Wein statt Getreide: Bauern aus MV steigen um : Weingut auf dem Acker

Landwirte in MV wollen in den Weinbau einsteigen. Eine Winzergemeinschaft aus Lodmannshagen will ein Weingut aufbauen. Sie bereitet sich auf den Fall des Anbaumonopols 2015 vor und hat ihre Weinfläche ausgeweitet.

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04. Juni 2012, 07:50 Uhr

Neubrandenburg | Weinvergnügen an der Ostseeküste: Landwirte aus Mecklenburg-Vorpommern steigen in die Weinproduktion ein. Landwirt Wolfgang Bülow und eine zehn Mitglieder zählende Winzergemeinschaft aus Lodmannshagen im Landkreis Vorpommern-Greifswald haben jetzt neue Reben ins Feld gestellt und die Weinfläche von 160 auf 1000 Stöcke ausgeweitet. Die Vorpommern bereiten sich auf den von den EU-Mitgliedsländern und der EU-Kommission beschlossenen Fall des Weinbaumonopols vor. Ab 2015 wollen sie ins Weingeschäft einsteigen.

"Wir wollen ein Weingut werden", meinte Bauer Bülow. 2002 hatte er die ersten 30 Reben angepflanzt, in unmittelbarer Nähe von seinem Hof. "Man will im Alter ja auch noch etwas zu tun haben", meint der 75-Jährige, der seinen knapp 200-Hektar-Hof inzwischen an seine Tochter übergeben hat.

Wein für den privaten Genuss: Maximal 99 Stöcke lassen die EU-Anbauregeln für Hobbywinzer ohne Vermarktungsrecht zu. Nach und nach sei der Anbau zusammen mit der Winzergemeinschaft inzwischen auf knapp ein Hektar erweitert worden, erklärt Bülow. "Der Wein soll ein neues Standbein für unseren Betrieb werden." Mit der Familie sei man sich einig, den Wein in Lodmannshagen ins Feld zu stellen - wenn es tatsächlich zum Fall des Pflanzrechtes komme möglicherweise auf bis zu 20 Hektar. Der Klimawandel mache es möglich, meint der Bauer. Selbst die mehr als 20 Grad Minus im letzten Winter hätten die Reben gut überstanden. Auch neue Weinzüchtungen begünstigten den Anbau selbst in den norddeutschen Lagen. Er baue in Vorpommern eine pilzresistente Sorte an: "Da kommen wir ohne Herbizideinsatz aus."

Noch übt sich Bülow in Geduld: Vorerst hätten die jetzt gepflanzten Reben noch bis zur Neuregelung des Weinanbaus in der EU drei Jahre Zeit, Ertrag zu bringen. Bis dahin genießt Bülow seinen Wein allein: Knapp 380 Flaschen sind es aus der Ernte des vergangenen Jahres. 4000 Flaschen im Jahr könnten es einmal werden, erwartet Bülow.

Bauern am Weinberg: In MV liegt eines der nördlichsten Weinanbaugebiete Deutschlands. 2004 war das Gebiet Stargarder Land ins Verzeichnis der Weinbaugebiete aufgenommen worden. Der an den Standorten Schloss Rattey mit 3,5 Hektar Fläche sowie Burg Stargard mit 0,2 Hektar Fläche produzierte Wein darf seitdem mit der Bezeichnung "Mecklenburger Landwein" verkauft werden. Im vergangenen Jahr mit mäßigem Erfolg: Wegen der ungünstigen Wetterbedingungen und starker Regenfälle während der Blütezeit im Juni sank die Ausbeute von zuvor 135,7 auf 40,8 Hektoliter Weinmost. Zum Vergleich: In Deutschland holten die Winzer 2011 dem Statistischen Bundesamt zufolge von der rund 100 000 Hektar großen Rebfläche 9,3 Millionen Hektoliter Weinmost.

Trübe Aussichten für die Bauern in MV: So schnell werden norddeutsche Bauern offenbar doch keine Konkurrenz für den deutschen Weinbau werden. Zwar hatten die EU-Mitgliedsstaaten vor Jahren beschlossen, das Pflanzrechtsystem aufzugeben und den Anbau freizugeben. Inzwischen sind zumindest 16 Erzeugerländer aber wieder eingeknickt und fordern eine Verlängerung des Weinmonopols. Allein die EU-Kommission sträubt sich noch. Der Deutsche Weinbauverband (DWV) übt sich dennoch in Zuversicht: "Wir gehen davon aus, dass das Pflanzrechtsystem verlängert wird", meinte DWV-Rechtsexperte Achim Blau. Inzwischen habe beispielsweise der Bundesrat beschlossen, dass das System bis 2025 verlängert werden soll.

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