Weiter Wirbel um Radiostar

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07. Juni 2012, 10:25 Uhr

Rostock | Am Tag nach der Verhaftung von Marcus Japke läuft "Der Gute Morgen" auf Ostseewelle wie gewohnt - zumindest fast. Moderatorin Andrea Sparmann versucht, gute Laune zu verbreiten. Dabei ist ihr und ihren Kollegen nicht zum Lachen zumute. Immer wieder wird die Erklärung des Senders zu den Missbrauchs-Vorwürfen gegen den Morgenshow-Star eingespielt. Bisher unbestätigten Angaben zufolge soll er mehr als 50-mal sexuellen Kontakt mit einer zur Tatzeit 2005/2006 erst 12- beziehungsweise 13-Jährigen gehabt haben.

Der angebliche Kindesmissbrauch ist Stadtgespräch Nummer eins, wie ein Blick in die Internetforen zeigt. Die Reaktionen schwanken zwischen Wut, Mitleid und Unverständnis. "Wenn was dran ist, sage ich: ein dreifaches Pfui, Pfui, Pfui", schimpft eine Leserin auf Facebook. "Wollen wir mal nur das Beste für Jappi hoffen, dass die Anschuldigungen nicht wahr sind", schreibt ein anderer. Seine Fans vermissen den Moderator schon jetzt: "Er hat morgens immer Stimmung gemacht. Mit ihm konnte man irgendwie immer besser aufstehen."

Die Menschen sind fassungslos. Auch die 25-jährige Sarah* fiel aus allen Wolken, als sie von dem Polizeieinsatz im Ostseewelle-Funkhaus hörte. Sie und Japke hatten vor anderthalb Jahren ein Verhältnis. "Ich habe ihn als einen ungeheuer lieben Familienmenschen kennengelernt", sagt die junge Frau. Erstmals getroffen haben sich die beiden bei einer Party. Japke kam kurz vor Dienstbeginn in den Club gleich gegenüber vom Studio, um sich Zigaretten zu holen. Eine gemeinsame Bekannte stellte die beiden einander vor. Schnell sprang der Funke über. "Klar wusste ich, dass er ein Schwerenöter ist, aber wir haben uns einfach sehr gut verstanden." Die Herzen junger Frauen würden Japke zufliegen, sagt Sarah. "Dass er mit seinen Autos angibt, hat er gar nicht nötig." Japke lebt auf großem Fuß. Er bewohnt mit seiner Lebensgefährtin und den gemeinsamen Zwillingen eine Villa, fährt protzige Autos wie einen Ferrari und einen Hummer. Auch dabei schlägt er nach Aussagen einer Nachbarin bisweilen über die Stränge: "Es ist hier kein Geheimnis, dass er auch betrunken hinterm Steuer sitzt." Nach außen hin wirkt Japkes Lebensstil extravagant. Als Radiomoderator trifft er regelmäßig Promis und ist so fast selbst zu einem geworden. Dieses Image nutzte er unter anderem dafür, für den Braugasthof Dummerstorfer Mühle zu werben. "Er ist damit aufgetreten, dass er den Hof mitentwickeln will", sagt Axel Wiechmann, Bürgermeister von Dummerstorf. Bei der Renovierung soll Japke selbst mit angepackt und später organisatorisch mitgewirkt haben. Momentan wirkt der Gasthof allerdings verlassen, innen ist es schmutzig und unter der für Reservierungen angegebenen Telefonnummer ist niemand zu erreichen. Für Sarah ist Japke ein Mann, der ständig unter Strom steht. Gute Laune als Berufskriterium, private Schuldenkrise: "Erst abends kam er zur Ruhe, man spürte regelrecht, wie alles von ihm abfiel." Der Wunsch nach Halt in einer Familie sei schon damals fest ausgeprägt gewesen. "Darum habe ich mich für ihn auch so gefreut, als er Vater geworden ist", sagt Sarah.

Doch die junge Familie steht nun vor einer Zerreißprobe. Japke sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Waldeck. Laut Amtsgericht Rostock bestehe bei Sexualdelikten Wiederholungsgefahr.

Wann und ob es überhaupt zu einem Prozess kommen wird, ist bislang noch unklar. Das mutmaßliche Opfer hatte sich erst jetzt der Polizei anvertraut. "Vorerst gilt die Unschuldsvermutung", sagt Maureen Wiechmann, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

*Name geändert

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