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Deutsche Meisterschaft in Rostock : Wenn jeder Handgriff sitzen muss

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Grabower Kameraden wollen mit Ausdauer, Schnelligkeit und Genauigkeit zur Deutschen Feuerwehr-Meisterschaft in Rostock

Sobald der Mike Baguhn das Kommando gibt, geht alles ganz schnell: Die acht Männer der Grabower Feuerwehr stürmen nach vorne, schnappen sich Druckschläuche, Strahlrohre, Halteleinen, den Saugkorb und Verteiler. Eingespielt verbinden sie blitzschnell die Einzelteile, drehen Ventile zu, rollen Schläuche aus. Es gleicht einer Choreografie. Alles geht Hand in Hand. Nicht einmal 50 Sekunden brauchen sie. Dann ist die Übung „Löschangriff trocken“ absolviert. „Da geht noch mehr“, ist sich Wehrführer Ulf Bennöhr beim Blick auf sie Stoppuhr am Montagabend sicher. Übermorgen muss die Mannschaft in Rostock alles geben. Von morgen bis Samstag finden hier die Deutschen Feuerwehr-Meisterschaften statt. Die Wehr aus Grabow ist zum ersten Mal dabei.

„Unzählige Male“ hätten sie für den Wettkampf seit Ende letzten Jahres trainiert, meint Bennöhr. Immer und immer wieder seien die Männer die einzelnen Handgriffe durchgegangen, hätten die Abläufe geprobt. Dass ganze für 50 Sekunden Wettkampf. Länger sollte der Auftritt nicht dauern. Bei der Übung Löschangriff muss die Mannschaft eine Schlauchleitung von einer simulierten Wasserentnahmestelle bis zu zwei C-Stahlrohren aufbauen. Dabei geht es um Schnelligkeit und Genauigkeit. Allein die Wettbewerbsordnung für die Disziplin ist 30 Seiten dick. „Wer was zu machen hat und wer wem was gibt ist genau beschrieben“, erklärt Bennöhr.

Jeder kleine Fehler kostet Punkte. Lässt ein Kamerad etwas fallen oder übertritt eine Linie gibt es jeweils fünf Strafsekunden. Flucht jemand während des Wettkampfs oder ist der Schlauch am Ende verdreht, gibt es zehn. Und wenn der Saugkopf herunter fällt, notiert der Kampfrichter gleich 20 Strafsekunden. „Das ist kaum noch aufzuholen“, meint Bennöhr. Bei der Entscheidung kommt es auf jede Sekunde an. Manchmal auch auf Millisekunden. „Das ist so eng. Die ersten fünf Plätze liegen manchmal nur zwei Sekunden auseinander.“ Qualifiziert für die Deutschen Meisterschaften hat sich das Team mit 49 Sekunden. Im Training hätten sie die Zeit jedoch bereits unterboten.

Hintergrund: Olympiade 2013
Die besten Mannschaften der diesjährigen Meisterschaft qualifizieren sich für die Feuerwehr-Olympiade des Weltfeuerwehrverbandes CTIF, die 2017 im österreichischen Villach stattfindet. Das die Wehren aus MV hier gute Chance haben, zeigen die Ergebnisse der Olympiade 2013 im französishen Mulhouse. Von dort kehrte das Team MV gleich mit mehreren Medaillen im Gepäck zurück. So errangen die Frauen in der Gesamtwertung den 3. Platz. In den Teildisziplinen Löschangriff und Hindernisstaffel gab es die Plätze zwei bzw. drei, im 100-m-Hindernislauf Rang vier. Bester deutscher Einzelstarter in einer Teildisziplin war Hannes Rost mit Rang zehn im Zweikampf. Die MV-Männer hatten mit dem 3. Platz in der Staffel ihr bestes Ergebnis. Jeweils Vierte wurden sie im Löschangriff sowie im Hindernislauf, Fünfte beim Hakenleiter-Aufstieg.

„Mit dem Osten können wir gut mithalten“, meint Bennöhr. 2015 wurde Grabow Landesmeister. Die Favoriten seien jedoch Bayern und Baden-Württemberg. Hier gebe es reine Sportmannschaften bei den Feuerwehren. „Wenn die in den tiefsten Süden fahren und dort den Namen ‚Grabow‘ positiv verbreiten, dann sind wie zufrieden“, sagt der Wehrführer bescheiden. Die besten Mannschaften qualifizieren sich für die Feuerwehr-Olympiade des Weltfeuerwehrverbandes CTIF, die 2017 im österreichischen Villach stattfindet.

Bei dem Wettkampf ginge es weniger ums Gewinnen, meint Ulf Bennöhr, sondern vor allem um die Fitness. „Nur wer fit ist, kann auch wirklich im Ernstfall helfen.“ Die physische und psychische Belastung bei der freiwilligen Tätigkeit sei sehr hoch und könne so trainiert werden. „Außerdem fördern die Wettkämpfe die Kameradschaft unter den Feuerwehren.“

Erstmals finden die Deutschen Feuerwehr-Meisterschaften in Mecklenburg-Vorpommern, genauer in Rostock, statt. „Die Vorbereitung und Organisation hat gut 18 Monate gedauert“, sagt Brandoberamtsrat Olaf Schulz, der die Veranstaltung koordiniert. Eine Mammutaufgabe, finanziert von Stadt, Land und Sponsoren. Schirmherr der Meisterschaften ist MVs Innenminister Lorenz Caffier (CDU). In den nächsten Tagen werden sich in der Hansestadt insgesamt 2100 Feuerwehrangehörige aller Altersklassen messen. Die Eröffnung am Donnerstagabend findet im maritimen Umfeld des Stadthafens statt. Alle weiteren Disziplinen laufen im Leichtathletikstadion am Ostseestadion über die Bühne.

Dann heißt es auch für die Grabower Feuerwehr: „Vier Sauger. Leinen anlegen.“ – Und bloß keine Fehler machen.

Das Programm:

Donnerstag:

  • 7.30 bis 11.30 Uhr Geräteprüfung und Training mit Jugend,
  • ab 12 Uhr Traditionell (Stadion),
  • ab 10 Uhr Bühnenprogramm im Stadthafen mit Schauübungen und Präsentationen,
  • 13.30 bis 15.30 Uhr Wettkampf Hakenleitersteigen,
  • 18 Uhr Eröffnung,
  • 19.30 Uhr Finalläufe Hakenleitersteigen,
  • 21.15 Uhr Siegerehrung, danach Bühnenprogramm (alle Stadthafen)

Freitag:

  • 8 bis 11.30 Uhr Wettkampf 10 Meter Hindernislauf,
  • 12 bis 13 Uhr Gruppenstafette,
  • 12.30 bis 16 Uhr Wettbewerb Jugend,
  • 15.30 bis 18.30 Uhr Kuppel-Cup,
  • 16.30 bis 18.30 Uhr Wettbewerb 4 mal 100 Meter Staffel (alle Stadion),
  • ab 19 Uhr Abendprogramm (Kastanienplatz)

Sonnabend:

  • 7.30 bis 13 Uhr Wettbewerb Löschangriff,
  • 8 bis 12 Uhr Wettbewerb,
  • 14 bis 15 Uhr Finalläufe 100m Hindernislauf,
  • 15 bis 16.30 Uhr Siegerehrungen,
  • 17.30 Uhr Abschlussfeier (alle Stadion),
  • Kameradschaftsabend ab 19.30 Uhr (Kastanienplatz)
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erstellt am 27.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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