Lesertelefon : Wenn das Kind Drogen nimmt

Aktuelle Forschungen belegen, dass die Hirnleistungsfähigkeit mit zunehmender Dauer und Intensität des Cannabis-Konsums leidet.
Foto:
1 von 1
Aktuelle Forschungen belegen, dass die Hirnleistungsfähigkeit mit zunehmender Dauer und Intensität des Cannabis-Konsums leidet.

Viele Eltern nutzten heute unsere Telefonaktion zu illegalen Drogen mit Beratern der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

von
30. August 2016, 21:00 Uhr

Vor allem Eltern haben heute während der Telefonaktion zu illegalen Drogen angerufen, um mit den Beratern der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu besprechen, wie sie mit dem Drogenkonsum ihrer Kinder umgehen können. Hier eine Zusammenfassung der häufigsten Fragen und Antworten:

Wir machen uns Sorgen um unseren Sohn. Er ist in der 10. Klasse, wird immer schlechter in der Schule und kifft in der Freizeit. Er hört sich unsere Bitten an, das Kiffen zu lassen, bringt dann aber sein ganzes Taschengeld für Haschisch durch. Was sollen wir tun?
Wenn all Ihr Bitten nichts genützt hat, wäre es an der Zeit, über Konsequenzen nachzudenken. Wollen Sie weiterhin seinen Drogenkonsum mit dem Taschengeld finanzieren? Wollen Sie ihn weiter in Ruhe zu Hause kiffen lassen? Aus Sicht Ihres Sohnes gibt es ja gegenwärtig keinen Grund, das Verhalten zu ändern. Er hat ein Dach überm Kopf, zu essen und zu trinken und noch dazu Taschengeld, um sich Drogen zu kaufen. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Mann in Ruhe, wie Sie reagieren wollen und teilen Sie Ihrem Sohn dann Ihre Entscheidung sachlich mit. Wenn Sie etwas verändern – vielleicht verändert sich dann ja auch etwas bei Ihrem Sohn.


Meine Tochter (16) ist gut in der Schule. Mir macht aber Sorge, dass sie mit ihrem Freund öfter kifft. Das gibt sie auch offen zu. Was kann ich dagegen tun?
Bleiben Sie entspannt. Wenn Ihre Tochter gut lernt, sich auch ansonsten ganz normal entwickelt, dann besteht kein Grund, sich übermäßig zu sorgen. Bleiben Sie mit Ihrer Tochter in Kontakt, sagen Sie ihr auch ganz sachlich, was Sie über illegale Drogen denken. Sprechen Sie offen an, wenn Sie Veränderungen bemerken, die Ihnen Sorgen machen. Sparen Sie aber auch nicht mit Lob, zum Beispiel wenn es in der Schule gut läuft.

Meine Tochter (24) verlässt kaum noch die Wohnung. Ich weiß, dass sie Drogen nimmt, nicht nur Haschisch, auch stärkere Sachen. Das macht mir sehr große Sorgen. Eine Therapie will sie überhaupt nicht. Könnte man sie eventuell zwangsweise in eine Psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses einweisen lassen?
Nein, zwangsweise Einweisungen sind in Deutschland nur möglich, wenn die Betroffenen selbst in Gefahr sind, also wenn sie beispielsweise mit Selbstmord drohen oder wenn sie Leben oder Gesundheit Dritter bedrohen. Ich rate Ihnen, sich Hilfe zu holen, damit Sie selbst mit der Situation besser umgehen können. Sie können sich zum Beispiel an Suchtberatungsstellen wenden – zu finden unter www.bzga.de/service/beratungsstellen – oder unter www.dajeb.de eine entsprechende Beratungsstelle für Angehörige suchen.
<p>Crystal meth in Deutschland</p>

Crystal meth in Deutschland


Seit mein Enkel (17) die Schule abgeschlossen hat, ist er fast nur noch mit seiner Clique zusammen. Sie kiffen alle. Seine Eltern kommen nicht mehr an ihn heran, haben resigniert. Lässt sich für den Jungen nicht doch noch etwas tun?
Wenn die Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind, können sie sich an das Jugendamt oder eine Erziehungsberatungsstelle wenden und die Sachlage schildern. Dann lässt sich gemeinsam beraten, wie es weitergehen soll. Eventuell kann Ihrem Enkel ein Platz in einer betreuten Wohngruppe zugewiesen werden. Entsprechend den finanziellen Verhältnissen müssen die Eltern dafür einen Unkostenbeitrag zahlen. Auch Suchtberatungsstellen bieten Beratung für betroffene Jugendliche und deren Angehörige.

Ich befürchte, dass meine Tochter (16) auf Partys Drogen nimmt. Am Tag danach ist sie mitunter aggressiv, mitunter völlig in sich gekehrt. Sollte ich nachfragen? Wie komme ich mit ihr in ein gutes Gespräch?
Auf jeden Fall sollten Sie nachfragen. Beim Konsum von Drogen, wie Speed oder Crystal Meth, kann es an den darauf folgenden Tagen zu Depressionen oder Gereiztheit oder auch zu einem extremen Schlafbedürfnis kommen. Sprechen Sie mit Ihrer Tochter ganz offen über Ihre Vermutung. Steigen Sie aber nicht gleich mit Vorwürfen in das Gespräch ein. Auch verhörartige Gesprächstaktiken sind ungeeignet. Da ziehen sich die Jugendlichen eher zurück. Sorgen Sie für ein offenes Gesprächsklima, benennen Sie ganz sachlich Ihre Sorgen und Ängste, ohne Ihre Tochter mit Unterstellungen zu überfallen. Lassen Sie ihr Zeit, sich dazu zu äußern.

Immer wieder gerate ich mit meinem Sohn aneinander. Er ist felsenfest der Meinung, dass Kiffen nicht abhängig machen kann. Wie kann ich ihn davon überzeugen, dass Cannabis doch nicht so harmlos ist, wie er denkt?
Ein Fachsimpeln um das Thema Cannabis bringt häufig nicht viel. Eher könnte die Konversation in ein Streitgespräch abgleiten. Vielleicht versuchen Sie behutsam herauszufinden, warum Ihr Sohn überhaupt kifft. Wenn er sein Wissen testen will, können sie ihm einen Wissenstest im Internet unter www.drugcom.de empfehlen.

Kann ein Haartest prüfen, ob jemand kifft? Unser Sohn (19) behauptet, dass er keine Drogen nimmt. Aber ich traue dem nicht...
Theoretisch gibt es solche Tests, aber das wird das Problem nicht lösen. Selbst wenn ihm nachgewiesen wird, dass er Drogen konsumiert, wird ihn das nicht dazu bringen, nicht mehr zu kiffen. Erfolgversprechender ist es, mit dem jungen Mann zu sprechen. Sie können ihm ja ganz offen sagen, warum Sie vermuten, dass er noch Drogen konsumiert. Sagen Sie ihm auch, welche Folgen das aus Ihrer Sicht haben kann und dass Sie sich große Sorgen machen. Im Gespräch bleiben ist das Allerwichtigste – und die einzige Möglichkeit, eine Veränderung herbeizuführen. Denn Ihr Sohn trägt die volle Verantwortung für sein Leben. Er ist volljährig.

Mit meinem Bruder (31) hatte ich immer einen sehr liebevollen Kontakt. Seitdem er Dogen nimmt, zieht er sich zurück. Wir haben praktisch keinen Kontakt mehr. Was kann ich tun?
Leider nicht viel. Es ist für Sie bestimmt sehr schwer, aber Sie sollten versuchen zu akzeptieren, dass es sein Leben ist. Er ist ein erwachsener Mann und voll für sein Tun verantwortlich. Sie haben keinerlei Handhabe, darauf Einfluss zu nehmen, wenn er es nicht will. Wenn Sie möchten, können Sie ihm hin und wieder eine Karte oder einen Brief schreiben, um von Ihrer Seite das Interesse am Kontakt zu unterstreichen. Vielleicht ändert sich die Situation irgendwann. Außerdem rate ich Ihnen, für sich selbst professionelle Hilfe zu suchen, damit Sie wieder Freude am Leben finden, unabhängig vom Drogenkonsum Ihres Bruders. Viele Drogenberatungsstellen beraten auch Angehörige, weitere Anlaufstellen wären Angehörigen- oder Lebensberatungsstellen.
Weitere Informationen
Das Sucht-Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist von Mo-Do 10-22 Uhr, von Fr-So 10-18 Uhr unter 0221/892031 erreichbar. Unter www.drugcom.de gibt es viele Informationen und einen Wissenstest zu illegalen Drogen, unter www.quit-the-shit.net ein Reduktions- und Ausstiegsprogramm. Die Nutzer werden per Internet kostenlos 50 Tage beim Ausstieg begleitet.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen