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Medizinische Versorgung : Weg zum Zahnarzt wird für viele Patienten weiter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Konzentrationsprozess in den Städten: Erste Beschwerden über lange Strecken bis zum Notdienst

svz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 21:02 Uhr

Seit Ende der 90er-Jahre nimmt die Zahl der niedergelassenen Zahnärzte in Mecklenburg-Vorpommern kontinuierlich ab: Waren Ende 1999 noch 1338 Zahnärzte in eigener Niederlassung tätig, waren es Ende November des vergangenen Jahres nur noch 1178. Ein Rückgang, der sich fortsetzen wird: Das Durchschnittsalter der praktizierenden Zahnärzte in MV liegt nach Angaben der Zahnärztekammer bereits bei 52,2 Jahren.

Da parallel zur Zahl der Zahnärzte auch die Bevölkerung im Land zurückgegangen sei, würden sich rein statistisch – zumindest derzeit – noch so gut wie keine Versorgungsprobleme ergeben, so der Präsident der Zahnärztekammer MV, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich. Der in Stavenhagen praktizierende Zahnmediziner, der zugleich Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer ist, warnt allerdings: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass in den nächsten zehn Jahren besonders im ländlichen Raum die Wege der Patienten zu ihren Zahnärzten auch im Notdienst weiter werden .“ In manchen Regionen werde nahezu die Hälfte der Kolleginnen und Kollegen in diesem Zeitraum in Rente gehen, benennt Oesterreich das Problem. Dann Nachfolger zu finden, werde schwer. Zwar gebe es eine durch den gemeinsamen Bundesausschuss festgelegte Bedarfsplanungsrichtlinie. Anders als bei den Ärzten gebe es im zahnärztlichen Bereich aber keine Zulassungssperren. Deshalb sei jetzt schon zu beobachten, dass sich Zahnärzte zunehmend in den größeren Städten niederlassen. „Auch, weil der Frauenanteil im Beruf immer größer wird“, so der Kammerpräsident. „In Städten lassen sich Familie und Beruf einfach besser vereinbaren.“

Die Ausdünnung im Praxisnetz auf dem Land korreliere mit der Landflucht der Bevölkerung. „Wo weniger Menschen leben, ist es auch schwieriger, Praxen wirtschaftlich zu führen“, weiß Oesterreich. „Es gibt bereits Beschwerden von Patienten, die am Wochenende mit Zahnschmerzen über 30 Kilometer weit fahren mussten, bevor ihnen geholfen werden konnte.“

Als weiteres Problem käme dazu, dass immer mehr Patienten in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. „Der Berufsstand ist gefordert, die Versorgung dieser Patienten zu organisieren “, so Oesterreich. Nach dem Erfolg eines Schweriner Modellprojekts zur „aufsuchenden Zahnheilkunde“ und verbesserten gesundheitspolitischer Rahmenbedingungen richten sich immer mehr Kollegen darauf ein.

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