Steuerfahndung in MV : Weniger Einsätze gegen Steuersünder

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Stellenabbau bei Finanzprüfern in MV. Sieben Millionen Euro zurückgeholt

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17. Mai 2017, 05:00 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern müssen Steuerbetrüger unangemeldete Besuche von Fahndern immer weniger fürchten. Die Zahl der Fahndungsprüfungen sinkt seit Jahren. Wie das Schweriner Finanzministerium auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte, rückten Steuerfahnder im vergangenen Jahr zu 255 Einsätzen aus, 2015 waren es 320 Einsätze und 2014 noch 362 Einsätze. In nur drei Jahren ist das ein Rückgang um fast 30 Prozent.

„Die Betriebe werden dadurch betrugsanfälliger“, sagte Frank Höhne, Vorsitzender der Steuergewerkschaft Mecklenburg-Vorpommerns. Denn wenn sich das Entdeckungsrisiko für Steuersünder verringert, werde die Versuchung zum Steuerbetrug größer.

Den Grund für den Rückgang der Einsatzzahlen sieht die Gewerkschaft im Personalabbau. Im Jahre 2008 gab es noch 40 Steuerfahnder im Land, inzwischen sind es nur noch 33. Ebenfalls 2008 waren landesweit 250 Betriebsprüfer für die Finanzämter unterwegs, inzwischen ist ihre Zahl auf 204 gesunken.

Das Ministerium führt den Rückgang der Fahndungsprüfungen dagegen vor allem auf eine 2016 eingerichtete Vorprüfstelle zurück, die Bagatellfälle herausfiltern soll.

Der Anteil der kontrollierten Unternehmen: Im vergangenen Jahr wurden 2,86 Prozent der Kleinbetriebe und 0,85 Prozent der Kleinstbetriebe, die zusammen in Mecklenburg-Vorpommern die Mehrheit der Unternehmen ausmachen, von den Finanzämtern geprüft. Bei mittleren Betrieben waren es nach Angaben des Finanzministeriums 6,21 Prozent. Dabei wurden insgesamt etwa sieben Millionen Euro nicht gezahlte Steuern entdeckt. 2015 waren es 53 Millionen Euro. Eine der häufigsten Betrugsmaschen ist laut Ministerium die Einrichtung von „schwarzen Kassen“, in denen das Unternehmen Teile der steuerpflichtigen Einnahmen versteckt.

Für die Steuergewerkschaft ist der Personalabbau ein Fehler, weil Steuerfahnder und Betriebsprüfer Geld für den Staat zurückholen. In anderen Bundesländern wie Niedersachsen würden die Stellen inzwischen wieder aufgestockt, sagte Höhn. Die Steuergewerkschaft hat errechnet, dass ein Steuerfahnder in der Bundesrepublik im Durchschnitt für den Staat 800 000 Euro an nicht gezahlten Steuern zurückholt.

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