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Verbraucherschutzbilanz MV : Weniger Antibiotika im Hühnerstall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Backhaus: Therapiehäufigkeit sinkt deutlich. Grüne: Mit besseren Haltungsbedingungen geht es auch ohne Arznei

Es geht auch ohne: Nach jahrelanger Kritik an zu hohen Antibiotika-Gaben im Stall in MV haben die Bauern offenbar den Medikamenteneinsatz reduziert. Die Therapiehäufigkeit sei sowohl in der Hühner- als auch Schweinemast gesunken, erklärte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern bei der Vorstellung der Verbraucherschutzbilanz des Landes. So sei die entsprechende Kennziffer für die Therapiehäufigkeit in der Hühnermast von 25,4 im zweiten Halbjahr 2014 ein Jahr später auf 15 gesunken, in der Schweinemast von 1,27 auf 0,32, ergaben Kontrollen der Tierbestände.

Damit schaffen es offenbar mittlerweile mehr Bauern, ihre Tiere ohne die Arznei zu halten. Bei der Analyse des Medikamenteneinsatzes gaben Landwirte in MV gegenüber dem Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock an, in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres von 632 so genannten Nutzungsarten bei 251 ohne Antibiotika ausgekommen zu sein – in zwei von fünf Fällen. Vor-Ort-Kontrollen hatten allerdings eine hohe Fehlerquote ergeben. So waren dem Landesamt zufolge von 251 Nutzungsarten mit vermeintlich ohne Antibiotikaeinsatz bei 61 doch entsprechende Medikamente eingesetzt worden – Verstöße in einem Viertel der Fälle. Backhaus geht dennoch von einem sinkenden Antibiotika-Einsatz aus: „Das Minimierungskonzept greift“, sagte er gestern.

Der Antibiotika-Einsatz im Stall steht seit Jahren in der Kritik, da die Medikamente ins Fleisch, in die Umwelt und den menschlichen Körper gelangen können. In der Tiermast soll der Einsatz verringert werden, da sonst die Gefahr besteht, dass die Medikamente bei der Behandlung von Menschen nicht mehr wirken. Untersuchungen zufolge zählt Deutschland zu den acht Ländern Europas, in denen in der Tiermast mehr Antibiotika eingesetzt werden als in der Humanmedizin.

Vor zwei Jahren noch waren in jedem zweiten Schweinestall in MV erhöhte Antibiotikagaben festgestellt worden. Dabei lag in acht von 45 untersuchten Betrieben die Therapiehäufigkeit so hoch, dass die Bauern zu Maßnahmeplänen zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes aufgefordert wurden, ging aus einem 2014 vorgelegten Prüfbericht des Agrarministeriums hervor. Der Analyse zufolge hatten 75 Prozent der Betriebe die Arzneimittel eingesetzt. An der Studie hatte sich jeder fünfte der 220 Mastbetriebe in MV beteiligt – vom 250-Tiere-Hof bis zur 30 000er-Schweineanlage. Zur Reduzierung der Antibiotikagaben müssen die Bauern in Deutschland diese seit 2014 bei Schweinen, Hühnern, Puten und Rindern dokumentieren.

Inzwischen würden immer mehr Bauern erkennen, dass es besser sei, ohne Antibiotika im Stall auszukommen, bescheinigte selbst Ursula Karlowski, Agrarexpertin der Grünen-Landtagsfraktion, den Bauern. Allerdings setze sich die Erkenntnis bei vielen Landwirten noch zu langsam durch, beobachtete sie und forderte eine bessere Beratung der Agrarbetriebe. Zudem sollten künftig Amtstierärzte bei der Gabe von Antibiotika stärker beteiligt werden.

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erstellt am 11.Jul.2016 | 20:45 Uhr

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