Radurlaub in MV : Wege zu eng für E-Bikes

Kein problemloser Radurlaub in Mecklenburg-Vorpommern. Viele Wege genügen den Ansprüchen der modernen Radtouristen nicht

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20. März 2016, 09:00 Uhr

Radfahren gehört für knapp die Hälfte der Touristen in Mecklenburg-Vorpommern zum Standardprogramm. Beste Voraussetzungen, um daraus einen lukrativen Zweig der boomenden Branche zu entwickeln und für Tausende zufriedene Gäste zu sorgen.

Doch es hakt an vielen Ecken und Enden, sagt Martin Elshoff vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in Mecklenburg-Vorpommern. Zu löchrig ist das Radwegenetz, auch wenn im Land neun Fernradwege und 21 Rundwege ausgewiesen sind. Viele Wege genügten nicht den Ansprüchen eines modernen Radtouristen.

„Der Fahrradtourist will nicht entlang großer Straßen auf einem Radstreifen fahren, sondern auf eigenen Wegen abseits durch schöne Gegenden“, fasst Elshoff die Wünsche seiner Klientel zusammen. „Den Mief und Lärm der Autos will niemand haben.“ Er weiß, dass nicht alle Wünsche erfüllbar sind. Aber manche Teile des Ostseeradwanderweges oder der Weg zwischen Stralsund und Greifswald seien weit entfernt von Standards. Auch abseits großer Straßen gebe es Probleme. „Wenn auf den Wegen durch die Rostocker Heide die Holzabfuhr war oder der Weg von Reitern benutzt wurde, hat man kein Spaß mehr am Radfahren.“

So hatte Mecklenburg-Vorpommern zuletzt keine vorderen Plätze in den ADFC-Radreiseanalysen aufzuweisen. Der Grund dafür ist nach Meinung Elshoffs, dass die Infrastruktur zu wenig verbessert worden sei.

Das möchte Tourismusminister Harry Glawe (CDU) so nicht stehen lassen, auch wenn er sagt: „Jeder kennt Stellen auf Radwegen, über die man sich aufregen kann.“ Aber alleine 2015 seien Förderbescheide für Radwege von insgesamt 12,5 Millionen Euro ausgereicht worden. „Ein Kilometer Radweg kostet in einfacher Ausfertigung bis zu 150 000 Euro“, erklärt Glawe. Er möchte heute nicht mehr über Nachholbedarf nach 40 Jahren DDR-Wirtschaft reden. Er sieht eher die Bedürfnisse moderner Radtouristen. Das sind nicht mehr nur durchtrainierte Freizeitsportler. Mit dem E-Bike können ältere Menschen ohne großes Training spielend 50 oder mehr Kilometer am Tag bewältigen.

Eine Forderung an Glawe ist der Bau breiterer Wege, auf denen zwei E-Bikes auch in Kurven mit größer Geschwindigkeit gefahrlos aneinander vorbeifahren können. „Ein Neubau dieser breiten Wege wird um einiges teurer“, sagt Glawe.

Die Kompetenzen für die Ausweisung und Bau von Radwegen sind auf die Ministerien Wirtschaft, Verkehr und Landwirtschaft verteilt. Diese Koordinierung klappt nach Beobachtermeinung nicht – eine Aufgabe für die neue Regierung nach September.

Der Ball liegt Glawes Meinung zufolge auch bei den Kommunen. „Wenn auf alten Radwegen Verbesserungen anstehen, müssen die Kommunen ran, und nicht das Ministerium“, verweist Glawe auf die Gesetzeslage.

Und es gebe Probleme, an die 26 Jahre nach der politischen Wende niemand mehr so richtig glauben mag, sagt Glawe. So hängt der Ausbau des Radwegs von Greifswald nach Stralsund an offenen Eigentumsfragen oder weil sich Kommunen nicht einigen können. Die Folge davon ist, dass sich Radfahrer noch über Kopfsteinpflaster quälen müssen.

Der Tourismusverband sieht die drohende Gefahr durch ein schlechtes Landesimage bei der starken Radfahrerlobby. Vize-Geschäftsführer Tobias Woitendorf verweist auf eine gesonderte Radkonferenz am 26. April in Rostock.

„Wir setzen darauf, dass es eine konzeptionelle Grundlage für die Bedürfnisse von Touristen und Einheimischen gibt“, sagt er und erwartet, dass auch die drei Ministerien teilnehmen. „Die Radwege sind die Lebensadern für den Tourismus in den ländlichen Regionen“, betont Woitendorf.

Wer den Tourismus abseits der Küste stärken will, muss die Radwege verbessern. Landschaftliche Schönheit alleine reiche nicht, die Infrastruktur muss stimmen. Sonst werden Erwartungen enttäuscht. Und schlechte Nachrichten werden schneller verbreitet als gute und halten sich in der Regel wesentlich länger.

Joachim Mangler

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