Ganschower Stutenparade : Wenn Donna vorn ist, geht die Hölle los

Das Abschlussbild der Ganschower Stutenparaden ist immer die einzigartige, frei laufende Stutenherde. Foto: Dirk Behm
Das Abschlussbild der Ganschower Stutenparaden ist immer die einzigartige, frei laufende Stutenherde. Foto: Dirk Behm

Gestütschef Friedhelm Mencke ruft alle verfügbaren Helfer auf und an den Platz. Er bereitet damit die Zuschauer auf der Tribüne und viele Pferdeliebhaber rund um das Areal auf den „absoluten Höhepunkt" der Stutenparade vor.

svz.de von
16. Juli 2012, 12:12 Uhr

Ganschow | Gestern 17.11 Uhr auf dem Paradeplatz des Gestüts Ganschow. Gestütschef Friedhelm Mencke ruft alle verfügbaren Helfer - es sind rund 40 - auf und an den Platz. Er bereitet damit die Zuschauer auf der prall gefüllten Tribüne und viele Pferdeliebhaber rund um das Areal auf den "absoluten Höhepunkt" der Stutenparade vor, die frei laufende Stutenherde. Mit seinen bekannt bildhaften und ausdrucksstarken Worten preist er dabei Trakehnen als "Paradies der Pferde" und "als Brücke zu dem damaligen Gestüt in Ostpreußen". Denn: Unter den Stuten in der Herde dominieren die Trakehner, die Mencke in seinem Gestüt als wichtiges Standbein züchtet. Mit diesen Zuchtstuten, die für Härte und Ausdauer berühmt sind, sorgt Mencke seit vielen Jahren für den Fortbestand dieser aus Ostpreußen stammende Rasse. Für ihn und viele Zuschauer, besonders die, die aus Ostpreußen kommen, bis heute eine einzigartige Verbindung. Der Pferdekenner lobt die Trakehner Edelrasse als "Reichtum der Züchter" und lässt die Zuschauer an seiner Vorfreude auf dieses Bild teilhaben. "Freuen Sie sich auf Kraft und Feuer und auf ungezügelte Wildheit sowie auf vielhundertfaches Hufeklopfen", stimmt Mencke weiter auf dieses Abschlussbild ein. Dann steigert er seine ansonsten schon wuchtige Stimme und ruft: "Bitte die Tore öffnen!" Gleichzeitig ertönt aus den Lautsprechern Henry Maskes Abschiedslied "Conquest Of Paradise".

Einmalig und einzigartig in Deutschland

In diesen Sekunden "fliegt" die Stutenherde förmlich durch das "Trakehnen"-Tor auf den 5000 Quadratmeter großen Platz. In der höchsten Geschwindigkeit könnte man zwischen 60 und 70 km/h messen. Rund 100 Stuten zwischen drei und 16 Jahren bilden die Herde. Vorne weg u.a. die Leitstuten "Donna" und "Divina". "Wenn die an der Spitze sind, klappt es besonders gut. Und wenn ,Donna’ ganz vorn ist, geht die Hölle los", weiß Mencke. Selbst dieser gestandene Pferdezüchter bekommt daher bei diesem Schaubild immer wieder eine Gänsehaut. Das war gestern nicht anders. Aber auch das Publikum ging wieder begeistert mit und spendete extra Beifall. "Das haben die Tiere und alle Helfer, die die Herde in ihrer Runde bis zur Koppel leiten, auch verdient", betont Mencke. Denn es ist zwar schon oft ge- und beschrieben worden, dass diese frei laufende Stutenherde einmalig und einzigartig in Deutschland ist. Aber man kann es nicht oft genug herausstreichen, was da für eine Leistung vollbracht wird.

"Angefangen hat es allerdings mit einer kleinen Herde auf dem MAZ während einer MeLa", erinnert sich Mencke. Danach kam dem Experten und oftmaligen Ideengeber der Schaubilder der Gedanke der großen Herde. Allerdings hat Ganschow dafür auch die Möglichkeiten. Mencke: "Redefin, Celle oder Warendorf haben sie nicht." Gemeint ist die Herdengröße - in den Ganschower Ställen stehen 300 Pferde - und die Fläche von 100 Hektar. Allerdings: Wegen des großen Aufwandes kann dieses Schaubild nicht sehr oft probiert werden. Umso mehr muss es bei dem wenigen Training klappen und eben bei den Paraden. Das wissen alle. "Jedes Schaubild sind wichtig. Aber hier hängen sich alle ganz besonders rein", lobt der Chef.

Das Wichtigste dabei ist immer, die Herde in eine Richtung zu bekommen. Das beginnt schon in der großen Halle in den Laufboxen. Die älteren Leitstuten stehen vorne, damit sie Richtung und Tempo bestimmen können, wenn es los geht. Zu berücksichtigen ist aber auch wegen der Sicherheit, die oberstes Gebot ist, dass die Pferde durch die Zuschauer und die Musik "gestresst" und nervlich belastet sind. "Deshalb hat jeder Helfer seine ganz spezielle Aufgabe, damit unvorhergesehene Situationen gemeistert werden können", so Mencke.

Wenn die Herde am Horizont verschwindet - bis Sonnabend

Für Friedhelm Mencke besteht die Faszination der Herde in der seltenen Form eines Miteinanders zwischen Tier und Natur. Er sieht diesen Auftritt während der Stutenparaden deshalb als "Naturschauspiel". Und Mencke setzt bei seiner Erklärung für dieses Bild immer noch einen drauf, weil das der Abschluss ist. Mencke: "Schauen Sie auch der Herde nach, wie sie vom Platz in unsere herrliche mecklenburgische Landschaft bis zum Horizont galoppiert und dann verschwindet." - Bis zum Sonnabend, wenn die dritte und letzte Stutenparade in diesem Jahr, die wiederum von der Schweriner Volkszeitung präsentiert wird, um 13 Uhr beginnt.


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