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Erosionsereigniskataster MV : Wenn der Sandsturm die Sicht nimmt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Acht Tote bei schwerem Unfall auf der A19 vor fünf Jahren – Umweltministerium zeigt Regionen, in denen heute Gefahrenstellen sind

von
erstellt am 05.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Die Bilder der ausgebrannten Autowracks hatten bundesweites Entsetzen ausgelöst. Acht Menschen starben, 131 wurden zum Teil schwer verletzt, als in den Mittagsstunden des 8. April auf der A 19 südlich von Rostock mehr als 100 Autos ineinanderrasten.

Fast genau fünf Jahre später präsentierte Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) gestern ein Papier mit der sperrigen Bezeichnung „Erosionsereigniskataster Mecklenburg-Vorpommern“. Er wolle die Gefahren minimieren, die zu Umfällen wie den am 8. April 2011 führen, sagte der Minister. Denn die schreckliche Massenkarambolage war maßgeblich durch einen Sandsturm ausgelöst worden, der große Mengen Erdreich von einem benachbarten Acker über die Autobahn trug nur noch Sichtweiten von fünf Metern zuließ.

Grunderkenntnis aus dem Erosionskataster: Bei Trockenheit sind Sandstürme wie der an der A19 auch weiterhin nicht auszuschließen und könnten trotz Vorsorgemaßnahmen immer wieder für Gefahren sorgen. Bodenabtragungen durch Wind sind im landwirtschaftlich strukturierten Mecklenburg-Vorpommern eine besondere Herausforderung. Denn der Anteil der Ackerfläche ist mit 46 Prozent an der Gesamtlandesfläche vergleichsweise hoch. 30 Sandstürme von den Äckern Mecklenburg-Vorpommerns wurden seit 2011 gemeldet.

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Weiter heißt es in der Untersuchung: Von den etwa eine Million Hektar Agrarfläche im Land sind 37 Prozent besonders erosionsgefährdet, davon vier Prozent akut. „So sind von Winderosion insbesondere sandige Standorte betroffen, wie sie in den Landkreisen Ludwigslust-Parchim, Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen vorkommen“, so der Minister.

Nach dem Unfall an der A19 wurden Warnsysteme installiert: Schilder an Straßen und Autobahnen und Warnhinweise im Radio sollen im Falle eines möglichen Sandsturms auf die Gefahren aufmerksam machen.

Es sind auch eine ganze Reihe von Vorsorgemaßnahmen bereits durchgeführt worden oder noch geplant. Ackerflächen sollen standortangepasst ganzjährig bewirtschaftet werden. „Je weniger Ackerfläche unbedeckt bleibt, desto geringer ist die Gefahr von Bodenerosion“, erklärte Minister Backhaus. 1008 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Fläche von insgesamt 57000 Hektar hätten im vergangenen Jahr in den Wintermonaten Zwischenfrüchte angebaut, um die Ackerfläche grün zu halten. Das Land biete zahlreiche Fördermaßnahmen, die auf diese Art des Erosionsschutzes ausgerichtet sind. Gefördert werde auch das Anlegen von Hecken als Erosionsschutzstreifen. 433 Landwirte nahmen diese Förderung 2015 in Anspruch.

Auch am Unfallort an der A19 habe ursprünglich eine Hecke gestanden, um die Autobahn vor Sandstürmen zu schützen, sagte Backhaus. Diese Hecke sei aber im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm abgeholzt worden – wegen der Sicherheit vor möglichen Anschlägen auf Staatsgäste.

 

 

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