Parchim : Weihnachtsmann mit vollem Kalender

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Alfred Niemann aus Parchim übt in der Adventszeit und am Heiligabend einen besonderen Job aus

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24. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Polternde Schläge hallen durch die Turnhalle im Örtchen Kladrum bei Goldberg. Schlagartig verstummt das Geplapper der 27 Mädchen und Jungen, die vorher noch fröhlich durch die Halle getobt sind. Wer macht denn so einen Lärm? Das dröhnende „Hohoho“ gibt die Antwort. „Der Weihnachtsmann“, wispern die Kinder aufgeregt, noch bevor der Alte mit seinem weißen Rauschebart, dem roten Mantel und den klobigen Schuhen durch die Tür tritt. Einen großen Sack trägt er über der Schulter. In der Hand hält er eine Tannenrute. Ehrfurchtsvoll folgen die Kleinen mit den Augen seinem Gang durch den Saal. Laut zu sein traut sich keiner mehr. Und der eine oder andere versteckt sich lieber schnell bei Mama oder Papa.

Alfred Niemann aus Parchim, der an diesem Adventsnachmittag den Weihnachtsmann bei der Kinderweihnachtsfeier der Gemeinde Zölkow mimt, hat sichtlich Spaß an seinem Auftritt. Bereits seit zehn Jahren arbeitet der 68-Jährige als Weihnachtsmann. Ob im Kindergarten, bei Weihnachtsfeiern oder im Kreis der Familie – wer im Parchimer Umland einen Weihnachtsmann sucht, der bekommt aller Wahrscheinlichkeit nach Besuch von Alfred Niemann.

Vermittelt bekommt der Rentner seine Einsätze von Grit Hintz von der Weihnachtsmannvermittlung der Agentur für Arbeit in Schwerin. Hier wurde er vor einer Dekade quasi angeworben. Seitdem gehört er zu den Saison-Weihnachtsmännern in der Kartei. „In diesem Jahr haben wir 14 Weihnachtsmänner“, sagt Jobvermittlerin Hintz. Wer in Schwerin und Umland einen Weihnachtsmann buchen wollte, konnte sich bis Mitte Dezember bei ihr melden. Sie leitet die Anfragen – je nach Wohnort – an „ihre“ Weihnachtsmänner weiter.

Für Alfred Niemann beginnt dann die Planung. „Ich überlege mir genau, welche Route am geschicktesten ist“, erzählt er. Danach vergewissert er sich bei seinem Auftraggeber, ob der Termin auch passt. Im Gespräch werden zudem wichtige Details geklärt. „Ich will zum Beispiel wissen, wie viele Kinder da sind und wer noch vor Ort ist.“ Ob er Geschenke verteilen soll und vor allem, wo er diese findet, wird auch vorab besprochen. Eine gute Planung ist unerlässlich. Denn der Terminkalender von Weihnachtsmann Alfred ist voll. Zwölf Familien wird er am morgigen Heiligabend besuchen. Los geht es am frühen Nachmittag, Feierabend wird frühestens um 20 Uhr sein. Und wie feiert der Weihnachtsmann danach selbst? „Der Rest der Mannschaft wartet auf mich und wir essen gemeinsam“, erzählt er. Der Abend klingt gemütlich im Kreise der Familie aus.

„Für mich ist das einfach eine schöne Sache und ich hab’ Spaß dran“, begeistert sich der frühere Außendienstmitarbeiter. Für diesen Job war eine Eigenschaft nötig, die ihm auch als Weihnachtsmann zugute kommt. „Ich bin kommunikativ und das muss ich auch sein.“

So auch bei der Kinderweihnachtsfeier in Kladrum. Mittlerweile hat Alfred Niemann auf einem großen Schaukelstuhl am Kopf der Turnhalle Platz genommen. Einzeln kommen die Lütten nach vorne. Anna sitzt auf seinem Schoß und erzählt dem Rotgewandeten freimütig, was sie sich denn wünscht. Niemann hört ihr aufmerksam zu. Ein bisschen streng kann er allerdings auch sein. „Na, gib mir mal die richtige Hand und guck mich an“, fordert er den kleinen Louis auf, der verlegen auf den Boden schaut. Auch einen Vers oder ein Lied möchte er noch hören – dann aber gibt’s eine Belohnung, die Louis’ Augen strahlen lassen: Ein Geschenk aus dem großen Weihnachtsmannsack.

Wenn Niemann sich den roten Mantel überzieht und den weißen Rauschebart anlegt, dann schlüpft er ganz in die Rolle des Alten. Er genießt die Plauderei mit Groß und Klein unterm Weihnachtsbaum. „Manchmal gibt es aber auch freche Kinder“, erzählt er. Dann nutze er auch schon mal seine Autorität als Weihnachtsmann. „Man muss dann ein bisschen mit der Rute drohen. Das gehört auch dazu“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Und für einen Spaß ist Weihnachtsmann Alfred immer zu haben. Wenn er zum Beispiel auf einer seiner Routen kostümiert unterwegs ist, fragt er auch mal gern Erwachsene, ob sie denn alle artig waren.

Sehr lukrativ ist der Job als Weihnachtsmann übrigens nicht. Laut Grit Hintz von der Arbeitsagentur gibt es für den Besuch in einer Familie am Heiligabend 25 Euro. Für den Auftritt bei einer Veranstaltung – je nach Aufwand – ein bisschen mehr. Fahrtkosten werden allerdings nicht erstattet. Auch sein Kostüm muss jeder Weihnachtsmann selbst beschaffen und erneuern.

Für Alfred Niemann gibt es aber auch eine viel wertvollere Entlohnung für seine Tätigkeit. Oft bekommt er im Nachgang noch einen schriftlichen Dank von der Familie, die er besucht hat. Und die Freude, die er Kindern und Erwachsenen bringt, ist sowieso unbezahlbar: „Man sieht es ihnen an, dass es für viele Familien ein emotionaler Höhepunkt zu Weihnachten ist.“

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