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Mecklenburg-Vorpommern : Wasser sparen um jeden Preis

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Derzeit verbraucht jeder Deutsche täglich rund 125 Liter Trinkwasser. In MV lag der Verbrauch 1991 noch bei 156 Litern pro Tag. 2010 wurde ein Drittel weniger verbraucht, im Landesschnitt waren das nur noch 106 Liter.

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erstellt am 27.Aug.2012 | 12:32 Uhr

Rostock | Die Deutschen sparen erfolgreich Wasser. Zu erfolgreich, finden einige. Die Bundesrepublik sei ein sehr wasserreiches Land, erklärte Gabi Kniffka, Sprecherin des Versorgers Eurawasser Nord in Rostock. Der jährliche Wasservorrat liege bei 188 Milliarden Kubikmetern Grund-, Oberflächen- und Quellwasser. Nicht mal drei Prozent davon würden laut Statistik für die öffentliche Trinkwasserversorgung genutzt, so der Versorger in Mecklenburg-Vorpommerns größter Stadt. Eurawasser beklagt Probleme durch das Sparen, etwa für Leitungen.

Derzeit verbraucht jeder Deutsche täglich rund 125 Liter Trinkwasser. In Mecklenburg-Vorpommern lag der Verbrauch 1991 noch bei 156 Litern pro Tag und Einwohner. 2010 wurde ein Drittel weniger verbraucht, im Landesschnitt waren das nur noch 106 Liter.

Für Unterschiede beim Privatverbrauch innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns macht die Eurawasser-Sprecherin ein Land-Stadt-Gefälle verantwortlich. Während ältere Dorfbewohner vielfach noch in unsanierten Häusern mit veralteter Technik lebten, seien in der Hansestadt Rostock etwa das Gros der Wohnungen modernisiert. "Eigentlich nutzen alle Rostocker heute Wasserspartasten am WC, innovative Sanitär-Armaturen und Duschköpfe sowie sparsame Wasch- und Spülmaschinen", sagte Gabi Kniffka.

Sie warnte aber vor den Folgen einer zu großen Sparsamkeit. "Der Kunde muss sich darüber im Klaren sein, dass extremes Wassersparen allein weder aus ökologischen noch aus finanziellen Gründen Sinn macht." Allzu sparsamer Verbrauch könne zur Stauung im Leitungssystem führen. Bei Stahl- und Gussleitungen käme es zu Rücklösungen von Eisen - das Wasser werde braun. Oder Staus in Abwasserleitungen führten zu üblen Gerüchen aus der Kanalisation. "Wasser muss fließen, um hygienische Vorgaben einzuhalten", betonte sie. Im Versorgungsgebiet der Eurawasser etwa müsse das Leitungsnetz regelmäßig gespült werden, weil der Durchfluss außerhalb der Spitzenzeiten zu gering sei.

Neben steigenden Energiekosten führe dies zu beträchtlich höheren Aufwendungen. "Es klingt paradox, aber Wassersparen kostet Geld." Denn laufend müssten technische Probleme behoben werden. Wasserwerke, Kläranlagen, Leitungen machten rund 80 Prozent aller Kosten aus, der Verbrauch belaste die Haushalte am wenigsten, so Kniffka.

Obwohl es im Norden keine Ressourcenprobleme gebe, müssten Verbraucher dennoch sparen, sagte Norman Donner, Naturschutzreferent beim Bund und Umwelt und Naturschutz (BUND) in Schwerin. Bei technischen Problemen sollten Netze und Klärwerke, die in Ostdeutschland eh viel zu groß gebaut worden seien, modernisiert und auf geringeren Verbrauch abgestimmt werden, forderte er. Schließlich lebten die Deutschen nicht auf einer einsamen Insel: Schon im Urlaub am Mittelmeer müsse kräftig auf die Spartaste gedrückt werden.

Umweltminister Till Backhaus (SPD) verweist auf den Rückgang der Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem habe vor der Wende jeder im Nordosten täglich noch weit mehr als 200 Liter Trinkwasser verbraucht. Nach diesen Mengen seien dann neue Leitungen, Wasser- und Klärwerke geplant und viel zu groß gebaut worden, bestätigte der Minister. Rund 1,5 Milliarden Euro habe das Land in Wasserversorgung und Entsorgung investiert. Nun müsse auch die weitere Modernisierung finanziell begleitet werden, erklärte Backhaus.

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