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Müllbeseitigung an Ostsee : Weniger illegale Öl-Entsorgungen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vor einem halben Jahr spülten Öl- und Paraffinklumpen an die Strände von Rügen. Schwierige Suche nach den Verursachern

svz.de von
erstellt am 16.Sep.2014 | 11:45 Uhr

Ein halbes Jahr nach den Öl- und Paraffinverschmutzungen an den Stränden von Rügen und Usedom sind die verursachenden Schiffe immer noch nicht gefunden worden. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, sagte Klaus Lampert von der Wasserschutzpolizei Sassnitz. Es würden mehrere Spuren verfolgt, eine heiße Spur sei aber bislang nicht dabei.

Der Wasserschutzpolizei liegen inzwischen Analyseergebnisse der an den Stränden genommenen Proben vor. Diese müssen mit Gegenproben von den Schiffen oder Paraffin-Rückstellproben in Häfen abgeglichen werden.

Die Ölverschmutzungen in der Ostsee sind laut einer Statistik der Helcom – einer zwischenstaatlichen Kommission von Ostseeanrainerstaaten zum Schutz der Meeresumwelt – in den vergangenen Jahrzehnten gesunken. Wurden 1988 noch mehr als 500 sogenannter „oil spills“ in der gesamten Ostsee gezählt, waren es 2013 rund 120. Als Hauptursachen für den Rückgang könnten nach Einschätzung des Havariekommandos Cuxhaven das engmaschigere Kontrollsystem sowie das gestiegene Umweltbewusstsein an Bord der Schiffe verantwortlich sein.

Überwachungsflugzeuge der Ostseeanrainerstaaten führen unangekündigte Flächenkontrollen vor allem entlang der Schifffahrtsrouten durch. Mit Seitensichtradaren könnten inzwischen 60 Kilometer breite Räume zu jeder Seite des Flugzeugs überwacht werden, sagte die Sprecherin des Havariekommandos, Ulrike Windhövel. Dazu komme die Satellitenüberwachung. Die Anzahl der Flugstunden der Überwachungsflieger in der Ostsee stieg laut Helcom seit 1988 deutlich an – geht seit 2012 aber leicht zurück.

Nach den Öl- und Paraffinfunden an den Stränden von Rügen und Usedom hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Driftmodelle erstellt, um Zeitraum und  Zahl der als Verursacher in Betracht kommenden Schiffe einzugrenzen. Während für die Paraffinverschmutzungen nur ein Schiff in Frage käme, das den Stoff geladen habe, könne als Verursacher für die Ölverschmutzungen potenziell fast jedes der 450 Schiffe verantwortlich sein, die im fraglichen Zeitraum vor Rügen und Usedom unterwegs waren. Die Analyse ergab, dass es sich um sogenannte Sludge-Rückstände aus den Schifftanks handelte. Geprüft werden müsse auch, ob das Öl bewusst entsorgt wurde oder es ein Unfall war, sagte Windhövel.Unter Leitung des Havariekommandos waren auf Rügen und Usedom die Öl- und Paraffinreste im Frühjahr zügig eingesammelt worden. Teilweise musste der Strand bis auf zehn Zentimeter Tiefe abgetragen werden.

Mehr als 140 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks, der Freiwilligen Feuerwehren und der Gemeinden waren im Einsatz. Die Kosten dafür können noch nicht benannt werden, da noch nicht alle Rechnungen vorlägen, sagte Windhövel. Bund und Küstenländer übernehmen die Kosten, sofern kein Verursacher gefunden wird. Das Land Mecklenburg-Vorpommern müsste sich daran mit 8,5 Prozent beteiligen.Die zunächst von der Tourismuswirtschaft befürchteten Einbußen durch die verschmutzten Strände blieben allerdings aus. „Stornierungen hat es nicht gegeben“, sagte der Sprecher der Rügener Tourismuszentrale, Holger Vonberg. Dazu habe der zügige Einsatz an den Stränden beigetragen. Vonberg erneuerte die Forderung der Tourismusbranche nach schärferen Kontrollen. Zudem appellierte er an das Umweltbewusstsein von Reedereien und Schiffsbesatzungen.

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