5 Jahre nach dem Welttreffen : Was ist vom G8-Gipfel geblieben?

<fettakgl>Familienfoto mit Vertretern</fettakgl> der G8-Staaten und der EU im Strandkorb XXL. Foto: dpa
Familienfoto mit Vertretern der G8-Staaten und der EU im Strandkorb XXL. Foto: dpa

Gutes Wetter, beste Stimmung und ein Strandkorb - die Bilder aus Heiligendamm gingen um die Welt. Der G8-Gipfel vom 6. bis 8. Juni 2007 kostete das Land mehr als 45 Millionen Euro war mit Abstand die teuerste Imagekampagne.

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07. Juni 2012, 08:36 Uhr

Rostock | Gutes Wetter, beste Stimmung und ein Strandkorb - die Bilder aus Mecklenburg-Vorpommern gingen um die Welt, als die Staatschefs der acht Welt-Industrienationen Glanz und Weltläufigkeit nach Heiligendamm brachten. Der G8-Gipfel vom 6. bis 8. Juni 2007 kostete das Land mehr als 45 Millionen Euro und war mit Abstand die teuerste Imagekampagne. Heute vor genau fünf Jahren ging das Mega-Event zu Ende. Was blieb?

Politisch Viele Beschlüsse waren schon bald von der Wirklichkeit eingeholt. Beispiel Finanzmärkte: Durch den Widerstandes der USA und Großbritanniens wurde keine Einigung über einen freiwilligen Verhaltenskodex für Hedgefonds erzielt. In der Abschlusserklärung entsprach man lediglich dem Wunsch Deutschlands, weitere Beratungen folgen zu lassen. Finanzmarktregulierungen wurden bei den Verhandlungen nicht beschlossen. Nur ein Jahr später begann die Finanzkrise, die die Welt bis ins Mark erschütterte.

Grand Hotel Heiligendamm "Mit dem G8-Gipfel erreichten wir eine internationale Aufmerksamkeit, die mit keiner anderen Kampagne so möglich gewesen wäre", sagt Christian Plöger, Sprecher der Fundus-Gruppe. Das Unternehmen hatte die Immobilie 2003 mit 200 Millionen Euro zu einem Fünf-Sterne-Hotel mit 225 Zimmer - darunter 107 Suiten - ausgebaut. Doch die positiven Auswirkungen von G8 waren nur kurz. Vor dem Gipfel im Jahr 2006 hatte die Nobelherberge eine jährliche Auslastung von unbefriedigenden 45 Prozent. Ein Jahr nach dem Event 2008 lag sie immerhin bei 65 Prozent. Aber bis zum vergangenen Jahr war die Auslastung wieder auf 44 Prozent gefallen. "Die Erwartungen im Bezug auf internationale Gäste haben sich nicht erfüllt", schätzt Plöger ein. Auch waren die Probleme des Hotels wie fehlende Angebote außerhalb der Saison vor fünf Jahren die gleichen wie heute. Das Grand Hotel ist seit Februar 2012 pleite. Der Insolvenzverwalter sucht einen Käufer.

Tourismus in MV Im Jahr vor dem Gipfel 2006 wurden im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern 24,8 Millionen Übernachtungen gezählt. In jedem Jahr nach G8 lagen die Zahlen deutlich darüber. 27,6 Übernachtungen waren es zuletzt im Jahr 2011. Doch wissen Experten wie Tobias Woitendorf, Sprecher des Tourismusverbandes, dass die Ursachen dieses Erfolges schwer messbar sind. "Fest steht allerdings, dass Mecklenburg-Vorpommern durch den Gipfel bekannter geworden ist", meint Woitendorf. Nach einer Studie soll es im Zusammenhang mit G8 weltweit etwa 1000 Veröffentlichungen zu MV mit touristischem Bezug gegeben haben. "Anzeigen-Äquivalenzwert 2,5 Millionen Euro", rechnet Woitendorf vor. Dennoch blieb der Ausländeranteil unter den Urlaubern mit nur drei Prozent weiter gering. Bundesweit liegt dieser Anteil bei 15 Prozent.

Justiz Auch fünf Jahre nach G8 sind die juristischen Auseinandersetzungen nicht beendet. Erst in der vergangenen Woche ist beim Oberlandesgericht eine Beschwerde über ein Urteil des Landgerichts Rostock zur Entscheidung eingegangen. Das Landgericht hat im April entschieden, dass der so genannte Präventivgewahrsam gegen Gipfelgegner, der auf Grundlage des SOG MV während des G8-Gipfels zur Anwendung kann, nicht der europäischen Konventionen für Menschenrechte entspricht.


Zahlen und Fakten

•  Der Gipfel fand vom 6. bis 8. Juni 2007 statt.
• Staatschefs der sieben Welt-Industrienationen und Russlands nahmen daran teil.
• Themen waren: Finanzpolitik,
Klimaschutz, Afrika, Weltwirtschaft
• 5400 Journalisten hatten sich im
Medienzentrum in Kühlungsborn akkreditiert.
• 17 400 Polizisten, 1100 Soldaten und 2300 Helfer waren im Einsatz.
• Ärzte und Sanitäter mussten 642 Verletzte versorgen.
• Tausende Globalisierungskritiker und G8-Gegner waren vor Ort.
• MV veranschlagte die Gesamtkosten mit 92 Millionen Euro.
• Parallel fand ein Junior8-Gipfel in Wismar statt.

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