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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 10:43 Uhr

Michael Succow : Weltverbesserer auch mit 75

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit dem ostdeutschen Nationalparkprogramm schrieb sich Michael Succow in die Geschichtsbücher ein

svz.de von
erstellt am 21.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Mulch bedeckt die Beete, Wildtulpen und Margeriten wachsen auf der Wiese, dazwischen gedeihen Kartoffeln: Der Garten des Ökologen Michael Succow in einer Eigenheimsiedlung bei Greifswald hebt sich sichtbar durch seinen Wildwuchs von den akkurat beschnittenen Gärten seiner Nachbarn ab. Stromlinienförmig zu sein ist nicht Succows Ding – somit offenbart der unkonventionelle Multikulti-Garten mit amerikanischer Strauchkastanie, persischem Eisenholzbaum, Wildpflaume und Apfel auch das Wesen des Naturschützers Succow, der heute seinen 75. Geburtstag feiert.

Populär geworden ist der Ökologe Succow 1990 mit der Initiierung des Nationalparkprogramms in der untergehenden DDR. Als „Tafelsilber der deutschen Einheit“ gingen fünf Nationalparks, sechs Biosphärenreservate sowie drei Naturparks neuer Prägung zwischen Ostsee und Thüringen in die Wiedervereinigung ein. Dieser Geniestreich, in dem staatlichen Vakuum nach dem Zusammenbruch der DDR große Areale als Schutzgebiete zu sichern, ist Geschichte. Er wurde vielfach geehrt. 1997 erhielt Succow den Alternativen Nobelpreis.

Was danach folgte, glich einem weiteren Coup. Mit dem Preisgeld von damals 100 000 D-Mark gründete Succow eine Stiftung, die einem Schneeball gleich Naturschutzprojekte in Asien, Afrika und den ehemaligen Ostblock-Staaten anschob. Dem Ökologen Succow geht es inzwischen längst um die globalen Fragen. „Das Projekt Natur läuft weiter. Aber das Projekt Mensch ist eine Frage mit unbekanntem Ausgang.“ Es gehe ihm darum, dass der Mensch weiter Teil der Natur bleibe und nicht ein interglazialer Irrtum, sagt Michael Succow.

Mit seiner leisen, aber eindringlichen Art hat der Ökologe etwas Missionarisches. Und ein bisschen schlitzohrig ist er auch. „Eine Handbreit über dem Zulässigen zu agieren“, das war seine Haltung in der DDR. Wegen seiner Kritik an der Niederschlagung des Prager Frühlings schied der Wissenschaftler aus der Universität Greifswald aus. Was folgte, waren vier Jahre „Bewährung in der Produktion“ als Standortkundler und später sogar Brigadeleiter im Meliorationskombinat Bad Freienwalde. 1986 trat er der Blockpartei LDPD bei, um einer Vereinnahmung durch die SED zuvorzukommen.

Nach der Energiewende mit Atomausstieg und der Hinwendung zu erneuerbaren Energieformen ist jetzt eine konsequente Agrarwende geboten, drängt Succow. Gerade im Osten Deutschlands betrieben große Agrarfirmen Raubbau an den Böden. Die natürliche Fruchtbarkeit werde ruiniert. Kapitalanleger kauften Böden, um angesichts steigender Preise mit den Flächen zu spekulieren. Der Bodenspekulation müsse durch schärfere Gesetze begegnet werden, fordert Succow. Werde der Landspekulation nicht Einhalt geboten, stelle sich in einigen Jahren die Frage der Bodenreform neu. „Das Land muss denen gehören, die dort leben und arbeiten“, sagt Succow.

Der Naturschützer wird von Mitstreitern als Vermittler und Brückenbauer gesehen. Succow lege in seiner Arbeit Wert auf gute Zusammenarbeit, sagt Landesagrarminister Till Backhaus (SPD). „Dieses Vorgehen ist vorbildhaft, denn Naturschutz funktioniert nur mit den Menschen. Seine kluge und vermittelnde Art steckt an.“ Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, würdigte Succow jüngst als eine „Ausnahmepersönlichkeit im Naturschutz mit Charisma“.

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