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Historiker-Tagung Schwerin : Wenn Legenden demontiert werden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beziehungen MV-USA im Fokus eines Historiker-Treffens in der Landeshauptstadt

von
erstellt am 27.Mai.2016 | 21:00 Uhr

Wenn Historiker allzu genau nachforschen und nachfragen, bringen sie hin und wieder die guten Gründe für ein Jubiläum ins Wanken. Auf einer Historiker-Tagung in Schwerin aus Anlass der angeblichen Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Herzogtum Mecklenburg-Schwerin und den Vereinigten Staaten von Amerika vor genau 200 Jahren wurden gestern gleich zwei Thesen angezweifelt.

So richtig in Gang kamen die diplomatischen Beziehungen wohl erst sieben Jahre später als postuliert. Und die in die USA ausgewanderten Mecklenburger, die sich seit dem 18. Jahrhundert im Mecklenburg County in North Carolina niedergelassen hatten, waren keineswegs schneller mit ihrer Unabhängigkeitserklärung als jene 13 britischen Provinzen, die ihre Unabhängigkeit 1776 proklamierten.

Im Januar 1816 ernannten die USA einen John M. Forbes zum Generalkonsul für Dänemark. Mecklenburg-Schwerin, Stettin und Stralsund sollte er gleich mit beackern. Allerdings fand der Schweriner Historiker Wolf Karge bislang nur in Stralsund Belege, dass die Hansestadt Forbes als Konsul anerkannte. Eine Zustimmung des Mecklenburger Herzogs hat Karge nicht gefunden. Vielleicht ist sie über die Jahre verloren gegangen, vielleicht hat es sie nie gegeben. „Wir wissen es nicht“, so Karge. Es gibt auch keinen Hinweis, dass Forbes in jenen Jahren je in Mecklenburg war. Erst sieben Jahre später sei mit dem Nachfolger Forbes die diplomatische Verbindung „mit Leben erfüllt worden“, räumt Karge ein. Aber er besteht darauf, dass ein Konsul irgendwie Diplomat gewesen sei, auch wenn er nicht wie ein Botschafter im Namen seiner Regierung sprechen durfte. Ein Konsul kümmerte sich um Handelsbeziehungen und Reisegenehmigungen.

Der Greifswalder Historiker Robert Riemer demontierte die Legende, nach der die US-Mecklenburger bereits 1775 in Mecklenburg County ihre Unabhängigkeit von der britischen Krone erklärt haben. Dann wären sie früher freiheitsliebender als der Rest der Kolonialisten gewesen. Zwar gibt es ein Papier, in dem im Mai 1775 von Unabhängigkeit die Rede ist. Allerdings wollten die US-Mecklenburger diesen Schritt nur zusammen mit den anderen gehen. Weil das Papier lange verschollen war, konnte vor ungefähr 200 Jahren die Geschichte in die Welt gesetzt werden, die Mecklenburger seien am schnellsten gewesen mit ihrer Unabhängigkeitserklärung.

So genau wollten es manche Tagungsteilnehmer auch nicht nehmen. Notfalls gebe es dann ja jeweils zwei Daten, an denen eine Völkerfreundschaft oder eine Freiheitsliebe gefeiert werden könnte.

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