Mecklenburg-Vorpommern : Wenn die Psyche einen Knacks hat

Jeder Dritte betroffen / Erkrankungszahlen laut Barmer-Report seit Jahren konstant

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02. Dezember 2014, 20:40 Uhr

Fast jeder dritte Erwerbsfähige in Mecklenburg-Vorpommern (29,7 Prozent) wird mindestens einmal innerhalb eines Jahres psychisch krank. Diese Zahl aus dem gestern vorgestellten Gesundheitsreport der Barmer/GEK für MV deckt sich mit Zahlen, die die Weltgesundheitsorganisation unlängst für die Industrienationen veröffentlichte.

Barmer/GEK-Landesgeschäftsführer Henning Kutzbach zufolge ist die Häufigkeit psychischer Erkrankungen seit Jahren unverändert. Aktuell führen im Land allerdings nur sieben Prozent der Erkrankungen zu einer Arbeitsunfähigkeit. Mit durchschnittlich 42 Tagen währt diese jedoch deutlich länger als bei jeder anderen Erkrankung.

Auffällig sei, dass in MV sehr viel seltener Psychopharmaka verordnet werden als im Bundesvergleich, so der Leiter des Kompetenzzentrums Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Dienste der Krankenkassen, Dr. Christoph Jonas Tolzin. Auch Psychotherapien seien im Erfassungszeitraum, dem Jahr 2012, nur sehr selten verordnet worden. Das lag daran, dass zu dieser Zeit ein deutlicher Psychotherapeutenmangel herrschte, auf je 100 000 Einwohner kamen 2012 gerade einmal 11,9 Therapeuten. Nach der Schaffung von 60 neuen Stellen kämen mittlerweile auf 100 000 Einwohner 19,1 Therapeuten. Allerdings gebe es unverändert ein starkes Stadt-Land-Gefälle, so Kutzbach: Während in Rostock auf 100 000 Einwohner 31 Psychotherapeuten kämen, seien es beispielsweise im alten Landkreis Nordvorpommern gerade einmal 1,9.

Ursachen für die Zunahme psychischer Erkrankungen sieht Tolzin in Veränderungen im sozialen Gefüge. Sowohl Arbeitslose als auch Alleinlebende seien besonders anfällig für Depressionen und andere psychische Erkrankungen. Auch der zunehmende Leistungsdruck, dem sich viele Arbeitnehmer ausgesetzt fühlten, mache ihre Seele krank. In der betrieblichen Gesundheitsförderung werde dies jedoch häufig noch nicht genug beachtet.

Der arbeitsmarkt- und gewerkschaftspolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster, sieht in dem Gesundheitsreport eine Bestätigung dafür, dass die Verdichtung von Arbeitsprozessen auf Dauer krank macht. Bereits seit mehr als zwei Jahren fordere die Linksfraktion deshalb die Einführung einer Antistress-Verordnung, um den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu verbessern. Denn leider zeige sich, dass Appelle an die Verantwortlichen allein nicht helfen würden.

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