MV: Meister Adebar hat ein Problem mit dem Nachwuchs : Weißstörche sehen schwarz

Sorge um den Nachwuchs: Vor allem in Vorpommern und auf Rügen zogen Weißstorchenpaare   in diesem Jahr deutlich weniger Junge auf. dpa
Sorge um den Nachwuchs: Vor allem in Vorpommern und auf Rügen zogen Weißstorchenpaare in diesem Jahr deutlich weniger Junge auf. dpa

Fast jedes vierte Weißstorchenpaar in MV hat in diesem Jahr keinen Nachwuchs großgezogen, wie der amtierende Storchenbeauftragte des Naturschutzbundes, Eggers, sagte.

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22. November 2010, 10:24 Uhr

Lübtheen | Insgesamt seien nur 812 Brutpaare gezählt worden, 613 von ihnen hatten Junge im Nest. 1527 Jungstörche wurden flügge. Das seien zwar mehr als 2009 mit 770 Brutpaaren und 1185 Jungvögeln, doch von einem positiven Trend könne keine Rede sein. "Die Tendenz der vergangenen zehn Jahre geht nach unten", sagte Eggers. "Es sind schwarze Aussichten für den weißen Storch." Pro Brutpaar seien statistisch gesehen weniger als zwei Jungvögel aufgewachsen. Dabei seien die regionalen Unterschiede in diesem Jahr sehr groß gewesen. So sei im Kreis Ludwigslust die Jung storchenzahl im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel gestiegen, auf Rügen und in Ostvorpommern dagegen eingebrochen. 38 bzw. 41 Prozent der Storchenpaare blieben dort kinderlos. Im Kreis Ludwigslust seien sogar vier Horste mit jeweils fünf Jungen gezählt worden, was ungewöhnlich viele seien.

Als eine Ursache sieht Eggers das Wetter an, das in den südwestlichen Regionen günstiger gewesen sei als in Vorpommern, wo mehr Unwetter und starker Regen registriert wurden. Als Hauptursache für die abnehmende Zahl von Storchenpaaren und -jungen sieht der Landesbeauftragte für den Weißstorchenschutz aber die eingeschränkten Futterquellen im Brutgebiet. "Der Maisanbau für die Biogasanlagen hat stark zugenommen, doch auf Maisfeldern findet der Storch keine Nahrung", sagte Eggers. Die Grünlanderhaltungs-Verordnung des Landes empfinde er als Hohn. Dauergrünland dürfe danach umgebrochen werden, wenn stattdessen Gras angesät wird. Auf diesem Grasland gebe es jedoch kaum Regenwürmer, keine Insekten, Frösche oder Mäuse, das gesamte Nahrungsspektrum des Storches fehle.

"Die Störche brauchen mehr Kleingewässer und weniger intensiv bewirtschaftete Felder", sagte Eggers. Ackerrandstreifen ohne Düngung und Pflanzenschutzmittel würden schon helfen. Ursachen für den Storchenrückgang lägen aber auch in den afrikanischen Winterquartieren der Vögel und auf dem Zugweg. So seien Strommasten und -leitungen für Jungstörche eine große Unfallquelle.

Die Gefahren in diesem Bereich müssten in Deutschland bis 2012 beseitigt sein, in Israel und anderen Ländern der Region herrschten dagegen noch schlimme Verhältnisse. "Israel ist aber wie ein Trichter für alle Störche, die den östlichen Zugweg über den Bosporus nehmen."

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