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Mecklenburg-Vorpommern

21. Oktober 2017 | 19:49 Uhr

Jagd : Weniger Blei in der Umwelt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Minister verbannt Bleimunition – Jäger reagieren zurückhaltend: Geschosse prallen ab

svz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 08:02 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern darf vom 1. April an auf rund einem Zehntel der Fläche nicht mehr mit bleihaltiger Munition gejagt werden. Das hat Umweltminister Till Backhaus (SPD) für die landeseigenen Gebiete so festgelegt, wie ein Sprecher des Schweriner Ministeriums sagte. Damit soll weniger schädliches Blei in die Umwelt und damit in die Nahrungskette gelangen. Der Landesjagdverband reagierte zurückhaltend auf diese Festlegung. „Wir sind auch für eine Bleireduzierung, die nötigen Untersuchungen über die Munitionsarten sind aber noch nicht abgeschlossen“, sagte der Präsident des Verbandes, Volker Böhning.

Der Verband vertritt rund 10 000 Jäger im Nordosten.

Mit dieser Festlegung gehe Mecklenburg-Vorpommern deutlich weiter als die Bundesregierung. „Der Bund hält sich da zurück“, sagte Böhning: „Wir sind nämlich noch längst nicht da, wo wir hinwollen.“

Grundsätzlich müsse Munition auch in punkto Jagdsicherheit und Tötungswirkung hundertprozentig stimmen. Das sei bei bleifreier Munition nicht immer gegeben, so gebe es Probleme bei großen Tieren über 70 Kilogramm. Experten zufolge prallen bleifreie Geschosse auch schneller ab und sind daher im Gelände gefährlicher als Bleimunition, wie sie auch bei Behörden verwandt wird.

„Wir dürfen uns eine Bleireduzierung nicht über weniger Sicherheit erkaufen“, warnte Böhning. Zudem seien bei Tests an geschossenen Tieren sogar Bleirückstände gefunden worden, wenn mit bleifreier Munition gejagt wurde. „Wir wollen einer Verringerung von Blei in der Umwelt nicht im Wege stehen, aber es gibt viele Quellen für Bleieintrag, wie Leitungswasser oder Gemüse“, erläuterte der Jagdexperte.

Das Argument von Tierschützern, dass viele Seeadler an zuviel Blei sterben, wenn sie die Reste von geschossenem Wild fressen, wies Böhning zurück. Im Nordosten gebe es die höchste Bestandsdichte bei Seeadlern seit Jahren, obwohl mit bleihaltiger Munition geschossen wurde. Und der Bestand wachse weiter.

Backhaus hatte für eine bundeseinheitliche Regelung plädiert. Bisher haben laut Ministerium Brandenburg, Berlin, Thüringen, das Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ähnliche Regelungen. Da Blei schon in geringsten Mengen schädlich sein könne, sei ein Verbot aber nicht nur eine Frage des Naturschutzes, sondern auch des Verbraucherschutzes. Laut Ministerium sind bleifreie Geschosse jagdtauglich, deshalb seien Munitions- und Waffenhersteller jetzt für sichere und effektive Munition verantwortlich.


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