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Mecklenburg-Vorpommern

23. Oktober 2017 | 11:57 Uhr

Wenn ein Panzerfahrer Lehrer wird

vom

svz.de von
erstellt am 09.Sep.2013 | 07:50 Uhr

Schwerin | Sie sind Wirtschaftsjuristen, Diplomchemiker, Katechet, Hochseefischer, Krankenpfleger, Apotheker. Ja sogar ein Panzerkommandeur findet sich auf der aktuellen Berufsliste der Seiteneinsteiger an den Schulen des Landes. Sie alle wollen Lehrer werden. Im Schuljahr 2010/11 standen 217 Nichtlehrer vor den Klassen an den 570 Schulen des Landes. Im Schuljahr 2011/12 waren es 235, für das zurückliegende Jahr meldet das Bildungsministerium allein 316 befristet angestellte Lehrkräfte, auch darunter viele Quereinsteiger. Rein statistisch unterrichten mindestens an jeder zweiten Schule des Landes Lehrer ohne Lehramtsberechtigung. Das geht aus einem internen Landtagspapier hervor. Die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, selbst Schulleiterin, erfragte bei Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), wie viele Lehrer Mathematik, Kunst, Deutsch, Geschichte oder andere Fächer unterrichten, ohne didaktisch oder methodisch vorbereitet zu sein. Das Erstaunlichste: Entgegen der Meinung, dass vor allem an Berufsschulen dem Lehrermangel durch Fachkräfte aus der Wirtschaft begegnet wird, sind es im Gros allgemeinbildende Schulen, die Seiteneinsteiger aufnehmen. Besagter Panzerkommandeur fand an einer Förderschule eine Beschäftigung.

Einstellungsvoraussetzung ist laut der Seiteneinsteiger-Verordnung des Landes aus dem Jahr 2002, dass sich die Bewerber "parallel zur Tätigkeit an der Schule" im ersten Jahr für die Unterrichtsführung qualifizieren müssen. Aber in den vergangen drei Jahren wurden ganze 29 Seiteneinsteiger durch das Land fortgebildet. 2011/12 sogar nur drei. Für Simone Oldenburg ist klar: "An den Schulen finden sich immer mehr Lehrer auf Zeit, die nicht ausgebildet sind. Das Land spielt die Seiteneinsteiger kaputt, auf die es nach eigenen Angaben immer mehr setzt." Die Folge: Schüler werden immer wieder neu mit ungelernten Lehrern konfrontiert."Auf den Rücken der Kinder", sagt Oldenburg, wolle der Bildungsminister den Lehrermangel bekämpfen. Denn bildet sich ein Quereinsteiger nicht fort, dann muss er den Schuldienst wieder verlassen. Und die steigenden Zahlen lassen darauf schließen, dass diese Rotation immer schneller wird. Oldenburg: "Jährlich verlassen Hunderte Lehrer das System, weil sie nicht qualifiziert werden. Das Land kommt dem eigenen Anspruch nicht nach."

Mathias Brodkorb ist sich der Situation bewusst. Alle, die sich für einen Qualifizierung melden, würden auch fortgebildet. Das belegten die Weiterbildungszahlen. 21 Kollegen waren es allein im letzten Schuljahr. Aber bisher sei schlicht im Haushalt für solche Qualifizierungen kein Geld vorgesehen gewesen. "Das ist in der Tat ein großen Problemfeld. Dafür brauchen wir Frau Oldenburg nicht, um das zu erkennen", so Brodkorb. Der Minister verspricht, aus dem kürzlich vereinbarten 50-Millionen-Paket für die Schulen ab 2014 jährlich 50 Seiteneinsteiger fortzubilden. Darüber hinaus sollen aus Mitteln der EU einmalig mit acht Millionen Euro 200 Einsteiger an Berufsschulen und 50 an anderen Schulen ausgebildet werden.

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