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Hilfe für Suchtkranke in MV : Wenn Kinder Drogen nehmen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

...fühlen Eltern sich oft hilflos und schuldig. Die Hemmschwelle ist groß, Beratung in Anspruch zu nehmen

svz.de von
erstellt am 30.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Selbsthilfegruppen für Angehörige von drogenabhängigen oder suchtgefährdeten Kindern und Jugendlichen sind in Mecklenburg-Vorpommern rar gesät. Regelmäßig finden sich lediglich in Rostock und Stralsund entsprechende Elternkreise zusammen. In Schwerin, Ludwigslust und Greifswald lösten sich Elternkreise in den vergangenen Jahren auf.

„Selbsthilfegruppen werden nicht mehr so gut angenommen wie noch in den Neunzigern“, sagte Birgit Grämke von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtfragen (Lakost). Betroffene holten sich Informationen oft lieber anonym im Internet. Zugleich sei die heutige Elterngeneration besser informiert und auch achtsamer als die nach der Wende, meinte Grämke. Gesprächsgruppen böten aber die Möglichkeit eines direkten persönlichen Austausches. „Das ist menschlicher als im Netz.“ Zugleich setze die Teilnahme an solchen Elternkreisen den Mut zum Outen voraus. „Gerade Eltern, deren Kinder abhängig oder gefährdet sind, haben große Ängste und Schuldgefühle, sie schämen sich“, meinte Grämke.

„Davor scheuen viele zurück.“ Der älteste Elternkreis drogengefährdeter und -abhängiger Jugendlicher Mecklenburg-Vorpommerns fand sich 1996 in der Caritas Rostock zusammen. Anliegen sei es, Hilfsstrategien für suchtkranke Kinder und deren Angehörige zu entwickeln, erklärte eine 48-jährige Rostockerin, die ihren Namen nicht nennen möchte. „Viele Teilnehmer verfügen über eine große erlebte und erlittene Kompetenz“, sagte sie. Einmal im Jahr finde ein Treffen mit Drogenabhängigen statt, auch Suchtkliniken würden besucht.

Die Rostockerin hat einen heute 20 Jahre alten Sohn, der mit 15 in die Abhängigkeit geriet und seit zwei Jahren drogenfrei ist. „Konsequenz zeigen, das ist das Schwierigste“, sagte sie. „Eltern müssen sich klar von der Droge distanzieren, nicht aber von ihrem Kind.“ Dabei dürften dem Kind nicht alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt werden. In dem Rostocker Elternkreis treffen sich zehn, zwölf Teilnehmer jeden Dienstagabend. Die meisten haben Söhne, viele der suchtkranken Kinder sind inzwischen erwachsen. Die älteste Teilnehmerin der Gruppe ist 75 Jahre alt, ihr drogenabhängiger Sohn 39. In der Gruppe gehe es darum, Informationen und Erfahrungen auszutauschen, einander Mut zu machen und Lebensqualität zurückzugewinnen.

Das Problem von Suchtkrankheiten bei Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren im Nordosten nicht kleiner geworden, wie aus Statistiken der Suchtberatungsstellen hervorgeht. Während es laut Sozialministerium keine valide Datenbasis zu tatsächlich abhängigen Kindern und Jugendlichen gibt, vermeldeten die Beratungsstellen eine konstante Nachfrage gefährdeter oder abhängiger Klienten. 2015 wurden 45 Kinder bis 14 Jahre beraten und 190 Jugendliche von 15 bis 17 Jahren. Die Zahlen seien seit 2012 weitestgehend konstant geblieben, teilte eine Ministeriumssprecherin mit.

Das Land lässt sich die Suchtberatung einiges kosten. Jedes Jahr fließen laut Sozialministerium gut 1,7 Millionen Euro in Präventions- und Beratungsangebote. Hinzu kommen 330 000 Euro Förderung für die Landeskoordinierungsstelle in Schwerin sowie Projektmittel etwa für ein geplantes Netzwerk „Kind-Familie-Sucht“ im Landkreis Vorpommern-Greifswald.

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