Premiere Fritz-Reuter-Bühne : Wenn die „Perle“ die Fäden zieht

Elfie Schrodt ist Anna, dat Goldstück, an ihrer Seite Christoph Reiche
Elfie Schrodt ist Anna, dat Goldstück, an ihrer Seite Christoph Reiche

Premiere an der Fritz-Reuter-Bühne für „Anna, dat Goldstück“ im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin

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23. März 2016, 21:00 Uhr

Um ihrem Publikum einmal wieder eine neue Komödie zu servieren, hat die Fritz-Reuter-Bühne Schwerin zu einem von Hans Pfeiffer verplattdeutschten Stück des Franzosen Marc Camoletti gegriffen: „Anna, dat Goldstück“, das vor 58 Jahren unter dem Titel „La bonne Anna“ das Scheinwerferlicht der Theaterbühne erblickte.

Zwei Eheleute, ein jeder den jeweils anderen auf Reisen wähnend, wollen beide die eheliche Wohnung für einen gepflegten Seitensprung nutzen. Ergebnis: Zwei Fremdgeher mit ihren jeweiligen G’spusis in einer Wohnung. Das bedeutet nichts Gutes. Und die plietsche Deinstdiern Anna hat alle Hände voll zu tun, unerwünschte Begegnungen zu verhindern. Turbulenzen sind angesagt.

Regisseur Folker Bonet inszeniert diese flotte „Dör-up-Dör-tau-Kummedi“ mit dem notwendigen Tempo und präzisem Timing für die Auf- und Abgänge. Und dafür hat auch Katrin Reimers für ausreichend Türen in dem gutbürgerlichen Salon ihres schönen Bühnenbildes gesorgt. Die klappen unentwegt, so as sick dat hüürt.

Und mittenmang die „Perle“ Anna – eine Paraderolle für Elfie Schrodt, bereits beim ersten Auftritt vom Premierenpublikum begeistert beklatscht. Ihr komisches Talent ist hinreißend. Ihre Anna ist plietsch (sagt sie auch selber), manchmal sogar swienplietsch, besonders wenn es darum geht, ihr „Sporbauk“ etwas aufzupolstern. Sie schwebt nach zu viel geklautem Calvados besäuselt über die Bühne, gibt ihren Dienstherren kräftig kontra. Sie beherrscht die Szene und zieht die Fäden…

Christoph Reiche spielt den treulosen Ehemann (Ich weiß jetzt nicht genau den wie vielten dieser Art bei der Reuter-Bühne). Hier auf jeden Fall heißt er Bernhard, und er spielt ihn mit Schnauzbart und Bravour, einen charmanten Schwindler mit Resten schlechten Gewissens und mit der jungen Cathrin ganz offenbar auch restlos überfordert. Tina Landgraf spielt diese Cathrin als einen naiven, heiratsversessenen Quälgeist von nicht gerade überbordender Intelligenz mit viel Temperament.

Kerstin Westphal, sicherlich vielen noch aus der „Kaktusblüte“ in guter Erinnerung, gibt die ebenfalls auf amourösen Abwegen befindliche Ehefrau Claudia in puncto Schwindelei mit dem Göttergatten mindestens auf Augenhöhe. Sie hat den Boxer Robert im Schlepptau, bei dem sie sich, wie Anna es ausdrücken dürfte „düchtig vergräpen“ hat. Bernhard A. Wessels gibt auch dieser vom Autor ziemlich stiefmütterlich ausgestatteten Figur Statur und Lebendigkeit.

Eigentlich ist alles da in dieser Kummedi, es gibt eine turbulente Handlung, spritzige und witzige Dialoge, so manche, vielleicht nicht ganz so überraschende Wendung, sehr gute Schauspieler; und ich kann versprechen: es wird sogar geschossen... Aber etwas zu kurz kommt die Erotik. Die ganze Operation „Seitensprung“ scheint mir in diesem Stück eher ein organisatorisch-logistisches Unternehmen zu sein als ein erotisches. Da knistert nix. Und das ist bei so gut aussehenden Damen auf der Bühne doch eigentlich schade.

 
Die nächsten Vorstellungen im E-Werk Schwerin

24. März, 19.30 Uhr
3. April, 18  Uhr
9. April, 19.30 Uhr

 

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