Peene : Weitere Umweltverstöße vor dem Fischsterben?

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14. September 2015, 21:00 Uhr

Monate vor der Ethanolbelastung und dem Massensterben von Fischen in der Peene hat es möglicherweise bereits Umweltverstöße in der Anklamer Zuckerfabrik und der Bioethanolanlage gegeben. Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg ermittelt in zwei weiteren Verfahren. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StaLU) sowie das Landesamt für Umwelt und Geologie (LUNG) hatten unabhängig voneinander Strafanzeigen gestellt. Diese beiden Verfahren gegen den Geschäftsführer der Zuckerfabrik und der Bioethanolanlage seien noch nicht abgeschlossen, sagte Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler. Es gelte die Unschuldsvermutung. Seit Anfang September ermittelt die Behörde in einem dritten Verfahren gegen unbekannt, nachdem Tausende Fische in der Peene an hohen Konzentrationen Ethanol verendet waren. An der Anlage wurde ein Leck im Rohrsystem eingeräumt. Das StaLU erstattete bereits im März 2015 Strafanzeige wegen „ungenehmigten Betriebes einer Anlage“. Konkret geht es um die zur Zuckerfabrik gehörenden Klärteiche. Bei einer Kontrolle sei aufgefallen, dass „organisch hoch belastete Abwasser“ in Teichen zwischengelagert wurden, die dafür nicht genehmigt waren, so ein Amtssprecher.

Das LUNG stellte im Februar 2015 Strafanzeige im Zusammenhang mit der „Einfuhr von Abfallprodukten aus der Verarbeitung von Bleicherden“ in der Bioethanolanlage, wie ein Sprecher des LUNG sagte. Das Bundesamt für Güterverkehr hatte demnach einen aus den Niederlanden kommenden und zur Biotehanolanlage fahrenden Lastwagen mit offenbar falsch deklarierten Stoffen gestoppt.

Der Geschäftsführer der Zuckerfabrik und der Bioethanloanlage, Matthias Sauer, zeigte sich zuversichtlich, dass die gegen ihn gerichteten Verfahren eingestellt werden. Im Gegensatz zum Vorfall im September sei es in keinem der beiden Fälle zu einem Umweltschaden gekommen.

Schockiert reagierte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Ursel Karlowski. „Es ist ein Skandal, dass erst tote Fische auf der Peene schwimmen müssen, damit andere Vergehen bekannt werden.“ Sie forderte eine lückenlose und systematische Aufklärung. Mehr als zwei Wochen nach dem Vorfall besucht morgen Agrarminister Till Backhaus die Zuckerfabrik, um sich ein Bild über die Folgeschäden zu machen. „Was hier passiert ist, darf nicht noch einmal geschehen“, sagte er. 

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