Grimmen : Waschen unter Volldampf

In der Wächerei Fliegel in Demmin werden täglich bis zu 20 Tonnen Wäsche für 50 Luxushotels gewaschen.
In der Wächerei Fliegel in Demmin werden täglich bis zu 20 Tonnen Wäsche für 50 Luxushotels gewaschen.

Saubere Laken, frische Bettbezüge: Damit sich die Urlauber im Land wohlfühlen, arbeiten Großwäschereien derzeit im Akkord

svz.de von
29. Juli 2014, 21:11 Uhr

Am Arbeitsplatz von Jana Oligschläger an der „Großteilemangel“ ist es mit 50 Grad heißer als am Strand und die Luftfeuchtigkeit ist vergleichbar mit der in den Tropen. Statt tosendem Wellenrauschen erfüllt zwar lauter Maschinenlärm die Halle der Großwäscherei in Grimmen – doch trotzdem sind Oligschläger und ihre Kollegen den Urlaubern, die sich an den Stränden der Ostseeküste erholen, näher als gedacht. In der Fliegel Textilservice GmbH reinigen sie die Wäsche von 50 Vier- und Fünf-Sterne-Hotels von der Ostseeküste und aus Berlin: Bettwäsche, Handtücher, Bademäntel und Tischwäsche gehen im streng getakteten Rhythmus durch Waschstraße, Trockner, Heißmangel und Faltanlage.

 

In den Ferienhotels an der Küste herrscht derzeit Hochsaison mit vollen Zimmern, vielen Urlaubern und Bettenwechseln. „Wenn die Hotels boomen, boomt es bei uns auch“, sagt Schichtleiterin Isabel Zieris. In zwei Zehn-Stunden-Schichten ab sechs Uhr morgens stehen die Maschinen unter Volldampf – für 21 bis 22 Tonnen Wäsche pro Tag. „Viele Hotels erwarten, dass die Wäsche innerhalb von 24 Stunden wieder frisch gewaschen und gebügelt zurück im Hause ist.“

Im Juni 2012 eröffnete die Fliegel Textilservice GmbH mit der Wäscherei in Grimmen ihren dritten Firmenstandort. Während die Wäsche von Berliner Luxushotels wegen der Nähe zu Polen überwiegend in Nowe Czarnowo gereinigt wird, geht die Wäsche aus den Küstenhotels nach Grimmen, wo 65 Mitarbeiter arbeiten. Preislich gebe es zwischen der in Polen und Deutschland gewaschenen Wäsche keinen Unterschied, sagt Zieris. Zu den Kunden in Grimmen gehören unter anderem das Neptun Hotel Warnemünde, das Kurhaus Ahrenshoop oder auch das Strandhotel Ostseeblick in Heringsdorf.

Ein ausgeklügelte Logistik stellt sicher, dass bei 50 Hotelkunden Verwechslungen ausbleiben und die Wäsche pünktlich zurückkommt. Neue Wäsche wird zunächst „gepagt“, wie Zieris erklärt. Pagen? „Kennzeichnen“, sagt sie lachend und zieht ein Laken aus einem Container. Versteckt am Saum erhält jedes Wäschestück einen Aufkleber mit Hotelnamen und Nummer – erst dann geht es erstmals in den Kreislauf: Werden die Schmutzwäsche-Container angeliefert, zieht sie Marion Hinzmann zunächst auf die Waage und liest sie in den Computer ein. Dann sortieren Mitarbeiter den Wäscheberg am Fließband nach Groß- und Kleinwäsche. Gerade die Bademanteltaschen halten so manche Überraschung bereit: Handys, Unterwäsche, Uhren, Fernbedienungen, Kuscheltiere – all die vom Urlauber in den Taschen versenkten Utensilien werden mit einem Fundzettel versehen und gehen zurück ans Hotel und den hoffentlich glücklichen Besitzer.

Manuel Glimm gehört zu den sechs Männern, die die Waschstraße und die Trockner bedienen. Trotz der Computertechnik ist die Arbeit hier besonders anstrengend. In 50 Kilogramm-Chargen packen er und seine Kollegen die weiße Wäsche auf die Fließbänder, die hoch zur Waschstraße fahren. Dort fällt sie in den Vorwaschbehälter. Über eine Schnecke wird sie zum Hauptwaschbehälter transportiert, wo sie bei 75 oder 95 Grad gereinigt wird. Nach 45 Minuten ist der Waschgang für 50 Kilogramm beendet.

Als Mann in einem eher frauentypischen Beruf zu arbeiten, damit habe er keine Probleme, sagt Glimm und leert den Trockner mit der Frotteewäsche, die in nur 20 Minuten bei 170 Grad vollständig getrocknet ist.

Die Bett- und Tischwäsche geht halbtrocken in die Mangel, zu Jana Oligschlägers heißem Arbeitsplatz. Zusammen mit ihren Kolleginnen klemmt sie die Laken und Bettbezüge in die Halterungen. Feuchter und heißer Dampf schlägt den Frauen entgegen. „Gegen die Hitze und Feuchte hilft nur viel trinken und sommerliche Kleidung.“ 800 Großteile laufen pro Stunde übers Mangelband und kommen nach 45 Sekunden sauber gefaltet wieder heraus. Noch vor dem Mittag sammeln sich die ersten Container in der Ausgabe – mit gefalteter Wäsche für den Rücktransport ins Urlaubsdomizil. Dort beginnt der Kreislauf von Neuem.

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