Insekten : Was summt denn da?

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Im Sommer fühlen sich viele Menschen von ihnen genervt, doch Bienen, Wespen & Co. sind von großem Nutzen für Flora und Fauna

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13. Juli 2014, 07:58 Uhr

Gerade in der Draußen-Saison, nerven sie – vor allem die Wespen mit ihren hektischen Flugbewegungen. Sie brummen über der Kaffeetafel, summen um den Saftbecher herum, setzen sich frech aufs Grillfleisch. Nicht selten sieht man dieser Tage ansonsten friedfertige Menschen, die mitten im Gespräch panisch aufspringen und wie wild um sich schlagen.

Schnell werden all diese Flieger als hungrige Wespen identifiziert. Dabei ist die Gruppe der Hautflügler eine der artenreichsten der Tierwelt. Allein an Bienen – zu denen auch die Hummeln zählen – existieren mehrere Hundert Arten in Deutschland; die wenigsten davon sind Honigbienen. Diese als Volk lebende und überwinternde Art stellt vielmehr die Ausnahme dar. Längst nicht alle Bienen sind gesellig: „Die meisten Bienenarten leben – wie auch die meisten Wespenarten – alleine“, weiß man beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Bei diesen Einzelgängern gibt es keine Hierarchie aus Königin, Arbeiterinnen und Drohnen, sondern schlicht Männchen und Weibchen.

Letztere sind für Nestbau und Brutpflege zuständig. Die Eier werden je nach Art in der Erde, in Ritzen, natürlichen oder künstlichen Steilwänden deponiert. Lediglich die Weibchen verfügen über den von vielen Menschen gefürchteten Wehrstachel. Damit können sie stechen, wenn sie sich bedroht fühlen.

Wespen und ihre Verwandten sind für den Fortbestand der Natur, wie wir sie kennen, unverzichtbar. Sie prägen die biologische Vielfalt der gesamten Pflanzenwelt. „Bunte Wiesen gibt es nur, weil es bestäubende Insekten gibt“, erläutert der Biologe Norbert Voigt aus Kiel, ausgewiesener Kenner der schleswig-holsteinischen Insektenwelt.

Zudem sei ein erheblicher Teil der globalen Lebensmittelproduktion abhängig von Insekten, allen voran Bienen, die die Pflanzen bestäuben. Im Zyklus des Fressens und Gefressenwerdens in der Natur spielen sie ebenfalls eine wichtige Rolle: einerseits als Beutetiere für andere wirbellose Tiere wie Spinnen oder für Vögel, andererseits als Räuber, die andere Insekten wie Blattläuse oder Wanzen vertilgen. Wie der Lebensraum anderer Insekten wird auch jener der Hautflügler immer stärker eingeengt. Bei Naturfreunden sind darum seit Neuestem als Insektenhotels bezeichnete Nisthilfen in. Solches Engagement für die Tierwelt sei eine gute Sache, lobt Norbert Voigt. Wissen müsse man jedoch, dass nur einige Arten davon profitieren. Die beste Unterstützung für Bienen und Wespen sei darum die Erhaltung ihrer natürlichen Lebens- und Nistareale wie alte Bäume und offene Bodenflächen in Heide oder Magerrasen.

Zu den besonderen Sorgenkindern weltweit gehören derzeit die Honigbienen. Das älteste und kleinste Nutztier der Menschen stirbt selbigen seit einigen Jahren regelrecht unter den Fingern weg: Die Mortalität der Völker habe im Winter 2012/2013 EU-weit bis zu 33,6 Prozent betragen, schlägt der Bundesverband für Tiergesundheit Alarm. Hauptursache sei der Befall mit der Varroa-Milbe, hinzukämen verschiedene virale und bakterielle Infektionen wie die Amerikanische Faulbrut.

Besorgt blicken nicht nur Imker, sondern auch Biologen auf die Honigbienen, gelten diese doch als wichtige Öko-Indikatoren: Ihre Gesundheit, ihre Produktionsleistung sowie die Entwicklung der ihrer Völker geben Aufschluss über den Zustand von Ökosystemen und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Bienen sind zudem wirtschaftlich von hohem Wert. Die (volks)wirtschaftliche Bedeutung ihrer Bestäubungsleistung wird nach Angaben des Bundesverbandes für Tiergesundheit auf rund zwei Milliarden Euro jährlich beziffert, weltweit auf zirka 150 Milliarden Euro.

Wespen-Regeln

1. Vorsorge

❍ Nahrungsmittel im Freien abdecken und Reste wegräumen.

❍ Stark riechende Parfums und Cremes sowie bunte Kleidung im Freien vermeiden, sie können Wespen anziehen.

❍ Kindern nach dem Essen den Mund abwischen.

❍ Getränke mit dem Strohhalm trinken, nie direkt aus der Flasche.

❍ Obst rechtzeitig abernten und aufsammeln.

❍ Fliegengitter vor Türen und Fenstern anbringen.

2. Vertreiben

❍ Heftige Bewegungen und auch Wegpusten vermeiden:Das Kohlendioxid im Atem gilt im Wespennest als Alarmsignal.

❍ Das Nest nicht verschließen, weil sich die Tiere dann einen anderen Ausgang suchen und so ins Haus gelangen können.

❍ Wespen, die sich ins Haus verirrt haben, ein Glas überstülpen, ein Stück Papier unterschieben und nach draußen bringen.

❍ Von Wespennestern am Haus stets zwei bis drei Meter Abstand halten und die Flugbahn der Tiere nicht versperren.

❍ Nach den ersten Frostnächten gehen die Wespen ein, das Nest kann gefahrlos entfernt werden. Die Stelle gut säubern, weil wohnungssuchende Königinnen im nächsten Jahr ihr neues Nest dort anlegen könnten, wo es nach Wespe riecht.

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