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Fest im Gefängnis : Weihnachtspäckchen nicht erlaubt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

1100 Menschen begehen das Fest im Gefängnis - Kartoffelsalat und Bockwurst am Heiligabend. Für 20 Gefangene Amnestie erlassen

Auch in den Gefängnissen des Landes feiern die 1100 Inhaftierten Weihnachten. „Gerade Gefangene nutzen die Zeit, um über sich und ihre Zukunft nachzudenken“, sagte Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU). Die fünf Justizvollzugsanstalten haben spezielle Weihnachtsprogramme.

In der Jugendanstalt Neustrelitz zum Beispiel wurde schon viel vorbereitet. Die jungen Gefangenen haben Weihnachtskarten und Dekoration gebastelt. In der JVA Stralsund wurden schon im Oktober Stollen gebacken. Auch in Waldeck konnten viele Inhaftierte zusammen Plätzchen backen, gemeinsam kochen und Weihnachtsgestecke basteln. Selbst die Hafträume dürfen etwas weihnachtlicher aussehen. Weihnachtsbäume stehen mittlerweile in allen Anstalten auf Fluren oder im Besucherbereich.

Zudem wurden die Besuchszeiten erweitert. In der JVA Bützow etwa sind zur Vorweihnachtszeit 30 Besuchsplätze für Strafgefangene und 20 für Untersuchungshäftlinge sowie acht Langzeitbesuchsplätze eingerichtet worden. Zwischen Weihnachten und Silvester sind es sogar zwölf Langzeitbesuchsplätze, die vor allem durch Väter genutzt werden.

In der Weihnachtszeit haben die sechs kirchlichen Gefangenenseelsorger Hochkonjunktur. Sie organisieren Gottesdienste und Weihnachtsfeiern. In der JVA Stralsund lädt Seelsorgerin Ute Bauer-Ohm am 21. Dezember zum Gottesdienst. In Neubrandenburg ist am 22. Dezember Gottesdienst. In Bützow wird zum Heiligen Abend gleich mehrere Male zum Gebet geladen. Die Jugendanstalt zieht am Feiertag nach. In Waldeck werden an Gefangene auch kleine Geschenke verteilt, durch Spenden ermöglicht. Auch in Stralsund gibt es Geschenke, hier hat der Rotary Club 250 Euro gespendet. Die Jugendgefangenen erhalten Weihnachtstüten mit Marzipan, Orangen und Lebkuchen. Weihnachtspäckchen allerdings sind wie jedes Jahr nicht erlaubt. Die Besucher haben aber die Möglichkeit, in der Anstalt Kleinigkeiten zu kaufen. In allen Anstalten werden Sportturniere angeboten wie Tischtennis, Dart oder Skat, für viele Gefangene das wahre Highlight zu Weihnachten. Dafür werden die Aufschlusszeiten verlängert.

Der weihnachtliche Speiseplan hält sich vor allem an Heiligabend an die Tradition: Kartoffelsalat mit Bockwurst. Nur in der JVA Bützow wird es gebratene Eier, Mischgemüse, Kartoffeln und Obst geben. An den Weihnachtstagen ist neben Bützow auch die Jugendanstalt Neustrelitz nicht ganz so traditionell. Wildgulasch mit Pilzen sowie Rouladen mit Rotkohl gibt es in der Jugendanstalt, die Bützower Köche bereiten Kaninchenbraten und Kasslernackenbraten zu. Im Gefängnis in Stralsund gibt es an beiden Feiertagen Gänsebrust sowie Wildgulasch.

Justizministerin Kuder lobt die Mühe der Vollzugsbediensteten, die Feiertage zu organisieren: „Traditionen zu leben ist ein Stück Rückkehr ins normale Leben. Dorthin kommen fast alle wieder, die über die Weihnachtstage in den Justizvollzugsanstalten sitzen. Und da die Resozialisierung unser wichtigstes Ziel im Vollzug ist, ist Weihnachten und die Wahrung der Tradition eben unumgänglich.“

Traditionell werde auch einigen Gefangenen am Jahresende die Möglichkeit der vorzeitigen Haftentlassung gewährt. In diesem Jahr sind es wie im Vorjahr knapp 20 der insgesamt rund 1100 Gefangenen, denen eine Amnestie genehmigt wurde. Die Genehmigung ist an strenge Voraussetzungen geknüpft.

 

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