Keine Müllabfuhr in engen Straßen

: Wenn der Müll zum Himmel stinkt

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Einwohner von 23 Kommunen im Umkreis von Rostock haben Anzeige wegen unterlassener Müllentsorgung erstattet. Sind die Starßen zu eng, wird der Müll einfach nicht abgeholt.

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10. Oktober 2011, 07:33 Uhr

Rostock/Schwerin. | Mühsam schiebt Liselotte Müller in Bargeshagen bei Rostock ihre Papiertonne mehrere hundert Meter zum Stellplatz an der Hauptstraße. "Bis vor zwei Jahren wurde die immer bei uns direkt vor der Haustür abgeholt. Jetzt soll das nicht mehr gehen, weil die Müllautos plötzlich nicht mehr rückwärts fahren dürfen", sagt die Rentnerin empört.

Insgesamt 23 Kommunen im Umkreis von Rostock haben ein Entsorgungsproblem. Jetzt haben Einwohner Anzeige wegen unterlassener Müllentsorgung erstattet. "Es stinkt zum Himmel", sagt der Sprecher der Bürgerinitiative "Schildbürgerstreich Müllabfuhr", Jürgen Förster aus Kösterbeck. Das für die Region zuständige Entsorgungsunternehmen Alba Nord GmbH fahre nicht mehr bis vor die Haustür, weil die Straßen zu schmal seien. Dabei wurde bis 2009 in genau diesen Straßen vor der Haustür entsorgt "Wir dürfen die Straßen nicht mehr befahren, weil die von der Berufsgenossenschaft geforderte Mindestbreite von 3,55 Meter nicht gegeben ist", erläutert Geschäftsführer Rüdiger Hochgräfe. Die Vorgängerfirma sei dort zwar weiter gefahren. "Aber wenn wir das trotz Verbot machen, müssten wir für alle Schäden selbst haften", sagt Hochgräfe.

Zwar sei vor Ort noch nichts passiert. "In Deutschland sterben jedoch jedes Jahr zwei bis drei Müllmänner bei der Arbeit", sagt Martin Küppers, Abteilungsleiter Arbeitssicherheit bei der Berufsgenossenschaft (BG) für Transport und Verkehrswirtschaft. Ebenso Passanten, wie 2007 ein Rentnerehepaar in Wismar. Deshalb sei die Vorschrift notwendig. "Die Entsorgungsfahrzeuge haben eine Maximalbreite von 2,55 Meter. Wir haben mit Blick auf den Unfallschutz festgelegt, das links und rechts ein Sicherheitsabstand von einem halben Meter sein muss", erklärt er. Das wisse jeder Stadtplaner, dennoch seien viele Straßen vor allem in neu gebauten Wohngebieten zu schmal. Oder es gibt keine Wendemöglichkeiten, wie in der Barther Straße in Schwerin. "Die Fahrzeuge dürfen aber nicht rückwärts fahren", sagt Ilka Wilczek, Werksleiterin der Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen Schwerin. Auch hier werde der Müll deshalb von Sammelplätzen entsorgt.

So wurde nicht nur in Bargeshagen die einst vereinbarte grundstücksbezogene Entleerung 2009 kurzerhand gekündigt. An den Müllgebühren indes wurde nichts geändert. Diese Entscheidung wird in den Ämtern gebilligt, auch beim Landesumweltministerium wird kein Handlungsbedarf gesehen.

Vor allem für die älteren Anwohner sei das Bewegen der schweren Mülltonnen ganze Straßenzüge entlang aber schlichtweg nicht zumutbar, sagt Jürgen Förster. Auch der Mann von Lieselotte Müller hat nach einem Kreuzbandriss damit arge Probleme. "Im Winter bei Schnee und Eis ist das ja auch richtig gefährlich", sagt Günter Müller. Einige Gemeinden hätten schon Ein-Euro-Jobber für das "Müllkutschieren" engagiert. Was die Anwohner richtig sauer macht: In manch einer Nachbar straße wird sehr wohl entsorgt, obwohl sie durch verkehrsberuhigende Inseln auf weniger als 3,50 Meter eingeengt ist.

Dabei wäre eine Lösung einfach, finden die Anwohner. "Es müssen kleinere Entsorgungsfahrzeuge eingesetzt werden", sagt Förster. Die haben viele Unternehmen aber nicht. "Kleinere Fahrzeuge sind unrentabel, weil sie fast so viel kosten wie große", sagt Andreas van der Heyden, Betriebsstättenleiter bei Remondis Ueckermünde GmbH. In den Verträgen mit den Kreisen müsse man aber auf den Preis achten. Auch seine Fahrzeuge dürfen einige Straßen nicht befahren - wegen der Breite und weil deren Festigkeit laut BG für die dicken Laster nicht ausreicht. "Gerade in ländlichen Gegenden kommen solche Probleme mit der Müllentsorgung vor und das nicht nur in ein oder zwei Fällen", sagt auch Haidrun Pergande, Sprecherin des Kreises Mecklenburger Seenplatte. Größere Tonnen bei weniger Leerung seien hier ein Kompromiss. Schwerer aber auch.

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