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Wenn es auf dem Schulklo zum Himmel stinkt

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erstellt am 27.Sep.2013 | 06:35 Uhr

Schwerin/Stavenhagen | Wände und Türen sind beschmiert, Toilettenpapier und Papierhandtücher fehlen oder liegen verschmutzt auf dem Boden herum, und über allem liegt ein pestilenzähnlicher Gestank: Klischees über Schultoiletten gibt es viele - und vielerorts sind sie Realität.

René Weich vom Landesschülerrat kennt das Problem aus eigenem Erleben: Die Kooperative Gesamtschule Stavenhagen, die er besucht, ist in zwei Gebäuden untergebracht. Eins davon wurde erst vor wenigen Jahren saniert - dort sehen auch die Toiletten ansprechend aus. Im älteren, noch nicht sanierten Gebäude dagegen falle es schwer, auf die Toilette zu gehen, sagt Weich. Er benennt allerdings auch die Verursacher klipp und klar: "Schüler sind ganz allein dafür verantwortlich, wie es auf den Schultoiletten aussieht." Das Thema gehöre deshalb auch auf die Tagesordnung der Schulkonferenz. "Sie muss nach Wegen suchen, wie man den Zerstörungsdrang aufhalten kann", sagt Weich.

Martina Richter, Vorsitzende des Landeselternrats, hat dafür gleich eine Reihe von Ideen: "Eventuell könnte überlegt werden, an weiterführenden Schulen die Toiletten im Projekt Kunst durch Schüler gestalten zu lassen. Verantwortung wächst, wo sich Schüler selbst einbringen und mitarbeiten können. Die räumliche Gestaltung lässt sich hier vielfältig erweitern und künstlerisch und somit ansprechend für Jugendliche aufpeppen." Denn Toiletten, die sich in einem ansprechenden Zustand befinden - darin ist sie sich mit Schülervertreter Weich einig -, werden auch eher respektiert und pfleglicher behandelt.

Toiletten und Körperhygiene müssten bereits im Unterricht der Grundschule aktiv eingebracht und thematisiert werden, so die Elternratsvorsitzende. Denkbar sei auch, Ordnungsschüler nicht nur in den Schulhofpausen, sondern auch an den Toilettentüren nach dem Rechten sehen zu lassen.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) sieht in erster Linie die Schulträger in der Pflicht. "Sie sind für den baulichen Zustand der Schultoiletten zuständig." Das weiß auch Landeselternrats-Vorsitzende Martina Richter. "Viele Toiletten und Sanitäreinrichtungen an den Schulen im Land sind dringend sanierungs- und modernisierungsbedürftig. Das notwendige Geld dafür fehlt leider vielen Schulträgern", betont sie. Und nicht nur dafür: Auch bei der tägliche Reinigung der Sanitäranlagen werde kräftig eingespart, kritisiert die Elternvertreterin.

Er wolle das Problem nicht kleinreden - selbst habe er allerdings noch keine besudelten oder beschmierten Schultoiletten gesehen, betont der Bildungsminister. "Und ich mache in jeder Schule, die ich besuche, immer auch einen Kontrollgang auf die Toilette." An manchen Universitätsfakultäten sehe es diesbezüglich viel schlimmer aus, so Brodkorb.

Gebe es Ordnungs- und Hygienepro bleme in Schulen, seien das zugleich auch Erziehungsprobleme, so Brodkorb. "Eltern und Lehrer müssen sich hier gemeinsam um Lösungen bemühen." Von Schülern Geld für die Toilettenbenutzung zu kassieren und davon eine Putzfrau zu bezahlen, wie dies unlängst eine Schule in Bochum versuchte, lehnt der Bildungsminister als "abwegig" ab.

Auch der Landeselternrat hält das für nicht realisierbar. Erfolgversprechender sei, das Thema Schultoiletten im Klassenschülerrat zu besprechen. Individuelle Regelungen müssten gefunden und verbindlich vereinbart werden. "Lehrer sollten diese Vorgehensweise unterstützen", so Martina Richter.

Nicht nur in den Toiletten, sondern auch in allen anderen Schulräumen müsste die Raumhygiene- und Lüftungsphilosophie überdacht werden, fordert die Elternratsvorsitzende außerdem. Zwar gebe es ein bundesweites Raum-Lüftungskonzept, leider werde dieses aber nur unzureichend in der Praxis umgesetzt.

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