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Welch ein Drama: Weltmeister Nimke verletzt sich beim Warmfahren

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erstellt am 02.Aug.2012 | 08:28 Uhr

Stefan Nimke hatte Tränen in den Augen. Es sollte der krönende Abschluss seiner glanzvollen Karriere werden, am Ende war die jahrelange Schufterei umsonst. Eine halbe Stunde vor dem Auftakt der olympischen Bahnrad-Wettbewerbe musste der Olympiasieger von Athen wegen einer Muskelzerrung im Lendenwirbelbereich im Teamsprint passen und den Traum von der Goldmedaille begraben.

"Das ist total bedauerlich, dass so etwas kurz vor dem Start passiert. Stefan ist am Boden zerstört", sagte Patrick Moster, der Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Innerhalb kürzester Zeit musste Bundestrainer Detlef Uibel umdisponieren und Ersatzfahrer Robert Förstemann ins Team einbauen. Das Unterfangen gelang zunächst: Die deutsche Mannschaft in der Besetzung Rene Enders (Erfurt), Förstemann und Maximilian Levy (Cottbus) fuhr in der Qualifikation die fünftbeste Zeit und kam weiter.

Doch für Routinier Nimke war es eine persönliche Tragödie. Gold, Silber und zweimal Bronze hatte er bei seinen bisherigen drei Olympia-Teilnahmen bereits geholt. Dazu hat er sechs WM-Titel eingefahren, vier davon in seiner Paradedisziplin, dem 1000-Meter-Zeitfahren. Doch in London sollte noch einmal der ganz große Coup gelingen. "Die Erwartungen sind hochgesteckt. Dass wir um Gold fahren wollen, ist kein Geheimnis. Das Potenzial dazu haben wir auch", hatte Nimke vor dem Wettkampf noch gesagt.

Es sollte das letzte große Rennen seiner Karriere werden, denn Nimke beendet seine Karriere. "Mit dem Leistungssport, so wie ich ihn jetzt betreibe, ist Schluss. Den Aufwand, die vielen Wochen, die ich unterwegs bin, das will ich nicht mehr. Da habe ich keinen Bock mehr drauf", sagt der 34-Jährige. Seiner Polizeiausbildung will er sich widmen. Was danach kommt, steht in den Sternen. Eine Trainertätigkeit kann er sich vorstellen, dann aber eher im Nachwuchsbereich.

Umso bitterer, dass er tatenlos mitansehen musste, wie Förstemann für ihn die Runden drehte. Dabei hatte sich der Schachzug der deutschen Delegation im Vorfeld der Spiele als Glücksfall erwiesen. Da Förstemann laut Regularien nicht als vierter Athlet nominiert werden durfte, hatte der BDR den Mann mit den dicksten Oberschenkeln der Spiele (73 Zentimeter Umfang) als Mountainbiker gemeldet und so ein Schlupfloch gefunden. So konnte Deutschland doch eine Mannschaft ins Rennen schicken, ansonsten wäre der Traum von einer Medaille gleich beendet gewesen.

Doch der derart kurzfristige Wechsel war alles andere als günstig. Seit Tagen hatte Bundestrainer Uibel in der Formation Enders, Levy und Nimke trainieren lassen. Nun musste er umbauen. Levy rückte für Nimke auf die Position drei, dafür fuhr Förstemann als Zweiter hinter Enders.

Während die deutschen Teamsprinte rinnen Kristina Vogel (Erfurt) und die ebenfalls wie Nimke für das Track Cycling Team Mecklenburg Vorpommern startende Miriam Welte zweimal am Grünen Tisch gewannen und am Ende so gar Olympiasiegerinnen wurden, fuhr der deutsche Männerdreier wenig später "nur" im kleinen Finale und holten Bronze. Was wäre wohl mit Stammfahrer Stefan Nimke drin gewesen…?

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