Bücherhotel in Groß Breesen : Weihnachten im Hotel

Mit einem Lichterbaum aus Büchern empfangen Torsten und Conny Brock ihre Gäste im Foyer
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Mit einem Lichterbaum aus Büchern empfangen Torsten und Conny Brock ihre Gäste im Foyer

Im ersten deutschen Bücherhotel in Groß Breesen bei Güstrow verbringen Gäste und Inhaberfamilie die Feiertage gemeinsam

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20. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Wetten, dass Torsten Brock auch an diesem Heiligabend kurz vor 18 Uhr plötzlich zu einer Havarie, einem Unfall oder sonst einem Notfall gerufen wird? Stammgäste im Gutshotel Groß Breesen kennen das schon: Wenn der Inhaber verschwindet, klopft kurz darauf der Weihnachtsmann an die Tür, um mit der Bescherung zu beginnen. „Und die kann schon mal bis zu drei Stunden dauern“, erklärt Torsten Brock, der das weiß, obwohl er regelmäßig erst danach wieder zu seiner Familie und den Hotelgästen stößt.

„Weihnachten in Familie und mit guten Freunden“ heißt das Arrangement, das Conny und Torsten Brock bereits seit vielen Jahren in ihrem Hotel anbieten – und das stets schon lange vor dem Fest ausgebucht ist. Denn um den familiären Charakter zu erhalten, begrenzen Brocks die Teilnehmerzahl auf 30 – obwohl ihr Haus eigentlich 60 Gästen Platz bietet. Da gilt es schnell zu sein, wenn man nicht auf der Warteliste fürs nächste Weihnachtsfest landen will. Denn Weihnachten in Groß Breesen ist etwas ganz Besonderes – so, wie auch das ganze Hotel ein besonderes ist: Es ist Deutschlands erstes Bücherhotel.

Vor beinahe 15 Jahren haben Brocks angefangen, ihr seit 1998 als Hotel geführtes altes Gutshaus in einen Ort voller Poesie zu verwandeln. Alles dort lädt zum Lesen ein: In jedem Raum gibt es mindestens ein Regal mit Büchern. Der Bestand von anfangs 300 000 ist inzwischen auf mehr als eine halbe Million Bücher gewachsen. Denn jeder Gast ist ausdrücklich zum Büchertauschen eingeladen: Wer zwei Exemplare bringt, darf eines mitnehmen.

Ein Großteil der Bücher steht mittlerweile in einer separaten Scheune. Auch dort können Gäste nach Herzenslust stöbern. „Wir haben allerdings nichts geordnet. Wer ein bestimmtes Buch sucht, muss also viel Zeit bei uns verbringen“, meint Cony Brock augenzwinkernd.

Auch sonst dreht sich im Hotel fast alles um das Buch: Die Bilder an den Wänden haben einen Bezug zum Thema Lesen. Kissen, Bezugsstoffe, Lampenschirme, Zimmerschilder, Tapeten – überall finden sich Bücher. Selbst der Weihnachtsbaum im Foyer ist eine Pyramide aus Büchern. Torsten Brock hat sie in der vergangenen Woche aufgebaut, als er an einem Abend lange auf einen anreisenden Gast warten musste. Wie viele Exemplare darin verarbeitet worden sind, kann er nicht sagen – „auf jeden Fall waren es zwölf Bananenkisten voll“. Wer zu Weihnachten in einem der verbauten Bücher schmökern möchte, kann das aber gerne tun, versichert Torsten Brock. „Man muss es mit einer Hand rausdrehen und mit der anderen ein möglichst gleich dickes Buch nachschieben“, erklärt er die in zurückliegenden Jahren bewährte Technik.

Denn zu lesen wird auch über Weihnachten für viele Gäste im Bücherhotel die Hauptbeschäftigung sein. Für andere, vor allem Großstädter, ist es in erster Linie die Ruhe, die sie ins 57-Seelen-Dorf Groß Breesen zieht. „Wir haben aber auch immer wieder Gäste aus kleinen Orten – auch ganz aus der Nähe, aus Schwerin und Parchim“, betont Conny Brock.

Wer Weihnachten im Bücherhotel verbringt, feiert allerdings weder allein noch in Ruhe. Der 24. Dezember beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück, das gerne auch erst mittags enden darf – „das bereitet noch der Frühstücksdienst vor, und dann fährt auch er nach Hause. Denn unsere Mitarbeiter haben ansonsten an diesem Tag frei“, verrät die Hotelchefin. Schon das Abräumen und Abwaschen übernehmen die Gäste, „ganz wie zu Hause“, so Conny Brock. Ganz wie zu Hause liefe dann auch die weitere Festvorbereitung. „Die Männer helfen meist mit beim Baumschmücken. Die Frauen können, wenn sie mögen, den Kartoffelsalat zubereiten – gerne auch nach ihrem eigenen Rezept.“

In einem bestimmten Raum kann jeder, der möchte, seine Geschenke deponieren. „Auch wir als Familie tun das“, erklärt Conny Brock, deren jüngere Kinder – inzwischen 19 und 20 Jahre alt – gar kein anderes Weihnachten kennen als das im Hotel. Dazu gehört, dass jeder etwas vorträgt, bevor der Weihnachtsmann die Geschenke verteilt. Und dazu gehört auch, sie auszupacken, wenn alle, auch die Hausgäste, zuschauen.

„Dieses gemütliche Zusammensitzen ist Weihnachten der Höhepunkt“, meint die Hotelchefin . Dass Kartoffelsalat und Würstchen erst ziemlich spät serviert würden, sei kein Problem – „wir naschen uns ja durch den Tag“. Und am nächsten Morgen könnten ohnehin alle ausschlafen und bummeln – alle Gäste. Für die Mitarbeiter des Hotels dagegen sind die Weihnachtsfeiertage Großkampftage. Denn zu Mittag kommen Familien aus den umliegenden Orten zum Festessen ins Restaurant.

Nachmittags geht dann das Programm für die Hausgäste weiter, mit Feuerzangenbowle, einem festlichen Menü, und danach wird gelesen – gerne bis weit nach Mitternacht.

Am zweiten Feiertag reist das Gros der Gäste wieder ab. „Einige bleiben aber auch gleich bis Silvester, wo wir wieder ein volles Haus haben werden“, erzählt Conny Brock. Und wer ganz clever ist, bucht gleich wieder fürs nächste Jahr: Weihnachten in Familie und mit guten Freunden im Bücherhotel.

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