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Exoten vor der Haustür : Wasserbüffel, Affen, Kängurus & Co.

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In MV und der Prignitz leben viele Exoten. Halter müssen auf einiges achten

von
erstellt am 09.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Sind Sie schon einmal durch die Prignitz geradelt? Die frische Luft, die weiten Wiesen, die kleinen Ortschaften, die Wasserbüffel auf der Weide, die saftigen Wälder... – Halt! Die Wasserbüffel? Gedanklich radeln wir noch einmal zurück und tatsächlich: Da stehen Wasserbüffel auf der Weide. Eigentlich kennt man die Tiere eher aus Afrika oder Indien. Etwas kleiner als Rinder, ganz schwarz mit breiten gebogenen Hörnern und tiefsitzenden Ohren. Friedlich grasen sie über die Wiesen oder suhlen sich in einem Schlammloch. 230 der wasserliebenden Tiere tummeln sich auf dem Grundstück der Ackerbau & Landmilch GmbH in Putlitz an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern.

„Während die Fleckenrinder oben auf dem Hügel stehen und höchstens einen Zeh in das kühle Nass halten, lieben Wasserbüffel das Wasser“, erzählt Geschäftsführer Detlef Kibelka. Seit 2011 hält er zusammen mit seinem Geschäftspartner Matthias Wegert die Tiere. Mit etwa 7,6 Prozent Fett ist ihre Milch viel reichhaltiger als die der Fleckenrinder und damit besonders geeignet für die Herstellung von Mozzarella. Den hochwertigen Käse verkaufen die Unternehmer unter anderem an das Adlon in Berlin. Doch Putlitz ist mit seinen Exoten nicht allein. Wer offenen Auges durch Mecklenburg-Vorpommern fährt, kann auch hier außergewöhnliche Tiere entdecken. Ob Elche an der Seenplatte, Bisons bei Hagenow oder Kängurus auf Rügen.

Über 17 000 Exemplare geschützter, meldepflichtiger Arten werden in MV gehalten, teilt das Amt für Umwelt und Naturschutz mit. Darunter fallen zum Beispiel auch 57 Affen, die in privater Haltung leben. Bei den meisten Exoten handelt es sich jedoch um Reptilien oder Vögel. So gebe es beispielsweise 3798 meldepflichtige Schildkröten und 2374 Papageien. Selten ist hingegen die helle Tigerpython. Die Schlange kann über drei Meter lang werden. 15 Stück leben in Mecklenburg-Vorpommern in privaten Terrarien. Raubkatzen hingegen wären nur in gewerblichen Einrichtungen der Zurschaustellung wie beim Circus „Barlex“ oder dem Tigerpark „Dassow“ zugelassen, schildert Bernd Presch vom Landesumweltamt.

Doch wer sich einen Exoten nach Hause holen will, muss einiges beachten. Grundsätzlich gilt, dass die Aufnahme der Haltung, der Tod, die Abgabe an Dritte oder der Umzug von Exemplaren gemeldet werden müssen. Auch, wenn ein Tier wegläuft, muss das dem Amt für Umwelt, Naturschutz und Geologie schriftlich mitgeteilt werden. Die Anschaffung eines Tieres sollte man sich generell vorab sehr genau überlegen. Da viele Exoten kostengünstig in Zoohandlungen erworben werden können, würde oftmals ein falscher Eindruck über den Haltungsaufwand entstehen. Schildkröten und Papageien können beispielsweise ziemlich alt werden aber brauchen dafür eine besondere Pflege.

In den vergangenen Jahren hätte die Zahl an gehaltenen Exoten in Deutschland laut der Peta-Stiftung zugenommen. Dadurch würde auch die Zahl entlaufener oder ausgesetzter Tiere steigen. Das führe oft zu außergewöhnlichen Entdeckungen.

Angler zogen erst im Juli aus der Stepenitz in der Prignitz ein 40 Zentimeter großes, noch dazu aggressives Exemplar einer Amerikanischen Schnappschildkröte an Land. Im August bekam eine Frau aus Rostock den Schreck ihres Lebens, als sie in ihrem Badezimmer auf eine 50 Zentimeter lange Kornnatter aus Nordamerika stieß. Wie das Tier in die Wohnung gelangte, bleibt weiter unklar.

Im gleichen Monat sorgten auch zwei Wasserbüffel und ein Känguru in MV für Aufsehen. An der Mecklenburgischen Seenplatte wurde ein Mopedfahrer schwer verletzt, als er mit zwei ausgebüxten Wasserbüffeln zusammenstieß. Fast im gleichen Zeitraum suchte halb Lübtheen nach dem Känguru-Jungen Wally, das aus einer Zucht in Lübtheen ausgerissen war. Ebenfalls einen Ausflug ins Freie wagte ein Pfirsichköpfchen, eine Papageienart, in Schwerin und landete in unserer Redaktion. Über Facebook konnten wir den Besitzer ermitteln.

 

 

 

 

Zehn Fragen vor der Anschaffung

Verfüge ich über ausreichende Kenntnisse, um die Tiere artgerecht zu halten?
Kann ich die Art als Einzeltier halten oder muss ich ein Paar oder eine Gruppe anschaffen?
Habe ich die räumlichen und finanziellen Voraussetzungen, um ein ausreichend großes und sicheres Gehege zu errichten?
Ist eine Beheizung erforderlich?
Gehen von dem Tier  Gefahren für Halter und Umwelt aus?
Ist eine Versicherung erforderlich?
Wie häufig ist in welchem Umfang mit Jungtieren zu rechnen?
Kann ich die Jungtiere weitergeben?
Wie hoch ist der finanzielle Aufwand für tierärztliche Betreuung?
Kann ich die Ansprüche an ein artgerechtes Futter erfüllen?
Habe ich genug Zeit für die Fütterung, Futterbeschaffung, Pflege?
Wer versorgt die Tiere im Urlaub?

 

KAMELE – die Wüstenschiffe

Spaziergang nach Groß Raden: Jens Kohlhaus führt das zehnjährige kasachische Trampeltier Juri zum Museum. Kamele sowie Lamas, Alpakas, Wölfe und Rentiere leben auf dem 30 Hektar großen Areal.
 
Es ist schon ein einzigartiger Anblick, wenn die Kamele von Jens Kohlhaus durch die Sternberger Seenlandschaft schaukeln. Zehn kasachische Trampeltiere leben seit diesem Sommer in dem exotischen Tourismusunternehmen in dem Ort Sternberg Burg. Mit Kamelen, aber auch Lamas, Alpakas, Wölfen oder Rentieren lässt Kohlhaus seine Gäste durch die idyllische Endmoränenlandschaft östlich der Landeshauptstadt Schwerin streifen. Die Wüstenschiffe würden sich hier wohlfühlen. „Nur Regen mögen sie nicht so“, meint  Kohlhaus. Außerdem müsste er darauf achten, dass die Wege für die asiatischen Lasttiere nicht zu steinig sind, damit sich die an weichen Sandboden gewöhnten Sohlengänger nicht verletzen. Die   Kamele ließen sich selbst von tobenden Kindern kaum  aus der Ruhe bringen.  Künftig soll die Kamelherde auf 30 Stuten, Hengste und Fohlen anwachsen.

 

SCHILDKRÖTEN – Diese sind nur was für Experten

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Wer glaubt, bei Schildkröten ist es mit einer Rotlichtlampe und etwas Salat getan, liegt falsch. Vor allem bei der Südafrikanischen Schnabelbrustschildkröte. Vor 1990 wurde sie wegen ihres besonderen Aussehens zu Tausenden nach Westeuropa importiert. In falscher Haltung überlebten die Tiere oftmals kaum mehr als ein paar Wochen. Nur vier Haltern gelang es, die  empfindlichen Tiere zu züchten. Einer von ihnen ist Sven Wlach. 1998 übernahm er  Schnabelbrustschildkröten aus einer Beschlagnahmung. Schmuggler hatten  die Tiere nach Deutschland gebracht.  „Wer keine Erfahrung hat, kann die Tiere nicht halten“, meint Wlach. Vor allem die artgerechte Fütterung sei kompliziert. Er selbst würde für die Schildkröten stachellose Kakteen  züchten. Außerdem wäre es für die Tiere lebensnotwendig, dass die täglich UV-Strahlung bekommen. „Ohne die würden sie  ebenfalls nur Monate am Leben bleiben.“

 

BISONS – Wildtiere in ihrer Urform

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Eine der gefährlichsten Tierarten in MV lebt wohl bei Marcel Schulz in Zühr  bei Hagenow. Eine Tonne schwer und bis zu 50 Kilometer die Stunde schnell  – In Bedrängnis können Bisons zur tödlichen Waffe werden.   „Würde man die einsperren, würden sie sich wohl  umbringen“, sagt Schulz. „Bisons sind Prärie-Fluchttiere und brauchen die Weite.“ Deshalb hat der Züchter für seine 16 Tiere auch keinen Stall, dafür aber einen umso stabileren Zaun. „Das sind richtige Wildtiere in ihrer Urform. Die kann man nicht zähmen. Einige, die es versuchten, haben es mit ihrem Leben bezahlt.“ Anfang der 1990er waren die aus Amerika und Kanada stammenden Tiere vom Aussterben bedroht. Durch  Schutzprogramme konnte sich der Bestand wieder erholen. In Deutschland sind Bisons weiterhin eine Rarität. Etwa 40 Züchter gibt es hier, schätzt Schulz. Bis 2018 will er 36 Tiere auf seinem Hof haben, davon zwei Bullen zum Züchten. Dann will er das beliebte Bison-Fleisch zum Verkauf anbieten.

 

RENTIERE – die Feinschmecker

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Rentiere sind sehr wählerisch. „Das eine mag lieber Blätter vom Rosenstrauch, das andere  reife Eicheln und wieder ein anderes lieber Pilze“, sagt Andrea Hoffmann. Sie und ihr Mann Andreas halten sich in Wesenberg Ortsteil Strasen  bei Neustrelitz zehn der skandinavischen Hirsche. 250 Pflanzenarten brauchen  Rener für ihre ausgewogene Ernährung. „So viele haben wir hier nicht. Deshalb füttern wir das ganze Jahr zu“, erzählt Hoffmann. Rentiere zu halten, das wäre schon immer der Traum ihres Mannes gewesen. 2009 haben sie ihn gemeinsam verwirklicht und Skandinavien nach MV geholt. Seitdem haben sie die einzige eingetragene Rentierzucht in MV. In diesem Jahr hatten die Tiere erstmals Nachwuchs. Auf ihrem Hof bieten die Hoffmanns unter anderem Treckingtouren mit ihren Tieren an.  „Aber es sind und bleiben  Wildtiere. Sie sind sehr sensibel“, sagt Hoffmann und fügt hinzu:  „Sie verändern sich das ganze Jahr über. Während sie im Sommer eher braun sind, werden sie im Winter immer heller.“

 

 

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