Anforderungen an Schulsozialarbeiter steigen : Wenn Kinder nie ihr Dorf verlassen

Foto: Karen Hacke
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Die Schulsozialarbeiter in MV müssen immer häufiger Kindern mit Suchtproblemen helfen und Alltagshilfe leisten. Gleichzeitig ist ihre rechtliche Arbeitssituation unklar, ihre Bezahlung nicht auf Dauer gesichert.

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17. Januar 2013, 09:47 Uhr

Schwerin/Güstrow | Die Schulsozialarbeiter in Mecklenburg-Vorpommern müssen immer häufiger Kindern mit Suchtproblemen helfen und praktische Alltagshilfe leisten. Gleichzeitig ist ihre rechtliche Arbeitssituation unklar und ihre Bezahlung nicht auf Dauer gesichert. Der Landesverband der Schulsozialarbeiter fordert deshalb, die Pädagoginnen per Landesgesetz abzusichern und vom Land zu bezahlen. Heute treffen sich die Schulsozialarbeiter des Landes zu einer Tagung in Güstrow.

Anders als noch vor zehn Jahren seien heute mehr Schülerinnen und Schüler fast schon süchtig nach Computerspielen und nach ihrer "Kontaktpflege" in den sozialen Netzwerken wie Facebook, sagte die Vorsitzende des Berufsverbandes Katja Falkenberg im Gespräch mit dieser Zeitung. "Sie kommen übernächtigt in die Schule und manche haben es schwer, mit Mitschülern und Lehrern zu kommunizieren." Hinzu komme, dass die Schulsozialarbeiter vor allem im Osten des Landes immer wieder mit einer gewissen Ahnungslosigkeit vom oder gar Angst vor Alltagsdingen bei manchen Kindern konfrontiert werden. "Sie wissen nicht, wie man eine Busfahrkarte löst oder fürchten sich vor der Fahrt in die nächste Kreisstadt, weil sie mit ihren Eltern nie aus ihrem Heimatort herauskommen."

Die steigenden Anforderungen an Schulsozialarbeiter, so Falkenberg, stünden im Widerspruch zur oft geringen Bezahlung und zu einem unklaren Arbeitsfeld. "Wir wollen ein Gesetz, mit dem sich das Land zu uns bekennt und das die Aufgaben der Schulsozialarbeiter klar definiert." Es müsse zum Beispiel ausgeschlossen werden, dass Schulsozialarbeiter trotz einer Vollzeitstelle von ihrem Arbeitgeber - also einer Kommune oder einem Wohlfahrtsverband - herangezogen werden, zusätzlich den örtlichen Jugendklub zu leiten. Auch dürften sie nicht von Schulleitern als Vertretungslehrer oder Kantinenhilfe eingesetzt werden. Falkenberg forderte die Landesregierung zudem auf, die Gehälter der Sozialarbeiter für die kommenden Jahre abzusichern. Derzeit bezahlt das Land knapp die Hälfte der Gehälter für etwa 350 Schulsozialarbeiter aus Fördergeldtöpfen der Europäischen Union. Diese Förderung läuft vorerst Ende 2013 aus. Falkenberg: "Es ist unklar, wie es weitergehen soll." Laut Falkenberg müssen viele der studierten Pä dagogen mit 1400 Euro netto auskommen. Die Verbandschefin sieht vor allem an den Grundschulen noch Lücken in der landesweiten Ausstattung von Schulen mit Sozialarbeitern. Dort könnten sie oft noch vorbeugend eingreifen, bevor Kinder schwerwiegende Probleme bekommen. Im Gegensatz zu früher haben ihre Berufskollegen unterdessen keine Schwierigkeiten mehr, von den Lehrern akzeptiert zu werden. "Wir haben einen intensiven Draht zueinander. Und wo Stellen gestrichen werden sollen, kämpfen die Schulen um ihre Schulsozialarbeiter." Auf dem Fachtag in Güstrow erwartet Falkenberg mehrere Hundert ihrer Kollegen. Die seien "gut vernetzt" und bereit, den Druck auf die Landespolitiker zu erhöhen.

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