Stalking in MV : Wenn das Leben zur Hölle wird

Eine Frau beobachtet  nach einem Stalking-Anruf die Straße vor ihrem Haus.
Eine Frau beobachtet nach einem Stalking-Anruf die Straße vor ihrem Haus.

Mehr als 500 polizeilich registrierte Stalking-Fälle in Mecklenburg-Vorpommern. Wie sich Opfer wehren können

svz.de von
22. März 2016, 06:15 Uhr

Stalking ist nach Einschätzung von Opferschützern weiter ein großes Problem. Die Statistik lässt zwar eine Entspannung vermuten, doch die Dunkelziffer dürfte groß sein – gerade mit Blick auf männliche Opfer, wie die Hilfsorganisation Weißer Ring vermutet. Seit 2008 liegen bundesweite Zahlen zu den erfassten Fällen des Tatbestands „Nachstellung“ – also Stalking – vor. Demnach registrierte die Polizei für Mecklenburg-Vorpommern 534 Stalking-Fälle im Jahr 2014. Das waren 55 Delikte weniger als im Jahr davor. Die Polizeistatistik weist eine Aufklärungsquote von zuletzt 91,8 Prozent (2014) aus. Die erfassten Fälle sind von bundesweit mehr als 29 000 im Jahr 2008 auf weniger als 22 000 im Jahr 2014 gesunken.

Ein Stalker schränkt sein Opfer massiv im Alltag ein. Was erst nur lästig ist, empfinden manche schon bald als Bedrohung. Spätestens dann heißt es: aktiv werden. Denn wehrlos muss und sollte man Stalking nicht hinnehmen.

Was können Opfer selbst tun?

Ziel ist, dass der Stalker das Interesse verliert. Das könne schon durch ein klares Nein und konsequentes Ignorieren passieren, sagt Andreas Mayer, Leiter der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart. Opfer sollten keine SMS beantworten, alle Anrufe wegdrücken und sich auf keinerlei Kontakt einlassen.

Sollte man andere informieren?

Ja, ihr persönliches Umfeld sollten Stalking-Opfer auf jeden Fall informieren, rät Mayer. „Der Partner, Freunde, Verwandte, eventuell auch Kollegen sollten Bescheid wissen.“ Zum einen schreckt das womöglich den Täter ab, zum anderen nehmen die anderen vielleicht auch etwas wahr, was man selbst nicht mitbekommt – etwa wenn der Stalker um das Haus schleicht.

Was können Opfer gegen Telefonterror unternehmen?

„Es gibt diverse Schutzmöglichkeiten“, sagt Mayer. Das kann eine Fangschaltung sein, eine geheime Rufnummer oder ein Zweitanschluss. Auch ein Anrufbeantworter kann helfen.

Wann sollte man zur Polizei gehen?

Sobald man sich stark eingeschränkt oder bedroht fühlt. Anrufe, Mails oder andere Nachrichten, Besuche und Geschenke: „Man sollte möglichst viel Material sammeln und alles ganz genau dokumentieren mit Datum und Uhrzeit“, sagt Mayer. Die Polizei nehme dann erst mal Kontakt zum Beschuldigten auf, schildert Mayer. „Das veranlasst manche schon zum Aufhören.“ Stalker nehmen ihr Verhalten oft ganz anders wahr als Außenstehende. Wird er zur Polizei geladen, ist das für manche ein Weckruf.

Was bedeutet Stalking?

Stalker terrorisieren andere Menschen mit ständigem Anrufen, beharrlichem Auflauern oder Nachspionieren. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet etwa „anpirschen“. Stalker haben oft eine verzerrte Wahrnehmung und wollen Macht und Kontrolle über ihr Opfer. In Deutschland ist Stalking seit 2007 strafbar. Das Strafgesetzbuch sieht bis zu drei Jahre Haft vor, wenn das Opfer in seiner „Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt“ wird.

Etwa zwölf Prozent aller Menschen in Deutschland werden mindestens einmal im Leben gestalkt, wie es von der Polizei unter Berufung auf eine Studie des Mannheimer Zentralinstituts für seelische Gesundheit heißt. Meist sind Frauen betroffen. Die Täter sind zu 80 Prozent männlich, bei etwa einem Drittel der Opfer ist der Ex-Partner tatverdächtig.

Ein Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sieht vor, dass Stalking-Opfer künftig besser geschützt und die Täter leichter bestraft werden können.

Seit 1991 macht der Weiße Ring zum Tag der Kriminalitätsopfer am 22. März auf die Situation von Menschen aufmerksam, die Kriminalität und Gewalt erfahren haben. Der Opferhilfeverein besteht seit 40 Jahren.

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