Wasserqualität : Wasser in MV wird zur Chefsache

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60 Millionen Euro gibt das Land den Gemeinden, damit sie den Zustand der Gewässer in ihren Territorien verbessern können. Doch die Bilanz ist ernüchternd. das soll sich jetzt ändern.

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28. Juni 2017, 20:45 Uhr

Obwohl das Land Mecklenburg-Vorpommern Milliarden in die Gewässer investiert hat, sind nur sehr wenige in einem guten Zustand. Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) macht das Wasser jetzt zur Chefsache. Nach Vorgaben aus Brüssel sollten die Gewässer in der EU Ende 2015 in einem guten chemischen und ökologischen Zustand sein. Die Bilanz sei ernüchternd, sagte Backhaus am Dienstagabend in Schwerin. 97 Prozent der Fließgewässer, 82 Prozent der Seen und alle Küstengewässer und 45 Prozent der Grundwasservorkommen im Land verfehlten das Ziel. Neun Jahre seien für das Projekt zu kurz gewesen, sagte er. Deshalb seien noch einmal neun Jahre angehängt worden.

Veränderungen wie die Begradigung von Fließgewässern, Stauanlagen oder der Umbruch von Niedermoorflächen wie in der Friedländer Wiese seien nicht so schnell zurückzudrehen. Viele Tier- und Pflanzenarten seien noch nicht zurückgekehrt. Ein großes Problem sei der anhaltende Nährstoffzufluss. Mit der neuen Düngeverordnung werde es eine deutliche Verringerung der Einträge geben, hofft Backhaus.

Das Ministerium hat nach eigenen Angaben mehr als 700 Gemeinden im Land und damit fast alle angeschrieben. Die Gemeinden seien für etwa 85 Prozent der geplanten Maßnahmen zuständig. Insgesamt gehe es um 8000 Kilometer Fließgewässer und 200 größere Seen. Die Gemeinden hätten konkrete Hinweise bekommen, was verändert werden müsse, zum Beispiel Rohrdurchlässe bei Bächen oder die Ackernutzung dicht an Gewässern. Für die Maßnahmen stelle das Land 60 Millionen Euro bereit.  Referent Arp Fittschen vom Städte- und Gemeindetag des Landes sagte am Mittwoch, die vom Land angekündigte Förderung der Maßnahmen von 90 Prozent sei sehr viel. Teilweise könnten die Gemeinden sogar 100 Prozent Förderung erhalten, etwa wenn der Gewässerumbau zugleich eine  Naturschutz-Ausgleichsmaßnahme sei. Dennoch seien die Gemeinden in dem Konflikt, das Geld etwa für die Kita-Sanierung einzusetzen oder für den Umweltschutz. Er bedauerte, dass sie nicht zugleich ihre Dorf- oder Feuerlöschteiche in Ordnung bringen dürften. Auch halte er den geplanten Zeitraum von neun Jahren für zu kurz. Das Land hätte der EU nicht so viele Gewässer melden sollen, darunter Bäche, die niemand kenne, meinte er.  Für die Kosten müsste nach seiner Ansicht der Bund aufkommen, der die europäische Wasserrahmenrichtlinie mit getragen und unterzeichnet habe. Für die Verbesserung des schlechten chemischen Zustands der Gewässer müssten die Verursacher aufkommen, zum großen Teil die Landwirtschaft. „Dennoch versuchen wir dafür zu werben, dass die Gemeinden der Pflicht nachkommen“, sagte Fittschen. Geklärt werden müsse jedoch noch, wer die späteren Pflegemaßnahmen bezahle. 

>> Wasserrahmenrichtlinie in MV

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