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Schweriner Altenpflegerin : Weil Freundlichsein nichts kostet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Claudia Gößner absolviert eine Ausbildung zur Altenpflegerin, da sie täglich „mit einem guten Gefühl nach Hause gehen“ will

von
erstellt am 14.Sep.2016 | 06:30 Uhr

Ein Gutmensch war Claudia Gößner schon immer. Das geht vom Mitleid für alle Obdachlosen bis zur Trauer über verschwendetes Essen. Da lag es eigentlich auf der Hand, dass sie auch in ihrem Berufsleben Gutes tun würde – doch wie genau war ihr selbst lange nicht klar. „Früher wusste ich nie, was ich später einmal machen möchte“, erinnert sich die Schwerinerin. Darum hat sie sogar ein Berufsvorbereitungsjahr abgeschlossen, um in verschiedene Jobs hinein zu schnuppern. Nach einer Zeit in der Gastronomie und im Textilverkauf wollte die 29-Jährige „endlich mal wieder mit einem guten Gefühl nach Hause gehen“, wie sie sagt. Denn vor allem im Textilgewerbe schwappte ihr fast täglich die Unfreundlichkeit der Kunden entgegen. Also bewarb sie sich um eine Ausbildung in der Altenpflege. Nur eine einzige Bewerbung schickte sie ab – und wurde prompt angenommen.

Ein Glück für die Schwerinerin, die inzwischen sehr stolz auf ihren Beruf ist. „Zugegeben, Anfangs hatte ich Bedenken, ob ich das alles schaffe“, sagt sie. Doch Berührungsängste gab es bei ihr überraschenderweise keine. „Natürlich muss man die Senioren waschen und ihnen – wenn ein Malheur passiert ist – auch mal den Hintern sauber machen. Doch das kann jedem mal passieren und zum Beruf gehört viel mehr.“

Beispielsweise wird Claudia Gößner im Umgang mit Angehörigen geschult, in Sachen Krankheitsbilder, Sterbebegleitung und Gesundheitsprävention. Am meisten Zeit frisst jedoch die Bürokratie, wie sie sagt. Wertvolle Zeit, die dann manchmal am Menschen fehlt. Doch die macht die junge Frau mit ehrlichem Interesse und Freundlichkeit wieder wett.

Dass sie sich so sehr für das Leben ihrer Patienten interessiert, macht es Claudia aber manchmal nicht leicht. „Man nimmt vieles mit nach Hause, vor allem wenn jemand stirbt“, sagt sie – auch dann, wenn es zu seinem Besten sei. Einfach zu Hause alle Gefühle abschalten kann die Auszubildende nicht, doch im Team gibt es die Möglichkeit, über Probleme zu reden. Die Belegschaft ist dadurch zu einer kleinen Familie zusammengewachsen. „Und es wird mit der Zeit einfacher.“ Besonders schwer fiel ihr ein Abschied zu Beginn ihrer Ausbildung – ein Kriegsveteran, der viel Leid erlebt hatte.

Doch der Beruf des Altenpflegers hält noch weitere Tücken bereit – wie die harte körperliche Arbeit. „Zum Glück haben wir hier Lifte und können die Senioren so leichter bewegen“, sagt die freundliche Rothaarige. „Ein paar kräftige Männer mehr könnten aber trotzdem nicht schaden.“ Überhaupt ringt man im Pflegebereich um junge Fachkräfte. Rund 100 offene Stellen sind bei der Arbeitsagentur allein in Schwerin gemeldet. In Westmecklenburg sind es mehr als 400.

Die 29-Jährige kann nachvollziehen, warum sich so wenig junge Leute für die Altenpflege entscheiden. „Für die getane Arbeit ist die Bezahlung eigentlich nicht ausreichend. Zudem arbeitet man im Schichtsystem und auch an Feiertagen wie Wochenenden – das wollen viele Jugendliche nicht“, sagt sie. Auch komme man den Bewohnern sehr nah. Doch ihr selbst macht das nichts aus. Sie ist fest davon überzeugt, mir ihrer Berufswahl etwas Gutes zu tun. „Denn viele der Menschen hier haben so viel Schlimmes erlebt, da sollte man ihnen den letzten Weg so schön wie möglich machen.“

Oft seien es schon Kleinigkeiten, die die Senioren zum Strahlen bringen, weiß die Schwerinerin. Ein nettes „Guten Morgen“ oder ein Lächeln zum Beispiel. Auch gemeinsames Singen kann schöne Erinnerungen aus Kindheit und Jugend wecken. Die Tätigkeit in der Altenpflege sei eben eher Berufung als Beruf. „Das muss man wirklich wollen.“

Für die junge Mutter einer einjährigen Tochter selbst ist es zudem ein sicherer Job – denn Pflegekräfte werden immer benötigt. „Und wer weiß, vielleicht brauche ich auch einmal so eine Versorgung.“ Mit ihrem Wissen wird es der Schwerinerin auch möglich sein, ihre Eltern und Großeltern selbst zu pflegen. Ein gutes Gefühl – so kann sie etwas zurückgeben.

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