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Netz der Pflegestützpunkte im Land wird dichter : Was lange währt...

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Schon seit Jahresbeginn finden Ratsuchende dort Ansprechpartner, heute wird der Pflegestützpunkt in Neustrelitz nach Angaben der AOK-Nordost auch offiziell eröffnet. Und er ist nicht der einzige im Land.

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erstellt am 25.Feb.2013 | 12:47 Uhr

Schwerin/Neustrelitz | Schon seit Jahresbeginn finden Ratsuchende dort Ansprechpartner, heute wird der Pflegestützpunkt in Neustrelitz nach Angaben der AOK-Nordost auch offiziell eröffnet. Und er ist nicht der einzige neu geschaffene Anlaufpunkt für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen: Auch in Anklam und Demmin (offizielle Eröffnung am 5. März) nahmen zu Jahresbeginn von Krankenkassen und Kommunen gemeinsam getragene Beratungsstellen die Arbeit auf. In Stralsund, so AOK-Nordost-Sprecher Markus Juhls, wird es ab 1. März einen Pflegestützpunkt geben, Greifswald will bis spätestens Ende Juni nachziehen. Absichtserklärungen gebe es auch vom Kreistag Ludwigslust-Parchim und - vorbehaltlich der Finanzierbarkeit - von der Schweriner Stadtvertretung.

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald könnte der erste im Land werden, der die ursprüngliche Vorgabe, eine Anlaufstelle pro Altkreis bzw. pro kreisfreier Stadt zu schaffen, erfüllt, so AOK-Sprecher Juhls. Denn in Pasewalk existiert bereits seit April 2011 ein Pflegestützpunkt, im selben Jahr wurden auch in Rostock und Güstrow Beratungsstellen eröffnet.

Danach allerdings tat sich lange Zeit nichts - obwohl die Errichtung von Pflegestützpunkten bereits seit 2009 gesetzlich vorgeschrieben ist. Dem Bund waren diese unabhängigen und neutralen Beratungsstellen so wichtig, dass er pro Standort bis zu 45 000 Euro als Anschubfinanzierung zur Verfügung stellte - allerdings nur bis Ende Juni 2011. Mit 600 000 Euro verfiel damals der Großteil des für MV zur Verfügung stehenden Geldes. Auch von den 750 000 Euro, die für Personalkosten der Pflegestützpunkte seinerzeit im Landeshaushalt bereitstanden, wurden nur 56 700 Euro abgerufen. Die Kommunen verwiesen auf die Kreisgebietsreform, erst nach deren Inkrafttreten sahen sie sich in der Lage, die Beratung Pflegebedürftiger wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Auch das brauchte seine Zeit, andere Probleme waren in den neuen Gebietskörperschaften dringlicher.

Dazu kam: Mit Ausnahme Rostocks wurden die ersten Pflegestützpunkte in der Startphase kaum angenommen. Einer Erhebung der Krankenkassen zufolgen wandte sich im zweiten Halbjahr 2011 im statistischen Mittel täglich nur ein einziger Ratsuchender an die jeweils zwei Berater in Pasewalk und Greifswald. Bliebe das so und sei ein wirtschaftlicher Betrieb in absehbarer Zeit nicht möglich, müsse man in Betracht ziehen, die Stellen wieder zu schließen, hieß es damals von den Kassen, die die Hälfte der Kosten tragen. Doch die Inanspruchnahme wuchs stetig, "von Jahr zu Jahr verdoppelten sich die Beratungszahlen", so AOK-Sprecher Juhls. Gründe dafür sieht er darin, dass die Beratungsstellen inzwischen viel besser in der Region verwurzelt seien.

Vielerorts hätten sie sich Netzwerke aufgebaut, und längst würde nicht mehr nur in den eigenen Büros, sondern beispielsweise auch in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen beraten. Rechtsänderungen wie die Reform der Pflegeversicherung würden den Beratungsbedarf außerdem nach oben treiben. Nach Erhebungen des Sozialministeriums kontaktieren derzeit durchschnittlich 60 bis 70 Ratsuchende monatlich die Pflegestützpunkte - dreimal so viele wie im Vorjahr. Sozialministerin Maunuela Schwesig sieht daher auch weiterhin die Notwendigkeit, im Land ein flächendeckendes Netz von Pflegestützpunkten zu errichten.

"In meiner Bürgersprechstunde erlebe ich oft, dass den Menschen Fragen rund um das Thema Pflege auf den Nägeln brennen." Pflegefälle würden ad hoc entstehen. "Oft sind die Angehörigen mit der neuen Situation überfordert. Deshalb ist mir wichtig, dass die Menschen überall im Land eine unabhängige Beratungsstelle - den Pflegestützpunkt - haben und vor Ort von fachkundigem Personal durch diese schwierige Zeit begleitet werden", so Schwesig.

Für alle Pflegestützpunkte, die bis zum 30. Juni errichtet werden, gewährt das Land eine Anschubfinanzierung von bis zu 22 000 Euro. Außerdem werden unabhängig vom Zeitpunkt der Errichtung bis zu 70 Prozent der kommunalen Personalkosten übernommen.

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