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Diskussion zur Pressefreiheit : Wem gehört die Wahrheit?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schöngefärbt, einseitig, umgedreht – wie glaubwürdig sind Medien? Eine Diskussion zum Tag der Pressefreiheit

Begonnen hat alles mit der Ukraine-Krise, in der die russische Seite des Geschehens von den Medien ausgeblendet worden sei, davon ist der Landessprecher der AfD, Leif Erik Holm, überzeugt. „Man glaubt den Medien nicht mehr, wie man einem Geschichtenerzähler am Biertisch nicht mehr glaubt, bei dem vier von fünf Geschichten immer falsch sind.“

Beim Talk im Landesfunkhaus des NDR diskutierten gestern Abend Michael Seidel, Chefredakteur dieser Zeitung, und Joachim Böskens, Chefredakteur des NDR, mit Gästen unter der Überschrift „Wem gehört die Wahrheit“ über die Glaubwürdigkeit der Medien.

Schon bei der Ursachensuche erhielt Leif Erik Holm, selbst Journalist, Gegenwind von der Medienwissenschaftlerin, Prof. Elizabeth Prommer: „Es gab immer schon eine unterschiedliche Einschätzung der Glaubwürdigkeit von Medien“, berichtet sie aus empirischen Untersuchungen. Sie forderte für die Debatte eine größere Differenzierung zwischen einzelnen Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen. „Es stimmt auch nicht, dass in Berichten über Flüchtlinge nur schöngefärbt wurde. Es gab von Anfang an sehr unterschiedliche Flüchtlingsgeschichten“, sagte die Wissenschaftlerin und erntete prompt lautstarken Protest einzelner Gäste.

Das ließ Leif Erik Holm zu einer Wortmeldung kommen, die in seiner Partei so oft nicht zu hören ist: „Ich selber würde Begriffe wie Lügenpresse nicht verwenden. Aber so sind die Menschen.“ Der „normale Bürger“ sehe nur, was ihm „vorgesetzt“ werde. „Die Presse ist wichtig als Kontrollinstanz“, so Holm. „Wir müssen genau unterscheiden zwischen Information und Meinung.“ An dieser Stelle erhielt er in der Runde keinen Widerspruch.

Elke Haferburg als Landesfunkhausleiterin des NDR berichtete vom täglichen Anspruch der Redaktion, Information und Meinung sauber zu trennen. Das gelinge besser oder auch mal schlechter. Oft sei es aber so, dass sich die Wahrnehmung der Kritiker davon unterscheide, was die Redaktion tue.

Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass man sich den Journalisten aussuchen könne, der die eigene Meinung bestätige“, warnte auch Corinna Pfaff, Landesgeschäftsführerin des Journalistenverbandes, als sich die Diskussion dem Rauswurf einer kritischen Journalistin auf dem letzten AfD-Landesparteitag zuwendete.

Zwar versuchte hier Holm die Position und die Gründe der AfD zu erläutern. Der Parteitag habe mehrheitlich für den Ausschluss gestimmt – er jedoch nicht. „Der Parteitag ist der Souverän“, so Holm. Dies sah die Runde naturgemäß anders. Kritischen Journalismus müsse man aushalten. „Grundsätzlich ist es immer so, dass Politiker sich schlecht behandelt fühlen – in allen Parteien“, so die Wissenschaftlerin Prommer. Schließlich Joachim Böskens: Dass Journalisten nicht zugelassen werden, kenne man nur – augenzwinkernd – von Mitgliederversammlungen bei Hansa Rostock und – provozierend – von der NPD.

Applaus bei den Anhängern und Kopfschütteln bei der Mehrheit erntete Holm als er vortrug: „Wir sind als Partei angetreten, die Zustände zu verbessern. Viele Parteien haben in ihren Wahlprogrammen das übernommen, was wir schon im vergangenen Herbst im Programm hatten. Darauf Michael Seidel: „Sie glauben also, dass Sie die Politik schon jetzt beeinflussen?“ Leif Erik Holm: „Auf jeden Fall.“

Die Runde gestern Abend fand zwar nicht heraus, wem die Wahrheit gehört, aber, dass viele sie für sich beanspruchen. Auch die AfD.

Die Debatte heute 20.15 Uhr

NDR 1 im „Forum“, NDR-Fernsehen 18 Uhr bei Land und Leute sowie im Nordmagazin, 19.30 Uhr

 

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erstellt am 11.Mai.2016 | 06:25 Uhr

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