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Wenig Abiturienten, viele Schüler ohne Abschluss

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erstellt am 24.Jun.2013 | 08:05 Uhr

Schwerin | Das Risiko, ohne Abschluss die Schule zu verlassen, ist in Ostdeutschland viel höher als in Westdeutschland. In Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt ist dieses Risiko etwa doppelt so hoch wie in Bayern oder Baden-Württemberg. Jeder siebente Schüler geht in MV ohne zumindest einen Hauptschulabschluss ins Leben. Die Chancen für eine folgende Berufsausbildung sind denkbar gering.

Das sind Resultate aus einer Bertelsmann-Studie zur Chancengleichheit im Bildungswesen, die gestern veröffentlicht wurde. Eine Ursache dieser Entwicklung: "In Mecklenburg-Vorpommern sind relativ viele Kinder vom Regelschulsystem ausgegrenzt", sagt Christian Ebel von der Stiftung. Bereits im Oktober 2008 hatte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) in seiner ersten Regierungserklärung als eines seiner wichtigsten Ziele benannt, die Zahl der Schüler ohne Abschluss zu halbieren. Tatsächlich ist die Quote seit 2009 von 14,4 auf 13,3 Prozent gesunken.

Bildungsminister Mathias Brodkorb gegenüber unserer Redaktion: "Die hohen Zahlen der Schulabgänger ohne Berufsreife sind bekannt. Die der Studie sind aber auch alt. Im Jahr 2012 sank der Anteil der Schulabgänger ohne Berufsreife auf unter 12,5 Prozent. Von diesen haben 70 Prozent einen Förderschulabschluss. Ich setze darauf, dass diese immer noch viel zu hohe Zahl durch die bereits ergriffenen Maßnahmen weiter schrittweise sinken wird." Die Tendenz zeige in die richtige Richtung.

Aber auch am oberen Ende der Schulabsolventen zählt MV zu den Schlusslichtern. Nur 38,3 Prozent erreichen die Hochschulreife, haben also ein Abitur oder einen gleichwertigen Abschluss. Der Bundesdurchschnitt liegt hier bei 51 Prozent der Jugendlichen in dem Alter. Auch hier zeigen andere Länder, dass es anders geht. Wiederum steht Baden-Württemberg mit 58,3 Prozent an der Spitze - sehr gute Chancen für Studium oder Berufswahl. Minister Brodkorb meint dazu: "Zahlen zu Hochschulzugangsberechtigten sollte man nicht überinterpretieren. So lange es kein gemeinsames Abitur in der Bundesrepublik gibt, sagen diese Zahlen also nichts aus."

Aber es gibt auch positive Signale aus MV: "Die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft ist relativ gering", sagt Christian Ebel von der Bertelsmann-Stiftung. Das heißt, Kinder aus benachteiligten Familien haben in der 4. Klasse kaum weniger Kompetenzen als Kinder aus z.B. Akademikerfamilien. Eine Ursache könnte die bereits in der Kita beginnende frühkindliche Bildung sein.

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