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Mecklenburg-Vorpommern

15. Dezember 2017 | 11:24 Uhr

Burow : Wenn der Vater mit dem Sohne...

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Klare Aufgabenteilung: Väterliche Erfahrung und Knowhow des Sohnes machen einen Milchviehbetrieb im Dorf Burow bei Altentreptow konkurrenzfähig

von
erstellt am 02.Sep.2014 | 11:54 Uhr

Das Herz dieser Landwirtschaft liegt in einem Graben. Kühe werden in zwei Reihen in eine Melkanlage getrieben, in deren Mitte der menschlich besetzte Graben liegt. Oben steht das liebe Vieh, die Köpfe von den zwei Melkerinnen weggedreht. Sie stecken Schläuche an, kontrollieren Euter auf Krankheiten und ob die Milch flockig ist. Sie spritzen mit Hochdruck den Boden ab, wenn die Kühe sich dort entleert haben. Im Halbdunkel öffnet eine Schranke den Weg und die beiden Rinderreihen verlassen die Melkanlage. Die nächste Kolonne vierbeinigen Milchviehs steht schon bereit.

In der Burower Gutsmilch GmbH (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) steht der stellvertretende Chef auf dem Flur hinter dem Graben. Er hat die Stirn in Falten und die Hände in die Taschen gelegt, denn ein Milchviehbetrieb ist ein ewiger und ein empfindlicher Kreislauf. Wenn es irgendwo stockt, stockt es überall. Dreimal am Tag wird gemolken. Alle zwei Stunden wird gefüttert. Jeden Tag kalben durchschnittlich drei Kühe und auch für die regelmäßigen Abgänge gibt es laufende Zahlen. Aber die automatische Fütteranlage streikt seit Tagen. „Wenn wir sie mit der Hand starten, geht sie wieder eine Weile, dann gar nichts“, berichtet ein Mitarbeiter dem Juniorchef Frank Kurzhals (40). Der firmeneigene Elektriker wechselt Verbindungsstücke und baut einen Motor aus. Während der Juniorchef im Stall zu verhindern sucht, dass der Betrieb kurzfristig auf Handfütterung umstellen muss, kümmert sich der Senior darum, dass ein kaputter Traktor abgeholt wird.

Der Burower Traditionsbetrieb ist einer der wenigen Betriebe im Land, in dem zwei Generationen miteinander arbeiten und miteinander führen. Günter Kurzhals (63) taucht in den Unterlagen als Geschäftsführer und sein Sohn Frank Kurzhals als Prokurist auf. Seit 16 Jahren arbeiten die beiden zusammen und in zwei Jahren wird der Junior die Landwirtschaft endgültig übernehmen. Ihre Unternehmensstrategie haben sie gemeinsam entwickelt. „Das oberste Gebot ist für uns das Land, das eigene Land, das nicht mehr Wegnehmbare“, sagt der Senior. Mittlerweile haben sie 850 Hektar eigene Fläche. Der Betrieb hat 1300 Hektar Pflanzenproduktionsfläche, 900 Rinder und 40 Angestellte. Dazu gehören seit Kurzem zwei Biogasanlagen und eine Fernwärmeleitung nach Burow. Vor einigen Monaten haben sie sieben Millionen Euro investiert, ins „Biogas“ und in einen neuen Stall.

In den Siebzigern sollte in Burow eine 2000er Milchviehanlage entstehen. Und Günter Kurzhals sollte Schichtleiter werden, hatte aber abgelehnt, weil er der Planwirtschaft nicht traute. Stattdessen wurde er Verantwortlicher für die Rinderproduktion im Nachbardorf Gültz. Als der Burower Betrieb 1981 übergeben wurde, ist Kurzhals mit 27 Jahren zum LPG-Vorsitzenden gemacht worden. „Das war ein hartes Brot für mich, weil ich ja noch relativ jung war“, sagt er heute.

Der Sohn kam zur Welt, als Günter Kurzhals 1974 vom Studium ins Arbeitsleben wechselte. Er selbst hat in Berlin studiert, seine erste Frau in Rostock. „Deshalb habe ich mich ein halbes Jahr um den Jungen gekümmert. Vielleicht kommt dadurch unsere besondere Nähe“, so der Senior. Mittlerweile ist er zum dritten Mal verheiratet und blickt schon in Richtung Rente. „2016 ist Schluss. Was ich danach mache, darüber zerbreche ich mir heute noch nicht meinen Kopf“, behauptet er. Dass er in seinem Leben so wenig privat gereist sei, tue ihm schon ein bisschen leid. „Aber mal sehen.“

Frank Kurzhals hat auf einem Wirtschaftsgymnasium Abitur gemacht und an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) in Berlin ein Wirtschaftsinformatikstudium begonnen. „Aber damals schon sehr häufig hier im Betrieb gearbeitet. Dadurch kam ich vom Studium ab“, sagt er. Manchmal bereue er, dass er auch das anschließende Fernstudium der Landwirtschaft abgebrochen hat. „Aber Einstellungskriterium war das hier sowieso nicht“, scherzt der Vater.

Sind die beiden immer ein Herz und eine Seele? Sie schütteln einhellig den Kopf. Es gebe Auseinandersetzungen, kleineren Ausmaßes. „Wir sind aber sehr eingespielt und räumen solche Sachen mit offenen Augen aus der Welt“, erklärt Günter Kurzhals. „Und meistens hat er recht. Nur wenn ich mir ganz sicher bin, stelle ich mich auch mal auf die Hinterbeine“, fügt der Sohn hinzu.

Wenn der Vater von den Stärken des Sohnes spricht, betont er den technischen Verstand. „Damit kennt er sich aus. Er baut hier neue Anlagen, Kameras und so weiter auf und er fährt auch die großen Maschinen, wenn er muss“, sagt Günter Kurzhals. Wenn der Sohn von den Stärken des Vaters spricht, betont er die Erfahrung und die Durchsetzungskraft. „Das Personal anleiten und leiten, das ist sein Ding und er behält trotz chaotischer Kleinigkeiten immer den Überblick“, sagt Frank Kurzhals.

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