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Mecklenburg-Vorpommern

24. Oktober 2017 | 08:03 Uhr

Was treibt Täter zu solchen Verbrechen?

vom

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2012 | 11:57 Uhr

Ein junges Mädchen wird überfallen und über mehrere Tage vergewaltigt. Was geht im Täter vor? Mit dem Berliner Gerichtspsychiater Dr. Frank Wendt sprach Thomas Volgmann.

Der Fall Rebecca ist kein Einzelfall. Was treibt Gewalttäter zu solchen brutalen Taten?

Es gibt da die verschiedensten Motivlagen. Wir finden unter den Menschen, die solche Taten begehen, welche mit psychiatrischer Diagnose, aus denen sich dann einige Motive ableiten lassen. Aufgrund der psychischen Krankheit entwickeln wir dann auch ein Verständnis, warum so etwas passieren konnte. Schwerer ist es dagegen zu akzeptieren, dass Gewalttaten auch von ganz normalen Menschen begangen werden, die eben nicht krank oder verrückt sind. Das Spektrum möglicher Motive ist hier wesentlich breiter und individueller, an der Person des Betreffenden und seine Lebensumstände gebunden.

Wenn diese Täter wissen, was sie tun, warum sind sie zu solchen brutalen Verbrechen fähig? Fehlt ihnen Empathie?

Mitgefühl ist nicht das Problem. Vielmehr handelt es sich oft um egozentrische Menschen, die auf ihre eigenen Bedürfnisse fixiert sind. Dabei spielen dann die Bedürfnisse anderer kaum oder keine Rolle, und die Hürden für Grenzverletzungen bis hin zu schweren Straftaten sind schnell genommen. Gerade wenn jemand im Augenblick lebt, spielen Konsequenzen keine Rolle. Aus der selbstbezogenen Position mag es mitunter nur um einen Ausgleich gegenüber einem tristen Alltag, um Aufwertung oder um ein kurzfristiges Erfolgserlebnis gehen, das dann für andere zur Katastrophe wird.

Sind alle Gewalttäter therapierbar?

Nicht alle. Bei Gewalttätern mit psychiatrischen Krankheiten ist eine Behandlung allemal sinnvoller, als das bloße Wegsperren, das nichts ändert. Aber auch für Gewalttäter, die als "normal" gelten, gibt es Behandlungsangebote, z.B. in Sozialtherapeutischen Abteilungen innerhalb der Haftanstalten. Es geht jeweils um die individuellen Risikofaktoren und darum, wie diese zu beeinflussen sind, sei es durch Trainingsprogramme, Psychotherapie, Medikamente oder eben nur durch Freiheitsentziehung. Mittlerweile gibt es auch über die unmittelbare Freiheitsentziehung hinaus ein Arsenal von Betreuungs- oder Behandlungsmöglichkeiten, die das Risiko von Rückfällen vermindern. Gleichwohl gibt es keine 100-prozentige Sicherheit, was den Druck auf Entscheidungsträger bei der Frage erhöht, ab wann der Einzelne als weniger oder nicht mehr gefährlich für die Allgemeinheit anzusehen ist.

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