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Unterstützung für Ehrenamtler : Wenn Helfer selbst Hilfe brauchen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Flüchtlinge, die nach MV kommen, haben oft Traumatisches erlebt. Noch nicht genug Unterstützung für Ehrenamtler

von
erstellt am 14.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Ohne die ehrenamtlichen Helfer im Land geht es schon lange nicht mehr. Sie packten mit an, als die Flüchtlingsunterkünfte im vergangenen Herbst hoffnungslos überfüllt waren. Sie sortierten Kleidung, bauten Betten, halfen beim Übersetzen, koordinierten, organisierten oder hörten einfach nur zu. Und das machen sie immer noch. Viele Ehrenamtler gehen dabei über ihre Grenzen hinaus. Doch was ist, wenn die Helfer Hilfe brauchen?

„Die Ehrenamtler werden verbrannt“, meint Winfried Schmidt, Diplom-Psychologe aus Klütz bei Grevesmühlen. „Sie haben eine ganz wichtige Funktion. Sie helfen da aus, wo es durch Einsparungen an Personal fehlt. Aber Unterstützung für sie selbst gibt es kaum.“ Das sei jedoch beim Umgang mit Flüchtlingen sehr wichtig, so Schmidt.

Allein die Ehrenamtsstiftung MV fördert im Land 391 Projekte, die direkt oder indirekt mit der Integration von Flüchtlingen zu tun haben. Schätzungsweise sind hierbei weit über 2000 Menschen im Land engagiert. Der intensive Kontakt mit Menschen, die aus lebensbedrohlichen Situationen geflohen sind, bedeute für viele Helfer, dass sie den Folgen von Traumatisierung ausgesetzt sind. Immerhin hätten laut einer Erhebung der Bundespsychotherapeutenkammer 70 Prozent der volljährigen Flüchtlinge Gewalt gegenüber anderen miterlebt. Mehr als jeder zweite hat eine Leiche gesehen. Der Umgang mit diesen Erlebnissen könne auch die Helfer stark belasten, so Schmidt. Oft würden Helfer an ihre Grenzen gehen. Im schlimmsten Fall litten sie unter einem so genannten Sekundärtrauma. Dabei nimmt die Person die Probleme des anderen als seine eigenen wahr. Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit oder Phantomschmerzen können die Folgen sein.

Dass der Bedarf nach Hilfe steigt, zeigt auch die rege Nachfrage nach Kursen der Ehrenamtsstiftung. Der Workshop „Umgang mit traumatisierten Menschen“ ist regelmäßig gut besucht, sagt Maria Acs, Referentin für Weiterbildung und Projekte. Hier erfahren die Teilnehmer mehr über Traumatisierungen und lernen Methoden, die sie in Krisensituationen anwenden können. „Den Helfern muss klar sein, dass sie keine medizinische Hilfe leisten können und bestimmte Situationen einfach hinnehmen müssen“, meint Acs.

Dass die Angebote für Helfer noch nicht ausreichen, findet Ulrike Seemann-Katz, Vorsitzende des Flüchtlingsrats MV. „Landesweit sind mir nicht viele bekannt. Und ein Problem ist, dass die meisten Angebote außerdem Geld kosten.“ Hilfen sollten kostenlos von den jeweiligen Institutionen angeboten werden.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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