Mecklenburg-Vorpommern : Waschbär und Co. auf der Jagd

<strong>Putzige Plagegeister: Waschbären</strong> breiten sich in Mecklenburg-Vorpommern immer weiter  aus. <foto>Jochen Lübke/dpa</foto>
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Putzige Plagegeister: Waschbären breiten sich in Mecklenburg-Vorpommern immer weiter aus. Jochen Lübke/dpa

Der Waschbär erobert MV. Die Kleinbären im Garten können jedoch nerven, mancherorts werden sie gar zur Gefahr. Vor allem in der Vogelwelt richten die kletternden Kleinbären erheblichen Schaden an, warnen auch Zoologen.

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11. Januar 2013, 07:41 Uhr

Waren | Der Waschbär erobert Mecklenburg-Vorpommern. In den zurückliegenden Jahren haben sich die ursprünglich aus Amerika stammenden Kleinbären hier immer weiter ausgebreitet. Eine Tatsache, die nicht nur Jägern inzwischen viel Sorge bereitet. Denn der Waschbär ist ein Allesfresser und macht weder vor den Gelegen seltener Vogelarten noch vor Niederwild wie Hase, Rebhuhn und Fasan halt.

"Der Waschbär ist viel wirksamer und einflussreicher als etwa der Marderhund", bestätigt der Rostocker Zoologe Professor Ragnar Kinzelbach. "Der Waschbär ist ein ausgewiesener Kletterer und ausgesprochener Fleischliebhaber. Dabei räumt er auch Gelege auf den Bäumen aus, was andere Räuber nicht können." Als "Neuer" in der heimischen Tierwelt hat der Waschbär keine natürlichen Feinde. Bleibt der Mensch, um regulierend einzugreifen. Allerdings ist die Jagd in Mecklenburg-Vorpommern nur im Wald und auf offenem Feld erlaubt.

Bundesweit gibt es nach vorsichtigen Schätzungen mittlerweile rund 500 000 Waschbären. Auch die neuesten sogenannten Streckenzahlen belegen das. Genau 71 071 Waschbären wurden in Deutschland laut Deutschem Jagdschutzverband im Jagdjahr 2011/2012 erlegt, 3365 mehr als im Jahr zuvor. Seit erstmals in den 1930er Jahren bei Kassel und Berlin Waschbären ausgesetzt wurden, haben sich die Tiere heute in fast allen Bundesländern ausgebreitet.

"Naturschützer und Jäger sind sich bei uns einig, dass der Waschbär stärker bejagt werden muss", berichtet der Jäger und Fachjournalist Peter Burckhardt aus dem niedersächsischen Gartow. Gemeinsam mit den Naturschützern müsse man etwas tun. So würden etwa Plastikmanschetten um die Nistbäume von Höhlenbrütern wie Sperlingskauz, Hohltaube und Schellente gelegt. Auch Fledermäuse seien bedroht, sagt Burckhardt.

Doch der Waschbär ist nicht die größte Gefahr: "Noch schlimmer ist der Mink. Der frisst uns entlang der Gewässer die Wasservogelgelege weg", erklärt Zoologe Kinzelbach. "Man kann nicht warten, bis sich das auf natürlichem Wege regelt", warnt er.

Schuld an dem Problem mit den tierischen Neubürgern - in der Fachsprache als "Neozoen" bezeichnet - hätte aber vor allem der Mensch. Nicht nur mit Straßenverkehr und Monokulturen habe er die einheimische Tierwelt nachhaltig geschädigt. "In einer sich frei entwickelnden Natur wären solche Tiere kein Problem und könnten sich in die einheimische Tierwelt integrieren."

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