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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 07:01 Uhr

Wenn der rote Teppich ausgerollt wird

vom

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erstellt am 29.Apr.2013 | 06:42 Uhr

Schwerin | Es ist immer die gleiche Stelle im Foyer des Intercity Hotels, an der Karin Schulz sitzt: Der gleiche Tisch, darauf die Schreibmaschine und die Kiste mit den Akkreditierungsausweisen. Im 20. Jahr sitzt sie dort zum Filmkunstfest, "in diesem Jahr feiere ich mein persönliches Jubiläum", sagt sie und lacht. Eigentlich ist Karin Schulz Büroleiterin der FilmLand gGmbH, während des Filmkunstfestes jedoch übernimmt sie den Gästeempfang, gemeinsam mit Monika Uhls, eigentlich zuständig für die Buchhaltung.

Rund 250 Fachbesucher, Journalisten und Filmleute werden von Karin Schulz und Monika Uhls während des Filmkunstfestes begrüßt - sie werden Fragen beantworten, kleine Taschen mit den wichtigsten Informationen verteilen, Ansprechpartner sein, sechs Tage lang von 9 bis 24 Uhr, und manchmal länger. Karin Schulz sieht jeden Gast mindestens einmal und jeder Gast kennt Karin Schulz. "Die Gäste, die jedes Jahr kommen, sagen, es sei wie nach Hause kommen, wenn sie uns zwei da sitzen sehen", erzählt sie. Karin Schulz genießt ihre Aufgabe, wenn auch sie bedeutet, dass sie vom Filmkunstfest nicht viel mitbekommt. "Es ist einfach unheimlich spannend, mit diesen ganz verschiedenen Leuten zusammenzukommen, die man sonst nie treffen würde und die aus ihrem Leben und ihrem Filmschaffen erzählen." Wenn Karin Schulz heute Morgen ihren angestammten Platz eingenommen hat, dann liegt hinter ihr und ihren Kollegen von der FilmLand gGmbH rund ein Jahr Vorbereitung auf diesen und die folgenden fünf Tage. Dann hat das 23. Filmkunstfest begonnen.

Die Vorbereitungen dafür sind bereits fast ein Jahr zuvor angelaufen. Das vorherige Filmkunstfest liegt zu diesem Zeitpunkt gerade einmal wenige Wochen zurück - inklusive Auswertung und ein bisschen Urlaub für das Team. "Die Überlegungen beginnen in der Regel damit, welches Gastland man wählen könnte", erzählt Schulz, man fange an, Ideen zu entwickeln, denke nach, wen man einladen könne. Die Grundlinie, mögliche Juroren, Sponsoren und die Budgetierung werden besprochen. Das ist im Juni, noch elf Monate haben sie dann Zeit, bis der rote Teppich vor dem Capitol wieder ausgerollt wird. Vier Festangestellte und drei bis vier Honorarkräfte arbeiten zu diesem Zeitpunkt für die Filmland gGmbh.

Spätestens im Juli, sagt Geschäftsführer Torsten Jahn, muss ein allererstes Grundkonzept entwickelt sein. "Dieses Konzept ist die Maximalvorstellung, das dann mit dem Machbaren abgeglichen wird. Man stellt Überlegungen an, welche Reihen es geben soll, welche Neuheiten." Im Dezember muss dieses Konzept fixiert sein. Rund fünf Monate vor dem Filmkunstfest stehen damit die ersten Programmteile, die ersten Sonderveranstaltungen fest. Parallel beginnen Gespräche mit Sponsoren und Partnern. Zu diesem Zeitpunkt ist die Vorbereitung des Filmkunstfestes vor allem eines: Rein formelle Organisation, das Abspulen routinierter Abläufe eines Teams, das zum größten Teil bereits seit zwei Jahrzehnten zusammenarbeitet. Mit Beginn des neuen Jahres kommen wöchentlich neue Mitarbeiter hinzu.

Dann beginnt auch für die Programmredaktion die heiße Phase: Bereits im Oktober hat sie begonnen, die eingereichten Filme zu sichten. Mehr als 350 Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme werden die Mitarbeiter geschaut und bewertet haben, bis die Wettbewerbsfilme und das Programm mit seinen Konzerten, Lesungen, Ausstellungen und Reihen Ende März endgültig feststeht. Noch rund vier Wochen, bis das Filmkunstfest beginnt.

Das Marketing läuft an: Plakate werden gedruckt, Banner aufgehängt, die Internetseite aktualisiert.

Mit den ersten Veranstaltungen des Filmkunstfestes, in der Regel Mitte April, beginnt der Ausnahmezustand. "Auch wenn es ganz normale Abläufe sind, die man schon eine lange Zeit macht - unmittelbar vor dem Filmkunstfest wird es extrem", sagt Karin Schulz. Bis zu 50 Hilfskräfte arbeiten jetzt unter Hochdruck an der Vorbereitung des größten Publikumsfestivals in Ostdeutschland.

Wenn Karin Schulz und Monika Uhls am heutigen Morgen ihre angestammten Plätze eingenommen haben, hat das 23. Filmkunstfest offiziell begonnen. Fast ein Jahr haben sie und ihre FilmLand-Kollegen darauf hingearbeitet. Natürlich, sagt Karin Schulz, sei man nach sechs Tagen Filmkunstfest froh, nach Hause zu gehen und ein paar Tage abzuschalten, bevor in wenigen Wochen alles von vorne losgeht - für das 24. Filmkunstfest.

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