oder der Bovinen Virusdiarrhoe, die zu Fehlbildungen und Fehlgeburten bei Kälbern führt.

Ein weiterer großer Teil der täglichen Arbeit der Mitarbeiter im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (Lallf) stellt die Untersuchung von Lebensmitteln dar. Im vergangenen Jahr wurden 7500 Proben gezogen, dabei kam es immerhin bei 12,5 Prozent zu Beanstandungen, wie Amtschef Frerk Feldhusen, sagte. Zu einem ganz großen Teil seien dies Bagatell-Fälle und kleinere Unkorrektheiten gewesen.

Es seien aber auch Matjesbrötchen untersucht worden - das Ergebnis konnte nicht befriedigen. Denn bei nur 14 von 27 Brötchenbelägen handelte es sich um den klassischen Matjeshering, der sich durch mindestens zwölf Prozent Fettgehalt, milde Salzung und mehrmonatiges Reifen in körpereigenen Enzymen an der Gräte auszeichnet.

Die Lebensmittelprüfer fanden auf sechs Brötchen nur Matjes nordischer Art. Dabei reift das abgelöste Filet unter Zugabe von Gewürzen und Säuerungsmitteln. Auf sieben Brötchen lag nur Heringsfilet nach Matjesart mit einem nur zehnprozentigen Fettgehalt und ohne enzymatische Reifung. Solche Produkte als Matjesfilet zu kennzeichnen, sei Irreführung der Verbraucher, sagte Feldhusen.

Viele Kräfte band die Belastung von Futtermitteln mit Dioxinen.

Das Dioxin war durch Fette, die für technische Zwecke hergestellt wurden, in die Futtermittel gelangt. Backhaus bezeichnete dies als „unverantwortliche Machenschaften eines einzelnen Unternehmers“. Mehr als 4000 Betriebe wurden bundesweit deshalb gesperrt.

Wie der Minister berichtete, ist derzeit im Land ein kleiner Biobetrieb ebenfalls wegen Überschreitung der Dioxin-Grenzwerte gesperrt. Den Standort mit ehemals 25 Legehennen wollte Backhaus nicht nennen. Eine Gefahr habe nicht bestanden, da die Eier im wesentlichen nur für den Eigenbedarf produziert wurden.
Inzwischen sei die Dioxinquelle gefunden. Zum einen habe der Bauer Asche im Hühnerhof verstreut und nicht bedacht, dass beim Verbrennen von organischer Substanz Dioxin entsteht. Zum anderen könnten sich Dioxine im Laufe der Zeit von einem mit Teerpappe belegten Dach gelöst haben.

Der auch für Menschen gefährliche Fuchsbandwurm breitet sich weiter aus, wie der Minister sagte. Die Behörden untersuchten 490 Proben von toten Füchsen, bei 129 wurde der Parasit nachgewiesen.

Mittlerweile sei mindestens jeder vierte Fuchs befallen. Dabei gebe es deutliche regionale Unterschiede: Stark betroffen seien die Altkreise Nordwestmecklenburg und Uecker-Randow, wo 45 beziehungsweise 35 Prozent der Füchse befallen seien. Im Altkreis Nordvorpommern waren es hingegen nur 15 Prozent.
Der Fuchsbandwurm ist auf den Menschen übertragbar und kann bei diesem innere Organe zerstören.

Allerdings gibt es nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern noch keinen bekannten Fall der Übertragung. Mit Beachtung wichtiger Hygieneregeln könne dies vermieden werden.

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