Kommentar : Was wiegt mehr?

Reinhard Dettmann, Chef des Städtetages und Wende-Aktivist, sieht sich in seinem Vertrauen getäuscht und in seinen Idealen betrogen.

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21. Oktober 2014, 21:00 Uhr

Die Lebensgeschichte von Michael Thomalla wird 25 Jahre nach dem Mauerfall für neue Debatten zur Vergangenheitsbewältigung sorgen. Vor 30 Jahren hat er eine Verpflichtungserklärung unterschrieben und fleißig für die Stasi gespitzelt. Sechs Jahre. 24 Jahre lang hat er seine Kraft der freiheitlich demokratischen Grundordnung gewidmet. Was wiegt mehr? Sechs Jahre, die er heute als Fehler erkennt, oder 24 Jahre?

Reinhard Dettmann, Chef des Städtetages und Wende-Aktivist, sieht sich in seinem Vertrauen getäuscht und in seinen Idealen betrogen. Thomalla baute seine Karriere auf einer Lüge auf, sagt er - und hat damit recht. Ein Verräter aus der DDR-Zeit, der nicht die Kraft zu selbstständiger Reue fand. Bitter.

Rechtlich ist es eindeutig. Thomalla hat seinen Arbeitgeber getäuscht, egal ob aus Angst oder Existenzsicherung. Eine Aufarbeitung der Geschichte ist die Kündigung aber nicht.

Die Gesellschaft sollte sich vor Stigmatisierungen hüten und einen Weg finden, wie 25 Jahre nach der Wende mit den Thomallas umgegangen werden soll.

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