Rostocker Weinkontor versenkt edle Tropfen : Wein schaukelt in der Ostsee reif

<strong>Unterwasserwein</strong>: Henning May stellt im Ozeaneum Stralsund  symbolisch Weinflaschen auf den Grund.<foto>dpa</foto>
Unterwasserwein: Henning May stellt im Ozeaneum Stralsund symbolisch Weinflaschen auf den Grund.dpa

Im Meer gelagerte Weine umwehen die Aura des Geheimnisvollen. Für sechs Hansestädte lässt der Rostocker Weinkontor Alexander Lau den edlen Tropfen - Wert rund 40 000 Euro - auf dem Grund der Ostsee reifen.

svz.de von
14. März 2013, 06:36 Uhr

Stralsund | Der genaue Ort in der Ostsee vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns ist geheim. Denn Alexander Lau fürchtet Plünderer. Schließlich lagern in zehn Metern Tiefe irgendwo zwischen Rostock und Stralsund seit Januar rund 3600 Flaschen Rot- und Weißwein. Der von kühlem Meerwasser umspülte Rotspon und Wittspon im Gesamtwert von knapp 40 000 Euro ist in sechs Gitterboxen verpackt.

Die Meeresströmung erzeuge ein leises Schaukeln und bringe den Wein zu einer besonderen Reife, ist der Chef der 1899 gegründeten Hanseatischen Kolonialwaren Gesellschaft überzeugt.

Im Herbst soll der kulinarische Schatz gehoben werden. Die Tourismuszentralen der Hansestädte Rostock, Stralsund, Greifswald, Demmin, Anklam und Wismar warten mit Vorfreude auf das Ergebnis. "Wir sind schon ganz gespannt, wie der Wein aus der Ostsee schmeckt", sagt der Tourismuschef der Hansestadt Demmin, Ronny Szabo. Zur Visualisierung wurde die Szenerie in einem Becken des Ozeaneums nachgestellt.

Vor rund fünf Jahren begann der Rostocker Weinhändler eine Tradition des Familienunternehmens wiederzubeleben und die Hansestädte wie bereits vor einhundert Jahren mit französischem Rotspon und Wittspon zu beliefern. Die Städte verkaufen den Merlot und Chardonnay über ihre Tourismuszentralen, auch die Staatskanzlei hat den Wein in ihrem Gastgeschenk-Repertoire. Allein in Demmin sind seit Januar mehr als 100 Flaschen des "Demminer Rotspon" verkauft worden. In Stralsund gingen im Vorweihnachtsgeschäft mehr als 300 Flaschen mit Stralsunder Etiketten über den Verkaufstresen, sagt Anne Pilgrim von der Stralsunder Tourismuszentrale.

Die Idee, den Wein in der Ostsee zu deponieren, kam Lau vor rund zwei Jahren, als die Lagerplätze im Rostocker Weinkeller knapp wurden und Berichte über einen spektakulären Champagner-Fund vor der Küste Finnlands die Runde machten. Im vergangenen Jahr ließ Lau die ersten Flaschen probehalber versenken. "Anfangs haben wir einiges falsch gemacht", sagt der 41-Jährige. Über den Korken sei Salzwasser in die Flaschen eingedrungen und habe den Wein ungenießbar gemacht. "In einem zweiten Versuch haben wir die Flaschenhälse mit Wachs versiegelt."

Nach ersten Verkostungen des Weines ist sich Lau sicher, dass der Wein durch die Unterwasserlagerung an Qualität gewonnen hat. "Durch die leise Schaukelbewegung wurde der Reifeprozess forciert. Der Rotwein ist weicher. Der Weißwein hat an Säure verloren."

Experten vom Deutschen Weininstitut in Mainz halten eine Veränderung des Geschmackes durchaus für möglich. "Auf dem Grund der Ostsee ist es dunkel und kühl. Es herrscht eine konstante Temperatur", sagt der Sprecher des Deutschen Weininstituts in Mainz, Ernst Büscher. "Ein guter Weinkeller kann das zunächst aber auch." Die Bewegung sorge allerdings dafür, dass chemische Prozesse zu einer Beschleunigung der Reifeprozesse beitragen. "Weine, die an einem geheimen Ort auf dem Meeresgrund gelagert werden, erzählen natürlich eine Geschichte", sagt der Weinexperte vom Deutschen Weininstitut. Und das kann den Preis nach oben treiben. Lau weist Preisspekulationen zurück. "Der Preis einer im Keller gelagerten Flasche beläuft sich auf 6,95 Euro, für den Ostsee-Wein haben wir den Hansestädten einen Preis von knapp 10 Euro empfohlen."

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