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Mecklenburg-Vorpommern

22. September 2017 | 06:33 Uhr

Wenig Resonanz auf Tempo-30-Initiative

vom

svz.de von
erstellt am 25.Jun.2013 | 07:47 Uhr

Rostock | Die Initiative der Verkehrswacht Mecklenburg-Vorpommern für eine Regelgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde in geschlossenen Ortschaften stößt im Nordosten auf wenig Resonanz. Nur in Güstrow ist Bürgermeister Arne Schuldt für diese Idee aufgeschlossen. Er rief jüngst die Einwohner der Barlachstadt zur Unterstützung der Europäischen Bürgerinitiative "30 km/h - macht Straßen lebenswert" auf.

"Eine typische Reaktion in Diskussionsrunden ist, dass die Verkehrsberuhigung nur vor der eigenen Haustür gewünscht wird. Im übrigen Stadtgebiet ist "Freie Fahrt für freie Bürger" die Forderung", bedauert der parteilose Politiker.

"Es ist ein sehr dickes Brett, das wir hier bohren", sagt Verkehrswacht-Geschäftsführerin Andrea Leirich. Die Neuregelung würde bedeuten, dass nur auf den größeren Durchfahrtsstraßen innerhalb von Kommunen Tempo 50 gelte, ansonsten ohne weitere Schilderregelung Tempo 30. Es sei aber klar, dass eine Kommune dies nicht einfach beschließen kann, sagt Leirich. Es gelte das Bundesrecht mit Regelgeschwindigkeit 50.

Laut Verkehrsstatistik 2012 ereigneten sich in Mecklenburg-Vorpommern 61,7 Prozent der Unfälle mit Personenschaden innerhalb geschlossener Ortschaften. Auf allen Straßen starben 83 Personen, 1233 wurden schwer und 5288 leicht verletzt. "Diesen Blutzoll ist jeder bereit zu zahlen, da diskutiert keiner. Nicht auszudenken, wie die Gesellschaft reagieren würde, wenn sich solche Zahlen bei einer Grippeepedemie einstellten", sagt Leirich. Um die Zahl der Verkehrsopfer rasch zu senken, wären auch mehr Geschwindigkeitskontrollen durchaus hilfreich, betont die Expertin.

Jens Schade, Verkehrspsychologe an der Technischen Universität Dresden, ist sich sicher, dass bei Tempo 30 innerorts die Zahl der Unfälle und verletzten Personen rapide sinken würden. Ob allerdings die Aggressivität im Straßenverkehr oder Luftschadstoffe abnähmen, könne nicht gesagt werden. Das bedürfe mehrjähriger Untersuchungen.

Auch die Psychologie mancher Autofahrer dürfe nicht außer Acht gelassen werden. "Wer schneller fährt, meint, er komme schneller an." Die Wartezeit an der nächsten Ampel werde da schnell vergessen.

Leirich weiß, dass derzeit jede Initiative in Richtung Tempobegrenzung wegen der nahen Bundestagswahl zum Scheitern verurteilt ist - dies habe auch jüngst der öffentlich ausgetragene Disput in der SPD-Bundesspitze um ein Tempolimit auf Autobahnen gezeigt.

Auch die Stadt Schwerin rechnet in dieser Diskussion mit einer deutlich ablehnenden Reaktion. "Ein Zeitraum, wann sich eine Eingewöhnung ergeben würde beziehungsweise ob überhaupt, lässt sich nicht abschätzen", hieß es. Die Wismarer Verkehrsplaner verweisen da-rauf, dass bei einer Absenkung der Geschwindigkeit auf Hauptstraßen mehr Neben- oder Wohnstraßen als Abkürzung genutzt würden.

Die Sprecherin von Güstrow, Karin Bartock, macht aber auf einen finanziellen Effekt der Umstellung auf Tempo 30 aufmerksam. "Man spart massenweise das Aufstellen von Schildern."

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