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Mecklenburg-Vorpommern

20. Oktober 2017 | 11:09 Uhr

Kunststreit : Wem gehört der Dachbodenfund?

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Die Nachfahren der ehemaligen Mecklenburger Herzöge haben auf deutlich mehr Kunstobjekte Anspruch erhoben als bislang bekannt. Sie reklamieren zahlreiche Gegenstände aus dem Ludwigsluster Dachbodenfund für sich.

svz.de von
erstellt am 24.Sep.2013 | 07:12 Uhr

Schwerin | Die Nachfahren der ehemaligen Mecklenburger Herzöge haben bei der Schweriner Landesregierung auf deutlich mehr Kunstobjekte Anspruch erhoben als bislang öffentlich bekannt. Sie reklamieren zahlreiche Gegenstände aus dem so genannten Ludwigsluster Dachbodenfund für sich, der seit 2004 mit Beginn der Sanierung des dortigen Schlosses nach und nach aufgetaucht ist. Nach Ansicht von Finanzministerin Heike Polzin (SPD) sind die Ansprüche der Herzogs-Familie verjährt. Allerdings droht auch der vom Land gewünschte Ankauf der "Sammlung Christian Ludwig" zu scheitern, falls es über den Dachbodenfund keine gütliche Einigung gibt. Das hat nach Informationen unserer Zeitung die Herzogs-Familie zur Bedingung gemacht.

Zur Frage des Umfangs des Dachbodenfundes gibt sich das Schweriner Finanzministerium schmallippig. Er bestehe aus "Kunstgegenständen, Möbeln, Porzellan sowie Ausstattungsgegenständen wie Wandvertäfelungen und Dekorleisten", teilte ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung mit. Unterdessen berichtete eine Mitarbeiterin des Staatlichen Museums Schwerin auf einer Experten-Tagung davon, dass "172 kunsthandwerkliche Gegenstände, 103 Plastiken, 15 Gemälde und Varia" von der Herzogs-Familie beansprucht würden. Unter dem Dach des Ludwigsluster Schlosses wurden offenbar auch wertvolle Kronleuchter, Wandspiegel und historische Öfen entdeckt. Da sie zweifelsfrei als Teil des Gebäudes und nicht als Teil der Einrichtung gelten, wird das Eigentum des Landes daran von der Herzogs-Seite offenbar nicht bestritten, denn die Enteignung des Schloss-Gebäudes im Zuge der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nach der Wiedervereinigung nicht rückgängig gemacht.

Experten vermuten, dass bereits im 19. Jahrhundert nicht mehr benötigte Ausstattungsstücke bei Renovierungsarbeiten auf dem Dachboden des Schlosses landeten. Als dieses ab 1920 Wohnsitz des entmachteten Großherzogs Friedrich Franz II. wurde, kamen ebenfalls verschiedene Objekte ins Depot. Nach 1950 wurden die Zimmer erneut ausgeräumt, weil manches nicht in die Büros der Kommunalverwaltung passte, die nun eingezogen war. Kunsthistoriker bezweifeln zudem, dass alle Dachboden-Kunstobjekte ursprünglich der Herzogs-Familie gehörten. Vollständige Inventarlisten fehlen, und nach 1947 wurden im Ludwigsluster Schloss angeblich auch Gemälde aus anderen Schlössern und Gutshäusern zusammengetragen. 1997 hatten sich die Herzogs-Familie und das Land bereits einmal darüber geeinigt, welche Gegenstände aus Ludwigslust zum Eigentum der Familie gehören. Der erst Jahre später aufgetauchte Dachbodenfund stand damals nicht zur Debatte. Nach der Einigung von 1997 holte die Familie einen Teil davon ab und ließ ihn versteigern. 260 weitere Gemälde, Möbel, Porzellanobjekte und historische Uhren - die so genannte Sammlung Christian Ludwig - hat sie dem Land geliehen. Derzeit wird über den Ankauf durch das Land verhandelt. Kurz vor der Landtagswahl 2011 waren die Gespräche auf Eis gelegt worden. Inzwischen soll der damals ausgehandelte Preis von 7,9 Millionen Euro durch ein weiteres Wertgutachten neu bestimmt werden. 1997 soll der Wert noch auf 7,5 Millionen D-Mark geschätzt worden sein.

Karsten Witt, der Anwalt der Herzogs-Familie, ist zuversichtlich, dass der Vertrag noch in diesem Jahr abgeschlossen werden kann. Auch eine Einigung über den Dachbodenfund sei möglich. Darauf hoffen auch die Restauratoren in Ludwigslust. Solange nicht klar ist, wem der Dachbodenfund gehört, fließt auch kein Geld, um ihn zu altem Glanz herauszuputzen.

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